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Wie war das Frühstück? Eine Plattform für alles – wie es nach dem KHZG weitergehen muss

Digitalisierung um der Digitalisierung willen? Der Eindruck kann schnell entstehen, wenn es um die Förderung durch den Krankenhauszukunftsfonds geht, das Investitionsprogramm, das für eine modernere IT-Ausstattung und digitalisierte Prozesse in Krankenhäusern sorgen soll. Häuser, die nicht auf dem geforderten Stand sind, müssen mit Abschlagszahlungen rechnen. Klingt unangenehm? Es könnte in Zukunft noch wesentlich ungemütlicher werden, wenn sich die Beteiligten des Ökosystems nicht zusammenraufen und gemeinsam an der Zukunft der Branche arbeiten. Denn Google, Amazon und Co. schlafen nicht.

Bis zu 4,3 Milliarden Euro stellt das Bundesamt für Soziale Sicherung für die nach dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) notwendigen Investitionen bereit. Die Projekte müssen bis Ende 2024 umgesetzt sein. Davon ausgehend, dass die einzelnen Einrichtungen des Gesundheitssystems entsprechend ab 2025 einen Mindeststandard an digitaler Infrastruktur aufgebaut haben, ergibt sich die Frage, wie es dann weitergeht. Denn dem Ökosystem Gesundheit fehlt es an Interoperabilität und diese kann nur gewährleistet werden, wenn heute schon Lösungen für die Herausforderungen von morgen entwickelt werden. Der Gesundheitssektor ist noch immer die am wenigsten digitalisierte Branche in Deutschland. Mit den bis 2025 geplanten Investitionen wird immerhin die Basis gelegt sein und der Abstand zu anderen Branchen etwas verringert.

Doch das eigentliche Problem liegt woanders; denn während die einzelnen Akteure dann gut aufgestellt sind, mangelt es weiterhin an der Kompatibilität und Kommunikation der Bereiche untereinander. Im Augenblick werden die Teilbereiche isoliert voneinander betrachtet. Das führt jedoch zu einer weiteren Vereinzelung, ist wenig an Patientinnen und Patienten orientiert und macht das deutsche Gesundheitssystem langfristig konkurrenzunfähig. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Praxen und Krankenkassen sollten sich daher heute überlegen, wie sie diesem Silo-Denken begegnen wollen und welche Maßnahmen notwendig sind, um für ein reibungsloses, unabhängiges und nachhaltiges Gesamtkonzept zu sorgen.

Patient Journey

Statt sich auf einzelne Digitalisierungsmaßnahmen zu stürzen und eigene Systeme zu schaffen, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und das Ökosystem als Ganzes zu betrachten. Bei dieser Betrachtung sollte eine Frage immer im Vordergrund stehen: Was ist den Patientinnen und Patienten wichtig? Davon ausgehend, dass immer mehr Menschen in ihrem Alltag digital aufgestellt sind und Verhaltensweisen aus anderen Bereichen auch auf ihre Gesundheit adaptieren, wird diese Frage für jede Einrichtung des Gesundheitssystems elementar werden. Das beginnt mit einer einfachen Patient Journey, die von kurzen Kommunikationswegen, wenig Aufwand und schnellem Informationszugang geprägt ist, und endet bei der Frage nach der Serviceerfahrung, die während der Behandlung gemacht wurde: Wie hat das Frühstück geschmeckt? Hat die Ärztin sich ausreichend Zeit genommen? War der Pfleger rücksichtsvoll? Eine positive Erfahrung auf allen Ebenen, digital und menschlich, spielt schließlich die entscheidende Rolle und bedingt sich zunehmend gegenseitig.

Die Rolle der GAFA

So spielen schon heute Bewertungen auf Google und weiteren Portalen eine immer größere Rolle bei der Entscheidung von Patientinnen und Patienten, in welcher Praxis oder welcher Klinik sie sich behandeln lassen. Dort finden sich Angaben von Betroffenen, wie es ihnen gefallen hat und ob ein Aufenthalt zu empfehlen ist. Eine medizinische Behandlung ist schon lange keine reine Formsache mehr, auch hier steigen die Ansprüche und die großen Player nutzen das für sich. Ein weiteres Beispiel dafür ist Amazon: Das Projekt Amazon Care ist aus dem Experimentiermodus heraus und wird wohl innerhalb kürzester Zeit ein elementarer Bestandteil des Gesundheitswesens der USA sein. Zudem werden immer mehr medizinische Produkte über den Online-Riesen vertrieben. Wie kein Zweiter treibt die Plattform den Bereich vor sich her und besetzt Leerstellen.

Heute für morgen digitalisieren

Das KHZG hat für ein erstes Umdenken gesorgt. Doch hier dürfen wir nicht stehen bleiben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Schwächen der vielen Insellösungen deutlich zutage treten und andere die Leerstellen besetzen. Statt fremdbestimmt darauf zu warten, sollten sich die Beteiligten bereits jetzt an einen Tisch setzen und Antworten für die Zukunft finden. Statt Amazon und Co. den Markt zu überlassen, sollte in dem Plattformgedanken Inspiration gefunden werden, um gemeinsam und vernetzt ein System zu schaffen, das sich weiterhin als das beste der Welt bezeichnen darf. Eines, das Abrechnungswege verkürzt, Informationen zugänglich macht und stets die Patientinnen und Patienten im Fokus hat. Denn niemand hat Lust, sich für eine Behandlung in zehn unterschiedlichen Apps anzumelden.

Dieser Artikel ist ursprünglich Anfang 2022 im Lünendonk-Magazin erschienen.

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