Smart Mobility – Datenstrategien in der Mobilität der Zukunft

Detecon im Wirtschaftsaustausch über Datenstrategien in Smart Mobility
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Smart Mobility und Mobilitäts-Ökosystem - wenn wir uns mit unterschiedlichen Vertretern der Logistik- und Mobilitätsbranche über ihre Vision zur Mobilität der nahen Zukunft unterhalten, fallen diese Begriffe immer wieder. Doch was genau steckt dahinter und welche Rolle spielen Daten dabei? Mit dieser Frage haben wir uns im Rahmen der hier zugrundeliegenden Studie in den letzten Monaten intensiv beschäftigt. Dieses Preview bietet Ihnen einen Vorgeschmack auf die Themen, die Sie im Laufe des Jahres erwarten dürfen.

Smart Mobility
Abbildung: Smart Mobility wird zunehmend als unerlässlicher Enabler von Smart Cities verstanden | Quelle: Detecon

Smart Mobility wird als ein Angebot definiert, das eine energieeffiziente, emissionsarme, sichere, komfortable und kostengünstige Mobilität ermöglicht. Im DACH Raum besteht aktuell noch kein einheitliches Verständnis über Smart Mobility, so die Erkenntnis aus unseren intensiven Dialogen mit zahlreichen Mobilitätsexperten. So sehr sich die Meinungen unter Branchenkollegen über die Bausteine und das Ausmaß von Smart Mobility jedoch unterscheiden, deutlich wird: Die Digitalisierung fungiert als wesentlicher Treiber und Enabler für smarte Mobilitätslösungen. Im Wettkampf um die Gunst der Kunden wird bereits heute eine Vielzahl an Daten – teilweise unsystematisch und unstrukturiert – gesammelt. Auf Basis dieser Daten sollen neue Services und Produkte entwickelt oder bestehende Angebote optimiert werden. So das Wunschdenken in der Theorie. Kann die Praxis hier mithalten?

Detecons Smart Mobility Studie

Um unter anderem dieser Frage auf den Grund zu gehen, führten wir eine umfangreiche Smart Mobility Studie durch. Dabei untersuchten wir relevante Fragestellungen rund um das Framework und das Potential von Smart Mobility. Zudem zeigt die Studie auf, welche Bausteine und welche etablierten und aufstrebenden Player ein funktionierendes Mobilitäts-Ökosystem erfordert. Im Fokus unserer Untersuchungen stehen die sinnvolle Nutzung von Daten und die zentralen Drehscheiben bzw. Plattformen des Systems. Ob es wesentliche Erfolgsgaranten oder auch Hindernisse für datengetriebene Mobilitätsangebote zu beachten gilt, sind nur einige der Aspekte, die wir dabei kritisch hinterfragen und für Sie beleuchten.

Der vorliegende Preview-Artikel präsentiert die ersten daraus abgeleiteten Thesen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie werden in pointierten Thesen zusammengefasst. Diese basieren auf qualitativen persönlichen bzw. telefonischen Interviews mit Vertretern namhafter Unternehmen der Mobilitätsbranche in der DACH-Region. In mehrstündigen Dialogen auf Basis von detaillierten Fragebögen, die situativ an die Expertise der Befragten angepasst wurden, lieferten sie sehr aufschlussreiche, teils überraschende Erkenntnisse!

Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Interviewpartner, die uns umfassende und ehrliche Einblicke in ihre Vorstellungen und Praxis zu Smart Mobility boten.

Ausgangsfrage 1: Wie lässt sich die aktuelle Situation im Kontext Smart Mobility zusammenfassen?

These 1: Daten sind wichtig! Welche Daten aber genau benötigt werden, ist vielfach noch unklar.

Viele Unternehmen haben den strategischen Wert von Daten erkannt und sammeln verschiedenste Infrastruktur- und Bewegungsdaten. Ein Großteil der befragten Unternehmen weiß allerdings nicht, welche Daten auch in Zukunft wettbewerbsrelevant sein werden. Fest steht hingegen, dass die Daten nicht zwangsläufig personenbezogen sein müssen, um das Mobilitäts-Ökosystem generell zu optimieren.  

Ein späteres Ziel von Automobilherstellern und Mobilitätsunternehmen ist eine möglichst fokussiertere Datensammlung sowie die gezielte Speicherung der Daten, um Ineffizienzen zu vermeiden. Dazu fehlt jedoch derzeit noch ein klares Verständnis über die Bedeutung und Einsatzmöglichkeiten spezifischer Datensätze, ebenso wie über eine daraus abgeleitete Datenstrategie, die unternehmensweit anerkannt und implementiert werden muss.

