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Infrastructure Edge: Wie ein Grundstück am Strand

Mobilfunkbetreiber und andere Eigentümer von drahtloser Infrastruktur verfügen über die wertvollsten Strandgrundstücke im Wettlauf um die Entwicklung einer globalen Edge Cloud. Joseph Noronha von Detecon nimmt uns mit auf eine Küstenreise, um diese Idee zu erforschen.

 Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien ursprünglich im State of the Edge Blog. State of the Edge ist eine kollaboratives Forschungs- und Bildungsnetzwerk, das u.a. den State of the Edge Report und das Open Glossary of Edge Computing (jetzt offizielles Projekt der Linux Foundation) herausgibt.

Als ich vor etwas mehr als 2 Jahren begann, mich mit Edge Computing zu beschäftigen, vergingen Wochen ohne wesentliche News zu diesem Thema, abgesehen von sporadischen Berichten über einige lokale Implementierungen. Damals existierte noch kein State of the Edge Report und schon gar kein Open Glossary of Edge Computing. Heute vergeht dagegen kaum eine Stunde, bis mein RSS-Feed mit wieder einem "next big thing" läutet. Edge Computing ist also definitiv angekommen. Wenn Gartner seinen Gartner Hype Cycle 2018 veröffentlicht, erwarte ich, dass sich Edge Computing am steilsten Punkt im Hype-Zyklus befinden wird.

Gerne möchte ich aus der Perspektive eines Mobilfunkbetreibers das Phänomen Edge Computing betrachten, und dabei vor allem das Infrastructure Edge und seine Auswirkungen auf das breitere Ökosystem näher beleuchten.

Zentrale Rechenzentren und das Wireless Edge

Viele der heutigen Diskussionen über Edge Computing schreiben der Cloud magische Qualitäten zu, was irgendwie darauf hinzudeuten scheint, dass sie amorph, allgegenwärtig und überall zu finden ist. Das ist natürlich ein Irrtum. Neunzig Prozent dessen, was wir als Cloud bezeichnen, konzentrieren sich auf eine kleine Handvoll zentralisierter Rechenzentren, die oft Tausende von Kilometern und Dutzende von Netzwerk-Hops entfernt sind. Wenn Experten über die Verbindung von Edge-Geräten mit der Cloud sprechen, ist es üblich, die beiden Endpunkte zu stark zu vereinfachen: Nämlich auf das Edge Device am Netzwerkrand und das zentrale Data Center. Dabei wird die kritische Infrastruktur, die diese beiden Extreme verbindet, übersprungen. Hierzu gehören etwa die Mobilfunkmasten, RF-Funkgeräte, Router, Zusammenschaltungspunkte, Netzwerk-Hops, Glasfaser-Backbones und andere kritische Kommunikationssysteme, die zwischen Edge-Geräten und der zentralen Cloud zusammenarbeiten. In der drahtlosen Welt verteilt sich dies alles auf Mobilfunkmasten, DAS (Distributed Antenna Systems) Hubs, diversen Zentralen und Glasfaserstrecken, die die Infrastrukturseite der letzten Meile bilden. Dies alles stellt das Wireless Edge dar, mit Anlagen, die sich derzeit im Besitz von Netzbetreibern und in einigen Fällen auch von Funkmastbetreibern befinden.

Edge Computing: Die Landaneignung

Das Wireless Edge wird eine wichtige Rolle bei der Verbindung von Geräten mit der Cloud spielen. Lassen Sie mich die Analogie einer Küstenlinie nutzen, um dies zu veranschaulichen: Stellen Sie sich eine Küste vor, die sich vom Meer bis zu den Hügeln erstreckt. Die Gezeitenzone, in der die Wellen auf das Ufer treffen, ist wie das Endgeräte-Edge, voll von spannenden Aktivitäten und einem robusten Ökosystem, aber viel zu flüchtig und veränderlich, um eine dauerhafte Struktur aufzubauen. Viele große Player, darunter Microsoft, Google, Amazon und Apple, kämpfen darum, diesen begehrten Platz direkt am Wasser (und dem Endverbraucher, sozusagen) mit lokalen Gateways und Geräten zu gewinnen. Dies ist die Domäne von AWS Greengrass und Microsoft IoT Edge. Es ist auch Streitort um den Verbraucher, der mit Produkten wie Alexa, Android und iOS-Geräten geführt wird. In diesem Bereich des Strandes findet der Kampf also hauptsächlich zwischen den Internet-Giganten statt.

