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Fokuswechsel in der Nachhaltigkeitsstrategie

Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Teil der Strategie eines jeden Unternehmens geworden. Die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels, der stetig steigende Ressourcenbedarf und die rasante Beschleunigung der Digitalisierung verleihen dem Thema weitere Dringlichkeit. Auch Investoren, Verbraucher, Gesetzgeber und die Gesellschaft als Ganzes üben zunehmend Druck auf Unternehmen aus, ihren Teil zur Abwendung der drohenden Klimakrise beizutragen. Wir sehen fünf Schwerpunkte, die in den Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsstrategie von Telekommunikationsbetreibern rücken.

1. Übergang von Scope 1 und 2 zu Scope 3-Emissionen

Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden die meisten Telekommunikationsunternehmen Kohlenstoffneutralität in ihren Scope 1 und 2-Emissionen erreicht haben. Viele Telekommunikationsunternehmen haben ihre Klimaneutralitätsziele ursprünglich für die Jahre 2035 oder 2040 festgelegt. In den letzten Jahren wurden diese Ziele vorgezogen und die Fortsetzung dieses Trends wird zu einer weitgehend klimaneutralen Branche im Jahr 2030 führen. Folglich wird der Fokus im Jahr 2030 auf den Scope-3-Emissionen liegen.

Einige Betreiber beginnen bereits, sich mit dem Thema zu beschäftigen, indem sie die Auswirkungen ihrer Produkte auf der Ebene der Haushalte und Industriekunden immer genauer betrachten. Die primären Fragen sollten sich dabei nicht nur auf die Maßnahmen beschränken, die erforderlich sind, um Produkte und Dienstleistungen energie- und ressourceneffizient zu gestalten, sondern auch die Unterstützung der Kunden beim Energie- und Ressourcensparen umfassen, damit sie nachhaltiger leben und arbeiten.

Da der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergiemix weiter wächst und sich immer mehr Glieder der Lieferketten das Ziel setzen, zu 100 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen, verlagert sich die Aufmerksamkeit auf den CO2-Fußabdruck bei der Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen. Der Einsatz von erneuerbaren Energien im Betrieb wird in der Regel als selbstverständlich angesehen und steht nicht mehr im Mittelpunkt von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Stattdessen wird sich die Produktion der gesamten Telekommunikations-Hardware - von der Netzarchitektur bis zu den Endgeräten - und deren gesamte Lieferkette auf Ressourceneffizienz, zirkuläres Design und das Recycling von Altgeräten konzentrieren.

Die Berichtsstandards des Greenhouse Gas Protocol (GHG)

Quelle: Greenhouse Gas Protocol

2. Energieeffizienz ist unverzichtbar für die Energiewende

Obwohl die Energiewende bis zum Jahr 2030 in vollem Gange sein wird und viele Unternehmen ihren Energiebedarf fast vollständig aus erneuerbaren Energiequellen decken werden, wird der Gesamtenergiebedarf weiter steigen und die weltweite Energiewende gefährden. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, ist eine Steigerung der Energieeffizienz um mehrere Größenordnungen erforderlich.

Telco-Betreiber haben einen erheblichen Energiebedarf und müssen Wege finden, um auf jeder Ebene ihres Betriebs energieeffizienter zu werden. Ähnlich wie bei der Frage der Emissionen werden sie vor- und nachgelagerte Aktivitäten sorgfältig berücksichtigen müssen. Wie können Router, Access Points, Endgeräte sowie die Produktion und Beschaffung dieser Geräte so gestaltet werden, dass sie so wenig Energie wie möglich verbrauchen?

Da IoT-Geräte und vernetzte Geräte in jeder Phase der Produktion und Logistik eingesetzt werden, muss auch die Langlebigkeit und der Energiebedarf dieser Geräte optimiert werden, um sicherzustellen, dass sie nicht die Nachhaltigkeit und Effizienzgewinne zunichte machen, die sie versprechen.

3. Management einer steigenden Ressourcennachfrage

Die Nachfrage nach Ressourcen wird in die Höhe schießen - selbst, wenn die Einführung von IoT-Geräten nicht berücksichtigt wird. Aufgrund der Entwicklung von 5G (und 6G), dem Wachstum von Satelliten-Internetdiensten wie Starlink und der Verlegung von Millionen von Kilometern neuer Glasfaserkabel unter der Erde wird die Nachfrage nach Ressourcen und deren Nutzung in der Telekommunikationsbranche deutlich ansteigen.

