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Andrea Tribelhorn Interview SheLeads

Potenzial sticht Geschlecht: Warum Frauen in Tech nicht nur Female Empowerment brauchen

Frauen in Tech

Wie man ein Umfeld schafft, in dem Frauen erfolgreich sein können

Andrea Tribelhorn erklärt, warum Unternehmen und Führungskräfte neu denken müssen, wie sie Potenzial erkennen, Zugehörigkeit schaffen und Frauen in Tech halten.

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Zusammenfassung
Cybersecurity und Diversity gehören für Andrea Tribelhorn, Partnerin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Detecon Alpine, zusammen. Als Präsidentin von ISACA Switzerland und Regional Advocate Europe von SheLeadsTech setzt sie sich für mehr Frauen in Tech ein. Im Interview erklärt sie, warum Female Empowerment allein nicht reicht und auch Unternehmen und Führungskräfte ihre Perspektive verändern müssen.

Nicht das, wonach Sie suchen?

Autor*innen
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    Interview mit Andrea Tribelhorn, Detecon

    Warum Tech mehr Vielfalt braucht

    Andrea, neben deinem Fokus auf Cybersecurity leitest du den Bereich Energie. Was reizt Dich an der Schnittstelle von Cybersecurity, Governance und digitaler Transformation, insbesondere in der Energiewirtschaft?

    Seit über 15 Jahren berate ich Kunden als Cybersecurity- und Governance-Expertin, und was mich bis heute antreibt, ist genau diese Kombination aus Technologie und Unternehmensführung. Digitale Transformation gelingt nur, wenn Sicherheit, Risikomanagement und Compliance von Anfang an mitgedacht werden – nicht als Bremse, sondern als Voraussetzung für Vertrauen.

    Gleichzeitig braucht heute nahezu jedes Geschäftsmodell ein starkes technologisches Fundament. In der Energiebranche erlebe ich das gerade besonders intensiv: Die Transformation ist kein IT-Projekt, sondern ein Mindset-Wandel, der die gesamte Organisation betrifft.

    Du bist nun als Regional Advocate Europe für SheLeadsTech tätig. Was hat Dich motiviert, Dich dafür zu bewerben?

    Seit meiner Wahl in den ISACA-Vorstand im Jahr 2019 habe ich die SheLeadsTech-Initiative in der Schweiz aktiv aufgebaut. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass Frauen in Technologieberufen selbstverständlich vertreten sind. Da wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben, engagiere ich mich mit Überzeugung für den notwendigen Wandel.

    Als die Ausschreibung für die Rolle als Regional Advocate Europe kam, haben mich einige Kolleginnen aus dem SheLeadsTech-Umfeld ermutigt, mich zu bewerben. Es ist eine Rolle, die von einem offiziellen Gremium bei ISACA Global vergeben wird, und ich freue mich sehr, in den zwölf Monaten Amtszeit die 36 SheLeadsTech Liaisons der europäischen Chapters auf globaler Ebene zu vertreten und ihre Anliegen einzubringen.

    SheLeadsTech-Events erreichen laut Deiner Erfahrung rund 80% Frauen, während reguläre ISACA-Events oft nur 5–10% Frauenanteil haben. Woran liegt das aus Deiner Sicht und was sagt das über die Branche insgesamt aus?

    Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, wie ungleich Frauen in unserer Branche vertreten sind. Insgesamt hat ISACA europaweit rund 41.000 Mitglieder, weltweit etwa 185.000 – aber der Frauenanteil liegt bei nur rund 15%.

    Das liegt vor allem daran, dass Berufsfelder wie Cybersecurity, IT-Audit, Risikomanagement oder Emerging Technologies traditionell sehr männlich geprägt sind, auch weil technische Studiengänge weiterhin überwiegend männlich besetzt sind.

    Das ist übrigens kein Schweizer oder europäisches Phänomen, im Austausch mit anderen Regional Leads sehe ich, wie ähnlich diese Themen weltweit sind.

    Du beschreibst ein „Belonging“-Problem: Viele Frauen verlassen technische Berufsfelder wieder, weil sie sich dort nicht zugehörig fühlen. Wie versucht SheLeadsTech, dem entgegenzuwirken?

    Es ist tatsächlich ein großes Thema, dass sich viele Frauen fremd in diesem Umfeld fühlen und sich dann leider oft wieder zurückziehen. Mit SheLeadsTech schaffen wir mit unseren Events Räume, in denen Frauen merken, dass sie nicht die Einzigen sind. Wir holen bewusst weibliche Role Models auf die Bühne und ermutigen Frauen, selbst Vorträge zu halten, statt sich nur als „Quotenfrau“ auf gemischten Konferenzen zu fühlen. Und wir sehen, dass daraus ein echtes, tragfähiges Netzwerk entsteht – Frauen unterstützen sich gegenseitig, bspw. auch bei der Jobsuche.

    Ein Fakt ist, dass sich Frauen oft nur bewerben, wenn sie alle Kriterien zu 100% erfüllen, während Männer schon bei 60–70% zugreifen. Wie lässt sich dieses Muster durchbrechen zum einen bei Frauen selbst, aber auch bei Unternehmen und Führungskräften?

