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XR-Technologien: Digitale Nähe trotz physischer Distanz

XR-Technologien bergen ein großes Potenzial zur Prozessoptimierung, von der besonders die Produktions- und Fertigungsindustrie profitieren kann. Im Kontext der aktuellen Krise bietet sie vielfältige Möglichkeiten der kontaktarmen Arbeitsorganisation. Was sie jedoch besonders attraktiv macht – auch über die Corona-Krise hinaus: Sie leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Die Corona-Pandemie als Treiber der XR-Technologien

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Januar 2020 sind viele Unternehmen schlagartig vor neue Herausforderungen gestellt worden. Dies betraf vor allem die Industrie- und Fertigungsbranche, da globale Lieferketten, Prozesse und Arbeitsweisen in kürzester Zeit dynamisch angepasst werden mussten, während die Zusammenarbeit durch Remote Work limitiert war. Im Zuge dessen hat sich in den letzten Monaten der Einsatz von digitalen Arbeitsweisen als essenzielle Grundlage für den Erfolg in der Corona-Krise herauskristallisiert. Insbesondere die Nutzung von XR-Technologien hat dabei neue Dimensionen der effektiven Zusammenarbeit von Mitarbeitenden ermöglicht. Jedoch ist oft unklar, welche Investitionen nötig sind, wie hoch die erzielten Effizienz- und Nachhaltigkeitspotenziale konkret sind und ob die möglichen XR-Anwendungsfälle auch nach der Corona-Krise relevant sein werden. 

Das XR Potenzial am Beispiel AkzoNobel

Der Umzug einer der Fabriken des Unternehmens AkzoNobel von Singapur nach Vietnam wurde durch die Umsetzung eines sofortigen Einreiseverbots unerwartet unterbrochen. Durch die neuen Umstände konnte das erfahrene Team aus Singapur die ersten Produktionschargen in der neuen Fabrik in Vietnam nicht beaufsichtigen und unterstützen. Es bestand somit das Risiko, dass sich das Projekt auf unbestimmte Zeit verzögern würde.

Um dieses Risiko abzuwenden hat sich AkzoNobel entschlossen, die notwendige Zusammenarbeit der Mitarbeitenden mittels XR-Technologien remote zu ermöglichen. Damit konnte nicht nur der Werksumzug planmäßig umgesetzt werden, sondern auch wertvolle Reisezeit der Mitarbeitenden inklusive der sonst anfallenden Reisekosten eingespart sowie das damit verbundene CO2-Budget entlastet werden. 

Anton Vendelstrand, der leitende Automation and Design Engineer beschreibt den Lösungsansatz sehr anschaulich: "Zusammen mit meiner Kollegin Sara Khosravi haben wir eine Augmented Reality Brille (AR) angeschafft. Das F&E-Team in Singapur konnte dann in Echtzeit sehen, woran die Kollegen in Vietnam arbeiten und gleichzeitig fachliche Unterstützung leisten. Währenddessen konnten die Mitarbeitenden in Vietnam komplett freihändig arbeiten."

Die Bandbreite der Lösungen im XR-Umfeld

Das Beispiel von AkzoNobel stellt jedoch nur einen der vielen möglichen Anwendungsfälle von XR-Technologien dar, wie die folgende Abbildung zeigt: 

Konkrete Vorteile quantifizieren

Der generelle Vorteil der XR-Technologien liegt dabei – ganz unabhängig vom Use Case – in der Kombination von Prozess- und Effizienzoptimierungen bei gleichzeitiger Einsparung der Kosten. Zusätzlich kann dabei die Nachhaltigkeit des Unternehmens gefördert werden. 

Ein gesamtheitlich positiver Effekt lässt sich in den meisten Anwendungsfällen schon über eine vergleichsweise geringe Zeitdauer von 3 Jahren realisieren, wie eine beispielhafte Kosten- / Nutzen-Analyse für den Fernwartungs-Case demonstriert. 

