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07.12.2018

So steigern Sie die Attraktivität als Arbeitgeber

New Work im Public Sector
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New Work als Methode zum attraktiven Arbeitgeber zu werden funktioniert auch für den Public Sector, nicht nur für die Privatwirtschaft. Der Artikel zeigt, wie dies in Projekten gelingen kann, wie man auch in kleinen Steps vorankommt und geht zudem auf ein Best Practice-Projekt aus Bremen ein.

 

Warum New Work im Public Sector?

Der Weg von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft ist geprägt von einem Wertewandel und veränderten Umständen in der Arbeitswelt. Zahlen zeigen, dass der Anteil an Erwerbstätigen in der Landwirtschaft von ca. 50% auf weniger als 0,5% gefallen ist. Ähnlich ist die Entwicklung für den sekundären Sektor, wo die Beschäftigungsrate innerhalb der letzten 35 Jahre von ca. 50% auf weniger als 33% gefallen ist (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung). Der Strukturwandel in der Arbeitswelt, ausgelöst durch die Globalisierung und Digitalisierung, fordert neue Arbeitsformen und Beschäftigungsverhältnisse. Die Arbeitswelt ist geprägt von grundlegenden Veränderungen auf Seite der Arbeitnehmer – die Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen.

New Work eröffnet auch im Public Sector die Möglichkeit, auch in Zukunft erfolgreicher und attraktiver Arbeitgeber zu gestalten!

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Der Begriff „New Work“ geht auf den austro-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann zurück. Der Begriff Neue Arbeit leitet sich aus den Konsequenzen ab, die durch die Globalisierung und Digitalisierung verursacht werden.

Der Arbeitsplatz innerhalb der öffentliche Verwaltung hat einzigartige Herausforderungen

Es gibt eine Reihe von spezifischen Herausforderungen, die von der öffentlichen Verwaltung angegangen werden müssen.

  1. Die Digitalisierung und Automatisierung bestimmter Arbeiten durch Softwareprogramme bietet Chancen und Risiken zugleich.
  2. Der demografische Wandel und die kommende Renteneintrittswelle führt zu einer weiteren Herausforderung durch die Verknappung von neuen Arbeitskräften. Privatunternehmen bieten schon heute mehr Flexibilität bei der Arbeit und stehen somit in direkter Konkurrenz zur öffentlichen Verwaltung im „war for talents“, dem Kampf um Fachkräfte.
  3. Darüber hinaus müssen natürlich in der öffentlichen Verwaltung andere Rahmenbedingungen als für Privatunternehmen berücksichtigt werden

Bei New Work dreht sich alles um Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Als zentrale Punkte des Konzepts sollen sie Kreativität fördern und eine Wohlfühlumgebung für den Arbeitnehmer schaffen. Berufseinsteiger erwarten von ihrem Arbeitgeber einen modernen Arbeitsplatz, eine demokratische Führungskultur in der Wert auf die Talente eines jeden Einzelnen gelegt wird und viel Raum für eigene Entfaltung.

New Work besteht also nicht aus Hängematten, Hunden und Homeoffice. New Work wird oft auf das Image beschränkt, eine reine Wohlfühlatmosphäre am Arbeitsplatz zu schaffen, und viele Arbeitgeber fragen sich, ob diese rein äußerlichen Änderungen wirklich dafür sorgen, dass die Mitarbeiter besser arbeiten und die Attraktivität für Bewerber steigt. Eine rein äußerliche Veränderung bringt keine starken Vorteile. Es geht bei der Implementierung von New Work um einen ganzheitlichen Ansatz und vor allem die Veränderung einer postmodernen Arbeitskultur.

 

New Work bietet sehr gute Chancen für den Public Sector

Wenngleich der öffentliche Sektor aufgrund von gesetzlichen Regularien und mangels Wettbewerb höhere Hürden als die Privatwirtschaft bei der Umsetzung von New Work-Modellen überwinden muss, lohnt sich diese Veränderung. Die Herausforderungen bieten vor allem auch Chancen. Die Globalisierung und Digitalisierung ermöglichen zeitliche, räumliche und organisatorische Flexibilität in zukünftigen Arbeitsräumen. 

