25.05.2020

Nach dem Mundschutz kommt der Impfstoff

Die Krise zeigt: Ganzheitliche New-Work-Konzepte sind zukunftsweisend

Von Ralf Pichler und Jan Pfeifer

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Am Anfang der Coronakrise half die Option des Arbeitens im Home Office vielen Unternehmen über den ersten Schock hinweg. Flexibles Arbeiten bedeutet aber mehr als den Laptop zuhause aufzuklappen und stundenlange Videokonferenzen abzuhalten. New Work braucht ein ganzheitliches Konzept, das nicht nur die Arbeitsumgebung flexibilisiert, sondern eine neue Arbeitskultur etabliert sowie neue Regeln und Methoden der Zusammenarbeit.      

Jetzt könnte es sogar bald ein Recht auf den flexiblen Arbeitsort geben. Zumindest plant Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ein neues Gesetz, das Unternehmen dazu verpflichten soll, ihren Mitarbeitern das Arbeiten von zuhause zu ermöglichen – sofern gewünscht und der Arbeitsplatz es zulässt. Die Arbeitgeber lehnen ein solches Gesetz jedoch als überholt ab. Warum? Nach Covid-19 wird die Arbeitswelt nicht mehr die Gleiche sein. New Work wird zu einem absoluten Muss in den Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung. Gerade die aktuelle Krise zeigt doch: Wer ein flexibles und agiles Arbeitsumfeld aufbaut und über die richtigen Tools verfügt, kann sich wie jederzeit neuen Bedingungen, Anforderungen und Wünschen von Mitarbeitern und Kunden anpassen. Und die zunehmende Digitalisierung wird diese Entwicklung beschleunigen.

New Work ist weitaus mehr als Home Office

Was ist passiert, dass Hubertus Heils‘ Vorschlag sowohl von Arbeitgebern als auch von vielen Arbeitnehmern anscheinend abgelehnt wird – obwohl es sie durch eine nie dagewesene kritische Phase gerettet hat? Weil der flexible Arbeitsort nicht gleich New Work ist! Für die meisten Unternehmen ging es beim „erzwungenen“ Arbeiten von zuhause erst einmal darum, irgendwie produktiv weiterarbeiten zu können. Die Unternehmen waren im Überlebensmodus, vergleichbar mit der Maske, die wir derzeit alle tragen müssen: Sie schützt halbwegs gegen das Ansteckungsrisiko, ist aber unbequem und niemand will sie auf Dauer tragen müssen.

Die Erfahrungen, die Beschäftigte und Arbeitgeber im Zuge der Krise anfänglich gemacht haben, hatten allerdings wenig mit einem New-Work-Konzept zu tun. Die Unternehmen suchten also in einer zweiten Phase nach Wegen, um die virtuelle Zusammenarbeit zu verbessern. Denn es geht um weitaus mehr als um das richtige Laptop, eine ruhige Arbeitsumgebung oder das passende Outfit für Videokonferenzen. Wie lässt sich verhindern, dass der Teamgeist kollabiert? Wie lassen sich virtuelle Teams überhaupt aufbauen und dauerhaft führen? Oder wie ist die ideale Konstellation für mein Team, damit auch die Kunden nicht darunter leiden? Es ging also in dieser Phase darum, Medikamente zu finden, mit denen sich die Symptome bekämpfen lassen.

Arbeit flexibel und agil gestalten

Wer jedoch nach der Krise in einer digitalisierten Welt flexibel und agil weiterarbeiten will, braucht im nächsten Schritt einen Impfstoff. Es geht um die Möglichkeit, Arbeit flexibel zu gestalten und besser auf die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten, aber auch der Unternehmen zuzuschneiden. Dieser Impfstoff ist ein holistischer New Work-Ansatz, der ein Umdenken bei allen Beteiligten erfordert. Mehr Vertrauen und Abschied vom Präsenzdenken auf Unternehmensseite – nicht jeder, der am Schreibtisch im Büro sitzt, arbeitet automatisch produktiv, nur weil er da ist. Und die Arbeitnehmer müssen New Work als ernsthafte Alternative sehen, flexibler arbeiten zu können, und nicht als Freizeiterweiterungsmöglichkeit.