In unserer Modellannahme stellt das Unternehmen einer Gruppe von 100 Mitarbeitenden 10 HoloLens-Brillen zur Verfügung. Dabei belaufen sich die Kosten dieser Anschaffung inklusive Softwarelizenzen sowie der operativen Kosten und der Kosten für notwendiges Supportpersonal auf insgesamt 390.000 € über 3 Jahre. Unter der Annahme, dass lediglich 4 Wartungsfälle mittels dieser Technologie pro Jahr erfolgreich bearbeitet werden können, ergibt sich über den genannten Zeitraum bereits ein Einsparungspotenzial von 411.000 € und somit ein positiver Return on Invest. 

Doch auch die Ökobilanz von Fernwartungen stützt den Einsatz von XR-Technologien wie der HoloLens. Die effektive CO2-Einsparung durch den Verzicht auf eine Reise beträgt mehr als 99 Prozent. Fliegt ein Techniker beispielsweise zu einem Einsatz von Deutschland nach Abu Dhabi, verursacht er einen Ausstoß von mehr als 1.600 kg Kohlenstoffdioxid für den Flug, die Anreise zum Flughafen und für die Übernachtungen im Hotel. Dagegen entstehen bei der Nutzung einer HoloLens bei einem eintägigen Einsatz nur knapp 7 kg CO2, wobei der weitaus größte CO2-Ausstoß, der bei der Produktion der HoloLens anfällt, schon anteilig eingerechnet ist. 

Offensichtlich sind die oben genannten ökonomischen und ökologischen Vorteile auch unabhängig von den Einschränkungen der Corona-Pandemie in verschiedenen XR-Anwendungsfällen existent, denn: 

  • spezielles Expertenwissen ist häufig nicht dort vorhanden, wo es punktuell relevant ist. Somit können viele Fern-Wartungsfälle auch nach Lockerung der durch Corona bedingten Einschränkungen sinnvoll durch XR-Technologien umgesetzt werden, 

  • Mitarbeiterschulungen können durch XR-Technologien grundsätzlich effektiver und kostengünstiger umgesetzt werden,  

  • der Prozess des Produktdesigns lässt sich mittels XR-Technologien virtuell durchführen, um kürzere Produktentwicklungszeiten zu realisieren. 

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass sich Investitionen in XR-Technologien lohnen. Obwohl die Investitionskosten in ein entsprechendes System auf den ersten Blick unattraktiv wirken, amortisieren sie sich jedoch bereits nach wenigen Vorfällen im Jahr. Damit sind XR-Technologien Musterbeispiele für digitale Technologien, die Business-Interessen mit umweltpolitischen Notwendigkeiten im Sinne der sozialen Verantwortung von Unternehmen vereinen. 

Ausblick: 5G Campus Edge als synergetische Ergänzung zu XR-Technologien

Unsere Kundenerfahrungen zeigen, dass die Nutzung von XR-Technologien in kürzester Zeit einen positiven Business Impact realisieren kann und damit das Interesse an komplexeren und Wert generierenden Use Cases weckt. Oft werden dafür jedoch umfassende Datenmodelle und Echtzeit-Datenstreams benötigt, die unter hohen Sicherheitsanforderungen verarbeitet werden müssen. Zudem ist die Rechenpower von XR-Brillen bis zu einem bestimmten Grad limitiert. Um eine höhere optische Qualität zu gewährleisten, sind daher Berechnungen auf separaten Servern notwendig. In diesem Fall kann eine flüssigere Darstellung von optischen Inhalten zusätzlich durch niedrige Latenzen eines privaten 5G-Netzes profitieren.

Insofern ergänzen unsere Kunden XR-Lösungen häufig durch die Nutzung eines 5G Campus Edge bzw. eines privaten 5G-Netzwerks, um den Horizont weiterer Potenziale zu erschließen. Dabei spielen die XR-Technologien natürlich nur eine anteilige Rolle im Kontext aller relevanten Campus Edge Anwendungsfälle, wie in der Beispiel-Grafik dargestellt ist. 

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