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Mobility-as-a-Service-Welle rollt

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Die Teilnehmer eines Mobility-as-a-Service Roundtable, zu dem Detecon unter anderem Vertreter von Volkswagen, der Schweizer Bundesbahn und der Deutschen Post DHL eingeladen hatte, waren sich einig: Der Bedarf an alternativen Mobilitätskonzepten wächst rasant. Aber die Kapazitäten reichen längst (noch) nicht aus. 

Mit dem Bus um 7:12 Uhr zum Bahnhof. Dann weiter mit dem Fernverkehrszug. Am Zielbahnhof mit dem reservierten Carsharing-Auto in die Kleinstadt. Um 13.15 Uhr mit dem Taxi direkt zum Flughafen, weiter nach München. Mit der S-Bahn in Richtung des nächsten Kunden – die letzten Kilometer zum Firmensitz mit dem am Vortag an der Bike Station reservierten Rad. Und von dort mit dem Mietwagen ins verlängerte Wochenende in die Alpen – und all das im Handumdrehen geplant per Smartphone-App. Noch eine Vision, aber möglicherweise bald schon Realität.  

Nutzer steht im Mittelpunkt

Nahtlos von A nach B, keine Wartezeiten, egal, wann und wo welches Verkehrsmittel genutzt wird – Mobility-as-a-Service (MaaS) kombiniert alle denkbaren Arten der Personenbeförderung, vom Bus, Zug und Taxi bis hin zum Car- und Bikesharing. Kern dieses Transportsystems: Nicht das Fahrzeug, sondern der Nutzer, der per App oder Browser die gewünschte Mobilität bestellt, steht im Mittelpunkt. Verschiedenste Mobilitätsplattformen arbeiten bereits daran, in diesem Sinne künftig Taxi, Bike Sharing, ÖPNV und Bahnverkehr miteinander zu integrieren. Das Berliner Start-up door2door bündelt beispielsweise über eine Plattform mit dem Mitfahrdienst allygator Fahrtrouten, und kümmert sich um Car Pooling, organisiert Fahrgemeinschaften. 

Nutzerzahlen noch überschaubar

Mit Mobility-as-a-Service reagieren die Anbieter auf die zunehmende Urbanisierung, die veränderte Wahrnehmung des Autos als Statussymbol, das hohe Verkehrsaufkommen, Parkplatz-Not und die weiter steigende Wahrnehmung des Themas Umweltschutz. Noch sind Nutzerzahlen und Umsatz überschaubar, aber die Welle rollt. Und Automobilhersteller investieren schon jetzt massiv in Sharing-Lösungen. Vermutlich sinnvolle Investitionen – denn der Wunsch nach innovativen, smarten Lösungen, jederzeit an jedem Ort mobil zu bleiben, nimmt zu: 90 Prozent der Menschen in Deutschland sehen im Car- oder Ride-Sharing Vorteile, sagt etwa eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom.  

Signifikanter Wandel

Ihre Attraktivität beziehen die Angebote vor allem aus der Digitalisierung der gesamten Abläufe. „Wir gehen davon aus, dass Mobility-as-a-Service einen signifikanten Wandel im Markt bewirken wird“, bestätigten die Teilnehmer des Detecon-Experten-Roundtables zu Mobilitätskonzepten der Zukunft. Auch, weil die Automobilindustrie umdenken muss: Denn das Kaufen und Leasen von Fahrzeugen wird für Verbraucher und Unternehmenskunden immer unattraktiver. Und die Konkurrenz im Kampf um Kunden wächst: Die zukünftigen Wettbewerber für klassische Automobilhersteller sind demnach Unternehmen aus dem Digitalsektor wie die Google-Schwester Waymo, BlaBlaCar oder Uber, die auf digitaler Basis längst an Lösungen zur bedarfsgesteuerten Mobilität arbeiten. 

Nachfrage überschreitet bald Kapazität

Damit sich Angebote wie Car- oder Ride-Sharing etablieren können, ist eine neue Infrastruktur unumgänglich. Keine neuen Straßen oder Schienen, sondern vorausschauende Analysen auf Basis großer Datenmengen zur Steuerung von Verkehrsströmen. Und deshalb mehr Transparenz und Zugang zu mobilen Daten sowie einheitliche und jederzeit verfügbare Standards, um diese Dienste nutzen zu können. „Mobility Services sind Wachstumsmärkte und werden immer beliebter“, hieß es beim Roundtable von einem Vertreter aus der Automobilindustrie. „Mobility-as-a-service ist aber kein Selbstläufer. Wir müssen Impulse setzen und nicht warten, dass der Markt alles regelt. Denn wir brauchen eine offene Mobilitätslandschaft.“ Die Empfehlung der Roundtable-Teilnehmer: rechtzeitig vorbereitet sein, denn die Mobility-as-a-service-Welle rollt bereits. Und die Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle sind gravierend.
 

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