Wir bei der Detecon beraten Unternehmen schon seit einem Jahrzehnt auf ihrem Weg zur flexiblen Organisation. Und haben ein für uns passendes Konzept Schritt für Schritt selbst umgesetzt. Wer zuhause arbeiten will und kann, nutzt die Option der freien Wahl. Je nachdem, wie es zur aktuellen Aufgabe passt. Unsere Bürogebäude haben wir so umgestaltet, dass es für jeden Arbeitskontext die passenden Räume gibt: für Projektmeetings, kreative Workshops, Events, konzentriertes Arbeiten, aber auch einfach für informelle Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen.

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Ralf Pichler: Why New Work is now a must, and not an option anymore

Die vier Seiten von New Work

Der New-Work-Ansatz ist für uns und die Unternehmen, die wir bisher auf diesem Feld beraten konnten, nichts anderes als die strategische Antwort auf aktuelle Herausforderungen und dynamische Anforderungen am Markt. Und dieser Ansatz ist ein ganzheitlicher, der weit über räumliche Aspekte hinausgeht. Wir differenzieren vier Zutaten für New Work:

  • People
    Wie entwickle ich eine Kultur, in der die Mitarbeiter ständig ihre Einstellung zum digitalen Wandel hinterfragen und ihre Denk- und Verhaltensmuster reflektieren? Welche Möglichkeiten biete ich, die Digital- und Technologiekompetenz meiner Mitarbeiter auszubauen?
  • Places
    Wie schaffe ich ein Arbeitsumfeld, das eine High Performance Kultur  unterstützt?
  • Tools
    Welche Technologien und Plattformen benötige ich zur bestmöglichen Gestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine und für eine optimale Kommunikation und Kollaboration mit internen und externen Partnern
  • Principles & Regulations
    Welche Regeln und Methoden der Zusammenarbeit stärken die virtuelle und physische Zusammenarbeit? Welche Führungsprinzipien brauche ich?

Dieser individuelle und flexible Zuschnitt von Arbeit fördert Kreativität und erleichtert Kollaboration sowie Kommunikation – was sich erwiesenermaßen positiv auf Umsatz, Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterzufriedenheit auswirkt und die Fluktuationsrate senkt. Und von diesen New Work Effekten würde doch jedes Unternehmen gern profitieren.    

New Work als Katalysator der Digitalisierung

Daher sollten beide Seiten – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – die Diskussion über die Zukunft der Arbeit auch unabhängig von der Corona-Krise betrachten und bewerten. Kein Unternehmen erwartet von seinen Beschäftigten, dass sie sich auch im New Normal zuhause mit Kind und Kegel an den Schreibtisch setzen und produktiv arbeiten. Aber die aktuelle Krise und die aus ihr resultierenden neuen Arbeitsformen sollten dazu genutzt werden, verstärkt über New-Work-Konzepte nachzudenken. Hierfür sollte das Management sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an einen Tisch setzen und prüfen, welche Vorteile das flexible und agile Arbeiten für beide Seiten haben kann. Denn ein von oben verordnetes New-Work-Konzept macht auf Dauer niemanden glücklich – weder Unternehmen noch Beschäftigte.

Ein Home Office-Gesetz hat weder etwas mit Romantik und Frühkapitalismus, Rückenschmerzen, Improvisation oder Stressfalle zu tun. Vielmehr ist es ein Puzzleteil eines ganzheitlichen New-Work-Ansatzes. Und dieser wiederum ist ein Katalysator für Digitalisierung und der richtige Weg, um in der veränderten Welt Leben und Arbeiten in Einklang zu bringen.

 

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