13.08.2020

New Work nach COVID-19

Lessons Learned und Handlungsfelder für die Zukunft der Arbeit
New Work nach Covid-19

Von Hans Gaiser und Tanja Matt

COVID-19 hat uns vieles gelehrt. Wir haben eine gute Vorstellung davon bekommen, wie die Zukunft der Arbeit aussehen könnte. Die Krise hat uns dazu gezwungen, Heimarbeitsplätze einzurichten, neue Methoden der Zusammenarbeit einzuführen, flexibel mit unterschiedlichsten familiären und beruflichen Herausforderungen umzugehen und digitalen Lösungen Raum zu geben. Und das war häufig einfacher als zunächst gedacht.

Aus Sicht der Arbeitsgestaltung schlagen wir uns ganz gut in der aktuellen Corona-Pandemie. Aber was heißt das für die Zukunft? Welche Veränderungen haben sich bewährt und sollten künftig in den Arbeitsalltag mitgenommen werden? Welches sind dabei die größten Hürden? Wie genau wird New Work künftig aussehen und was brauchen wir, um darin erfolgreich zu sein?

7 Handlungsfelder für das New Normal

Die Studie New Work nach COVID-19 beschäftigt sich mit der (Zusammen-)Arbeit während und nach COVID-19. Ziel ist es, zu explorieren, wie Arbeitnehmer – insbesondere Wissensarbeiter – während der COVID-19-Pandemie (zusammen-)arbeiten, welche Lessons Learned sich daraus ableiten lassen und worauf es in Zukunft im New Normal ankommt.

Dazu haben wir mit Kunden und Partnern gesprochen und leitfadengestützte Interviews mit Unternehmensvertretern aus verschiedenen Funktionen und Branchen geführt.

 

 

Grundgesamtheit Key Statistics

Abbildung: Key Statistics zur Grundgesamtheit (Quelle: Detecon)

 

Diese Interviews haben wir inhaltsanalytisch ausgewertet und die Ergebnisse in sieben Themenbereichen zusammengefasst. Für diese lassen sich die folgenden Handlungsfelder ableiten:

  • FLEXIBILITÄT: Die Dosis macht das Gift! Nach dem Wechsel von einem Extrem (Präsenz) in das andere (Home Office) benötigen wir zukünftig ein hybrides Arbeitsmodell, das beide Extreme vereint.
  • INDIVIDUALITÄT: Wo Mitarbeiter ihren Arbeitsalltag eigenverantwortlich gestalten können, steigen Zufriedenheit und Produktivität.
  • STRUKTUR & ORGANISATION: Mit mehr Flexibilität, auch im Hinblick auf Arbeitszeit, geht es nicht mehr um die Balance zwischen Leben und Arbeit, sondern um die Integration von Leben und Arbeit.
  • ZUSAMMENARBEIT: Was wirklich fehlt, ist die Kaffeemaschine! Wir müssen Räume und Gelegenheiten für den spontanen, zufälligen Austausch schaffen – in unseren Büroflächen UND in der Remote-Arbeit.
  • AGILITÄT: Ein agiles Mindset und agile Methoden haben sich gerade durch ihre hohe Kompatibilität mit virtueller Arbeit in der Krise bewährt. Aufbauend auf diesen Erfahrungen gilt es, Agilität weiter auszurollen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.
  • FÜHRUNG: Virtuelle Führung heißt mehr Führung! Führungskräfte müssen für ihre Mitarbeiter inhaltlich und persönlich da sein, auch wenn sie nicht gemeinsam vor Ort sind.
  • LERNEN: Lernen on Demand – Lernen muss rechtzeitig und bedarfsorientiert erfolgen. In der Konsequenz wird Lernen zum integralen Bestandteil der Arbeit.

Auf Agilität zu setzen, zahlt sich aus

Wenn wir beispielhaft das Thema Agilität vertiefen: Ein interessantes Ergebnis der Studie ist, dass Unternehmen, die schon länger in Agilität und Selbstorganisation investiert haben, mit der durch COVID-19-bedingten Remote-Arbeit deutlich besser zurechtkommen. So können die agilen (Software-) Entwicklungsteams zweier Interviewpartner ihre (Zusammen-)Arbeit auch remote ohne große Einbußen bezüglich Abarbeitungsgeschwindigkeit und Qualität der Arbeitsergebnisse fortsetzen. Und auch Teams außerhalb der Softwareentwicklung, die ihre Zusammenarbeit nach agilen Prinzipien gestalten und agile Elemente wie Kanban-Boards und Dailys nutzen, haben davon aus Sicht der Interviewpartner im Rahmen des Wechsels zur vollständigen Remote-Arbeit profitiert. Im IT-Bereich eines der Unternehmen, das vor COVID-19 größtenteils noch nicht mobil gearbeitet hatte und kurzfristig in großem Stil Hardware und Software nachrüsten musste, half ein agiles Mindset dabei, diese Ausnahmesituation zu meistern. Die agilen Werte und Prinzipien wie frühes Ausliefern, Mut, Inspect & Adapt und Selbstorganisation kamen hier zum Tragen. Selbst virtuelle PIP’s, die Planungssession des nächsten Programm Increments, wurden remote durchgeführt.

Nach der Krise ist vor der Krise

Neben COVID-19 und weiteren globalen Störgrößen sind Disruptionen im Sinne von sprunghaften Innovationen, verkürzten Produktlebenszyklen sowie die Digitalisierung von Produkten und der Arbeitswelt Teil des Alltags in der heutigen VUCA-Welt. Dies alles bringt Veränderungen und Umwälzungen mit sich, auf die Unternehmen reagieren müssen – oder noch besser: welche sie proaktiv antizipieren müssen. Die Studie zeigt: Bereits heute auf Agilität zu setzen, zahlt sich aus. Wo bereits agil gearbeitet wurde, dient die COVID-19-bedingte Remote-Arbeit als Feuerprobe. Hier sollte das Handeln in der Corona-Krise evaluiert werden, um evidenzbasiert Anpassungen vorzunehmen und gestärkt mit praxisbewährten Erkenntnissen aus der Krise hervorzugehen. Andere Unternehmen können die Krise als Chance nutzen und ihr Zusammenarbeitsmodell agilisieren, um für zukünftige Krisen, aber auch für die Zusammenarbeit im New Normal gewappnet zu sein. Die nächste Krise wird kommen – und die zentrale Frage lautet: Wie ist Ihr Unternehmen darauf vorbereitet?

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