Die veränderten politischen Situationen bedingen neue Behörden beziehungsweise eine enorme Erweiterung bestehender Behörden.

  1. So haben durch das Bedürfnis nach gebündeltem IT-Know how die Kompetenzen der BWI (Bundeswehr IT) und des ITZBund (Informationstechnikzentrum Bund) deutlich zugenommen
  2. das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) stockte im Rahmen der Flüchtlingskrise seine Mitarbeiterzahlen enorm auf.

Die Entwicklungen zeigen, dass sich die traditionelle Struktur der Behörden verändert und sie sich modernen Anforderungen anpassen. Die dadurch entstandenen agilen Strukturen lassen ein schnelleres Handeln zu und dynamischere Prozesse sorgen für mehr Effizienz und Flexibilität. New Work spielt daher beim Auf- und Ausbau von Behörden eine tragende Rolle.

 

New Work unterscheidet die Arbeitgeber voneinander

Viele Unternehmen der freien Wirtschaft befinden sich momentan in einer Veränderungsphase oder haben diese bereits hinter sich und etablieren New Work. Tools wie Homeoffice, schnelle Entscheidungsprozesse und mehr Selbstverantwortung steigern die Attraktivität dieser fortschrittlichen Unternehmen für Bewerber, und die Arbeitsatmosphäre und Leistung verbessern sich stark. Im immer stärker werdenden „war for talents“, müssen die Unternehmen ihren Mitarbeitern etwas bieten, um sie an sich zu binden.

Viele öffentliche Einrichtungen bewegen sich nur schwerfällig und merken bereits die Resultate: Die Bewerber bleiben aus und Arbeitnehmer wechseln zur attraktiveren Konkurrenz. Der öffentliche Sektor wird in den nächsten Jahrzehnten am stärksten unter dem Fachkräftemangel leiden und sich als Arbeitgeber den neuen Entwicklungen anpassen müssen, um Engpässe und Kostenexplosionen zu verhindern. Bis 2030 werden fast eine Million Fachkräfte im öffentlichen Dienst fehlen (Quelle: PWC). Unter Berücksichtigung der genannten Punkte wird klar, dass es längst Zeit für New Work im Public Sector ist.

 

Best Practice im Public Sector

Dass all das gut funktionieren kann und nicht nur Wunschvorstellung ist, zeigt ein Pilotprojekt in Bremen, das im Rahmen der „Arbeit 4.0“-Initiative ins Leben gerufen worden ist. Das Projekt soll ein schrittweises Ausprobieren und Erproben neuer Konzepte ermöglichen. Die Motivation in Bremen war, Mitarbeiter besser zu vernetzen und innovativer zu werden.

Dazu wurden junge Verwaltungsmitarbeiter aus unterschiedlichen Ressorts in Arbeitsgruppen miteinander vernetzt, um sich regelmäßig untereinander austauschen zu können. Es ging um die Förderung einer offene Kultur, innovativen Arbeitens und des Ideenaustauschs. Damit alle Ressorts von den sogenannten „Innovationszirkeln“ profitieren können, wurden die Ergebnisse der Sitzungen allen Mitarbeitern zugänglich gemacht.

Das Projekt wurde Anfang 2018 erfolgreich beendet und hat gezeigt, dass New Work und öffentliche Verwaltung harmonieren können. Christine Schröder und Niels Winkler resümieren, dass die Innovationszirkel geholfen haben, innovative Denkmuster anzustoßen, den generationsübergreifenden Austausch zu fördern und letztendlich zu zeigen, dass innovatives Arbeiten sehr wohl in der öffentlichen Verwaltung möglich ist.