Ausgangsfrage 2: Welche Handlungsempfehlungen gibt es für die Reise hin zu Smart Mobility?

These 2: Open Data ist überbewertet –  “Shared” beschreiten wir den Weg nach vorne.

Smart Mobility wird nur mittels massiver Ausweitung von Data-Sharing den nächsten Entwicklungsschritt schaffen. Kompromisslose Open-Data-Ansätze werden jedoch wahrscheinlich nicht das passende Mittel dazu sein. Die unaufgeforderte Offenlegung von Daten für alle bietet zwar in vielerlei Hinsicht Vorteile. Mit der Freiwilligkeit gehen allerdings häufig Mängel bezüglich Datenqualität, -vollständigkeit und -aktualität einher. Doch in einem echtzeitbasierten, auf maximale Verlässlichkeit getrimmten Smart Mobility System, gibt es für solche Makel keinen Platz. Zudem scheint Open Data für Smart Mobility Lösungen schlichtweg nicht notwendig. Fahrgäste haben Interesse an qualitativ gut aufbereiteten Daten für ihr spezifisches und individuelles Reisebedürfnis.

Für die Enabler eines Smart-Mobility-Ökosystems – von Mobilitätsvermittlern bis hin zu Plattform- und Infrastrukturbetreibern – sind Shared-Data-Modelle vorteilhafter, bei denen klare technische Standards und vertragliche Vorgaben den sicheren Austausch von Daten regeln und gewährleisten. In einem solchen System kann der Zugriff auf Daten auch Start-Ups und Individuen ermöglicht und damit die Innovation im Mobilitätssektor gefördert werden. Die angestrebte Innovation ist einer der eigentlichen Hauptargumente für Open-Data-Systeme. Die Ausgestaltung der dafür notwendigen Rahmenbedingungen stellt jedoch noch eine große Herausforderung dar.

Ausgangsfrage 3: Wie passen Datenschutz und Smart Mobility zusammen?

These 3: Für ein smartes Verkehrssystem braucht es nicht unbedingt „gläserne Bürger“.

Datenschützer dürfen aufatmen: Reisende zu “gläsernen Bürgern” zu machen, ist keine Notwendigkeit, um ein Mobilitäts-Ökosystem intelligent zu gestalten. Konkret erwarten die meisten Studienteilnehmer den größten Mehrwert aus der Analyse von aggregierten, anonymisierten Bewegungsdaten. Auf deren Basis können Sicherheit, Service-Angebote, Infrastrukturplanung von Städten und Mobility Hubs sowie die Mobilitätsentwicklung im Generellen bereits entscheidend verbessert werden. Die präferenzbasierten Routing Features für eine individuelle Reisegestaltung stehen für absehbare Zeit zunächst nicht im Fokus, sondern werden eher als „Kür“ betrachtet. Zudem können mit digitalen Lösungen, wie Blockchain-basierten Data Wallets und „vergesslichen” IT-Systemen, individualisierte Angebote formuliert werden, ohne dass sensible Kundendaten an Mobilitätsdienstleister übergehen oder gar persistent bei ihnen gespeichert werden. Eine große Herausforderung für Mobilitätsprovider wird es sein, durch Transparenz und kluge Lösungen öffentliches Vertrauen in ihre Technologien zu schaffen.

Haben wir Ihr Interesse an Smart Mobility geweckt?

Sie wollen Näheres zu den obigen Thesen erfahren und tiefere Einblicke in die Themen Datenstrategie, Datenumgang und Datensicherheit in Bezug auf die nächste Generation der Mobilität erhalten? Auch bei unserem letzten Red Carpet Event (s. hierzu auch Mobility-as-a-Service-Welle rollt) haben wir uns mit Experten aus dem Bereich Smart Mobility über diese Themen ausgetauscht.

Im Rahmen von mehrstufigen Veröffentlichungen in diesem Jahr werden die hier angesprochenen Thesen und weitere Erkenntnisse im Detail behandelt und um das Smart Mobility Framework sowie weitere interessante Aspekte ergänzt. Als Nächstes wollen wir die These «Open Data ist überbewertet – Shared beschreiten wir den Weg nach vorne» in einem Artikel noch einmal genauer beleuchten. Zudem haben Sie die Möglichkeit, sich mit einem unserer Experten über die spannenden Themen auszutauschen und Ihre Ideen mit uns zu teilen. Schreiben Sie uns dazu gerne eine Mail an smart.mobility@detecon.com.

 

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