    Das ist ein Muster, das ich immer wieder beobachte, auch bei mir selbst. Ich glaube, das ist stark sozial geprägt, lässt sich also nicht von heute auf morgen ändern. Was ich aber genauso wichtig finde: Es liegt nicht nur an den Frauen selbst, sondern auch daran, wie sie von ihrem Umfeld beurteilt werden. Männer werden oft nach ihrem Potenzial eingeschätzt, bei Frauen heißt es dagegen häufig: „Das hat sie ja noch nicht wirklich gemacht.“

    Deshalb braucht es Veränderung auf beiden Seiten – Frauen, die sich mehr zutrauen, und Unternehmen, die Potenzial erkennen und fördern, unabhängig vom Geschlecht.

    Elternzeit wird bei Männern oft als „mega cool“ gefeiert, bei Frauen aber eher als Ausfall wahrgenommen. Was müsste sich in Unternehmen ändern, damit Familie und Karriere für alle gleich bewertet werden?

    Unternehmen müssen hier konsequent umdenken: flexiblere Arbeitsmodelle ermöglichen, aber vor allem beide Seiten gleich bewerten, denn es geht bei Frauen wie bei Männern immer um das gleiche Bedürfnis. Dazu gehört nicht nur, Angebote zu schaffen, sondern die Wahrnehmung dahinter zu verändern.

    Und bitte nicht falsch verstehen: Dass Vaterschafts- und Elternzeit auch in der Schweiz zunehmend selbstverständlich werden, finde ich ausdrücklich positiv. Gerade diese Entwicklung ist ein wichtiges Puzzlestück auf dem Weg zu mehr Gleichstellung.

    SheLeadsTech versteht sich explizit nicht als reine Fraueninitiative, sondern als Diversity-Initiative für alle. Warum war Euch dieser Ansatz so wichtig, und wie holt Ihr Männer als „Allies“ mit ins Boot?

    Die SheLeadsTech Events stehen Frauen und Männern offen, denn das Umdenken, das wir erreichen wollen, muss überall stattfinden – nicht nur bei Frauen. Wir haben inzwischen einige echte Allies, zum Beispiel einen Fotografen, der uns bei Events regelmäßig unterstützt, und auch aus dem ISACA-Vorstand kommen immer wieder Männer dazu, die unser Engagement wertschätzen.

    Die Vernetzung zwischen den Gruppen nimmt spürbar zu, und genau das ist unser Ziel: irgendwann wirklich ausgeglichene 50/50-Events. Apropos „Boot“: Noch nie hat eine Event-Ankündigung so viele Reaktionen ausgelöst wie unser SheLeadsTech Networking Event auf dem Schiff. Viele männliche ISACA-Mitglieder fragten: „Dürfen wir auch kommen?“ Die Antwort war natürlich ja. Offenbar machen gute Networking-Formate Vielfalt für alle attraktiv und genau das ist die Idee.

    Es gibt heute viele Diversity- und Fraueninitiativen. Warum braucht es aus Deiner Sicht SheLeadsTech?

    Weil jede Initiative einen anderen Hebel hat. SheLeadsTech bringt das Thema Diversität direkt in eine der weltweit größten Fach-Communities für Cybersecurity, Governance, Audit und Digital Trust ein. ISACA zählt rund 185.000 Mitglieder weltweit, und unsere Zielgruppe sind vor allem Berufstätige und Führungskräfte aus diesen Bereichen.

    Gleichzeitig verstehen wir uns nicht als Konkurrenz zu anderen Initiativen. Im Gegenteil: Wir arbeiten aktiv mit verschiedenen Organisationen und Communities zusammen. Ein schönes Beispiel ist die #WeTechTogether Konferenz, die jedes Jahr zahlreiche Women-in-Tech- und Diversity-Initiativen der Schweiz unter einem Dach vereint.

    Am Ende ist es kein Wettbewerb, sondern ein Miteinander. Je mehr Organisationen aus unterschiedlichen Perspektiven am gleichen Ziel arbeiten, desto größer ist die gemeinsame Wirkung.

    Wenn Du in die Zukunft blickst: Wie sieht für Dich der Erfolg von SheLeadsTech in fünf Jahren aus und was wünscht Du Dir für die Tech- und Cybersecurity-Branche am meisten?

    Mein Wunsch wäre, dass wir irgendwann gar keine separaten Frauen-Initiativen mehr brauchen, weil Diversität in unseren Teams selbstverständlich geworden ist. Und das gilt natürlich nicht nur für das Geschlecht, sondern für alle sieben Dimensionen der Diversität.

    Bis dahin ist es noch ein langer Weg – echter Kulturwandel braucht Zeit. Aber ich sehe schon jetzt, wie viel Energie und positive Dynamik in unserer Community steckt. Wenn wir es schaffen, dass Potenzial unabhängig vom Geschlecht erkannt und gefördert wird, dann haben wir als Branche insgesamt gewonnen, nicht nur die Frauen.

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