Video-Interview mit Niels Winkler zum New Work-Projekt in der Bremer Verwaltung

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New Work unterscheidet sich in den drei Dimensionen People, Places und Tools von dem traditionellen Verständnis von Arbeit. Durch eine Veränderung der Kultur, der Arbeitsplätze und der eingesetzten Ausstattung und Methoden wird die Arbeitsform reformiert. Ziel ist die Förderung der Kreativität der Arbeitnehmer und die bessere Entfaltung ihrer Potenziale.

Was bedeutet New Work für Detecon?

Eine Blaupause, die genau beschreibt wie Unternehmen die Chancen der Digitalisierung und New Work Methoden umsetzen können, gibt es nicht. Schaut man sich jedoch die Anforderungen an, die Unternehmen und der öffentliche Sektor an seine Mitarbeiter stellen, und andersherum welche Erwartungen von den Mitarbeitern ausgehen, kann man einige Gemeinsamkeiten erkennen.

  1. Unternehmen wie auch der öffentliche Sektor wünschen sich effiziente Mitarbeiter, die qualitativ hochwertige Arbeitsergebnisse in möglichst kurzer Zeit erzielen
  2. Der perfekte Mitarbeiter soll zudem kreativ, flexibel und teamfähig sein.

Diese Eigenschaften sind insbesondere in einer Wissensgesellschaft, wie der unseren, wichtiger denn je. Doch welche Möglichkeiten bieten Unternehmen und der öffentliche Sektor ihren Mitarbeitern, um diese kostbaren Eigenschaften zu entfalten?

Für uns endet die neue Arbeitswelt nicht mit innovativen Raumkonzepten. Damit ein maximal flexibles Arbeitsumfeld funktioniert, bedarf es einer optimalen Komposition aus den Dimensionen People, Places und Tools.

Artikel Public / New Work, Abb. 1 People Places Tools

Wie sieht der Weg zur New Work im Public Sector aus?

Der Weg zu New Work ist für jede Behörde individuell, es gibt jedoch einige Schritte, die bei jedem Veränderungsprozess durchgeführt werden müssen. Im Rahmen der Transformation wird zunächst der Status quo abgefragt, anschließend wird ein Ziel definiert. Daraufhin wird ein Konzept entwickelt, wie New Work der Behörde gestaltet werden soll und die notwendigen Schritte für die Realisierung erarbeitet.

Artikel Public Sector / New Work, Abb. 2 Methode

Vier Punkte sind in auf dem Weg zu New Work entscheidend

  1. Es gilt, alle Mitarbeiter miteinzubeziehen und herauszufinden was Ihnen bei New Work am wichtigsten ist. In der Strategieentwicklung wird gemeinsam mit allen Beteiligten ein Konzept erarbeitet, das auf den Ideen und Wünschen der Mitarbeiter basiert. Das kann bedeuten, dass Mitarbeiter Leistungs- und Lernziele selber festlegen können, oder aber die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden kann, zum Beispiel für eigene oder kreative Projekte.
  2. Die Führung muss von Anfang an mit an Bord sein und das Konzept vorleben. Eine flexible, moderne und demokratische Führungskultur unterstützt den Prozess und sichert später einen guten Betrieb.
  3. Agilität und Flexibilität sind zwei entscheidende Faktoren bei der Umstellung auf New Work. Nicht jede Behörde kann Home-Office anbieten, aber auch hier gilt es, flexibel zu sein, mit Mitarbeitern zu sprechen und nach Möglichkeiten zu suchen, die den Mitarbeitern erlauben, ihre Vorstellungen umzusetzen und das bestmögliche aus den Gegebenheiten zu machen.
  4. Die neuen Bürokonzepte mit Work-Spaces; großen, offenen Räumen eignen sich nicht für jede öffentliche Einrichtung, aber auch eine Behörde kann Räumlichkeiten zur Entspannung schaffen und Großraumbüros modern gestalten.

Schon kleine Veränderungen können große Veränderungen in der Atmosphäre bewirken.

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    Detecon hat aufgrund seiner Projekterfahrung schon viele Artikel und Expertenvorträge zum Thema New Work veröffentlicht, eine Auswahl finden Sie hier:

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