Da parallel dazu sicherlich auch die Preise steigen werden, wird die Effizienz bei der Ausnutzung der Ressourcen und die Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Ressourcen noch wichtiger. Der Nutzen einer Technologie und ihrer Anwendungsfälle muss sehr klar sein, die Wahl der richtigen Lösung und Technologie für jeden neuen Zugangspunkt muss auf Basis einer Ressourcen-Nutzen-Analyse und des Energieverbrauchs erfolgen und nicht allein nach den Kriterien der technologischen Machbarkeit und des Preises. 

Was ist die richtige Lösung für jede spezifische Situation? Um nur ein Beispiel zu nennen: Können wir es uns wirklich leisten, die Zerstörung der Low-Orbit-Satelliten, die allein für die Versorgung entlegener Gebiete benötigt werden, mit allen darin enthaltenen Ressourcen alle fünf bis sieben Jahre (die erwartete Lebensdauer dieser Satelliten) zu akzeptieren? Oder wäre ein "traditioneller" mobiler Zugang mit aufrüstbaren und wieder verwertbaren Zugangspunkten die zunächst ressourcenintensivere, aber nachhaltigere Variante? Welche 5G- und 6G-Frequenzbänder bieten den besten Kompromiss zwischen der Anzahl der zu installierenden Antennen sowie der Latenz und dem möglichen Datenverkehr - für welchen Bereich und Anwendungsfall?

Dies sind nur einige der Fragen, mit denen Telcos im Jahr 2030 unweigerlich konfrontiert sein werden.

4. Das Ende der traditionellen jährlichen Smartphone-Upgrades

Eine weitere wichtige Frage wirkt sich direkt auf das Geschäftsmodell eines typischen Betreibers aus: Wie werden Kunden in einer Welt bedient, in der ständige Konnektivität erwartet und die meisten Geräte-Upgrades und neuen Funktionen in Form von Software und nicht von Hardware bereitgestellt werden? 

Das klassische Geschäftsmodell, den Kunden jedes Jahr ein neues Gerät mit inkrementellen Upgrades der Hardware zu verkaufen, ist dem Untergang geweiht. Die Verbraucher werden ein relativ teures, ressourcenintensives Hardware-Gerät auf der Grundlage ihrer individuellen Anforderungen (rollbarer/klappbarer Bildschirm, Gewicht, Größenanpassung für verschiedene Aufgaben) einmal auswählen und erwarten, dass sie es mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte lang nutzen können.

Reparierbarkeit, Aufrüstbarkeit, Rechenleistung als Service und andere Faktoren werden wichtiger sein als die Bildschirmauflösung oder die Größe des Kamerasensors. Neue Funktionen und Verbesserungen werden immer noch erwartet, aber eher als Software- als Hardware-Updates.

5. Tatsächliche Umsetzung der Entwicklungsziele

Die Sustainable Development Goals (SDGs) der UN setzen der Weltgemeinschaft ehrgeizige Ziele, um die Welt, in der wir leben, zu verbessern und unter anderem Armut und Hunger bis 2030 zu beseitigen. Sie sind in den letzten Jahren von vielen Unternehmen in die Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgenommen worden.

Für viele Unternehmen ist die Integration der SDGs in ihre Strategiepolitik jedoch kaum mehr als ein Lippenbekenntnis. Oft genug wurden bereits bestehende Initiativen und soziale Projekte einfach an den mehr oder weniger passenden Zielen ausgerichtet und in den Nachhaltigkeitsbericht aufgenommen, um eine gute PR-Story zu generieren. Der Fortschritt bei diesen Zielen wird von der UN kontinuierlich gemessen und was tatsächlich erreicht wurde, wird sich im Jahr 2030 zeigen. Da es wahrscheinlich ist, dass bis dahin nicht alle Ziele vollständig erreicht sind, werden neue, überarbeitete Ziele folgen und die Bedeutung von Unternehmen und ihrem Handeln bei der Erreichung dieser Ziele wird zunehmen.

Telco-Betreiber sind in der einzigartigen Position, wichtige Beiträge zur Erreichung dieser Ziele zu leisten. Die Ausbreitung der Digitalisierung und die von ihnen angebotenen Dienste, können die notwendigen öffentlich-privaten Partnerschaften erleichtern und bei der Implementierung von Werkzeugen helfen, mit denen Fortschritte bei fast allen Zielen und Unterzielen erzielt werden können. Telekommunikationsanbieter, die sich wirklich für die Erreichung der Ziele engagieren wollen, sollten ihren tatsächlichen Einfluss auf die SDGs und deren potenzielle Nachfolger messen und diese Wirkungsmessungen aktiv nutzen, um neue Lösungen zu entwickeln, die sowohl an den öffentlichen als auch an den privaten Sektor vermarktet werden können.

Vielen Dank an unseren Alumnus Jonas Kowalski für die Arbeit an diesem Artikel!