An einer anderen Stelle der Küste befinden sich die Riffe und Klippen, von denen aus man einen hervorragenden Blick auf das Wasser und die gesamte Umgebung hat. Diese "Binnenseite" der Küste ist die Domäne regionaler Rechenzentren, wie sie Equinix und Digital Realty gehören. Diese Rechenzentren stellen einen wichtigen Aggregationspunkt für die Verbindung zur zentralisierten Cloud dar, und tatsächlich verfügen die meisten der großen Cloud-Anbieter über Equipment in diesen Kollokationseinrichtungen.

Und in der Mitte - ja, am Strand selbst - liegt der Infrastrukturrand, möglicherweise der ideale Standort für ein Strandgrundstück. Dieser Raum ist nun reif für die Entwicklung. Er wurde noch nie weitgehend monetarisiert, aber man wäre naiv zu glauben, dass er wenig Wert hat. In der Vergangenheit waren die Mobilfunkbetreiber, die diesen erstklassigen Strandabschnitt besitzen, nicht erfolgreich beim Aufbau von Plattformen, die Entwickler tatsächlich nutzen wollen. Entwickler wünschen sich immer eine globale Reichweite und eine einheitliche, entwicklerfreundliche Umgebung, so wie es beides etwa von den großen Cloud-Anbietern angeboten wird. Die Mobilfunkbetreiber scheitern hierbei jedoch noch - sie handeln in erster Linie national und regional, aber weniger global, und ihre Expertise liegt eher in komplexen Architekturen als in der Gestaltung einfacher Handhabungen.

Dies alles bedeutet aber nicht, dass die Betreiber untätig sind. Im Gegenteil, jeder große Mobilfunkbetreiber gestaltet seine Netzwerke aktiv um, um Network Function Virtualization (NFV) und Software Defined Networking (SDN) auf dem Weg zu 5G einzuführen. Diese softwaregesteuerten Netzwerkerweiterungen erfordern große Mengen an Rechnerkapazität am Rande, was oft bedeutet, dass Mikrorechenzentren an der Basis von Mobilfunkmasten oder in lokalen Antennen-Hubs angesiedelt sind. Jedoch handelt es sich dabei in erster Linie um Anwendungsfälle, die nach innen gerichtet sind und damit eher interne Kosten senken als externe Umsätze generieren sollen. adressieren. In unserem Strandbeispiel würde man analog ein Hotel-Callcenter an einem Strand bauen, anstatt es in erster Linie für Gäste zu öffnen. Es optimiert also interne Prozesse, generiert aber kein Umsatzwachstum.

 

Die Strandfront weiter entwickeln

Wiewohl sich die Mobilfunkbetreiber der Möglichkeiten, die sich aus der Integration von Edge Computing in ihr Netzwerk ergeben können, bewusst sind, besteht große Unklarheit darüber, wie dies zu erreichen ist. Obwohl aus der Telekommunikationswelt leistungsfähige Standards hervorgehen – wobei vor allem Multi-Access Edge Computing (MEC), das einen API-Zugriff auf das Radio Access Network bietet, besonders bemerkenswert ist, existiert immer noch kein Mechanismus, um diese Standards zu einer globalen Plattform zusammenzufügen, die eine explizit entwicklerorientierte Benutzererfahrung bietet.

Dennoch bieten sich Möglichkeiten: Es gibt einige Unternehmen wie Vapor IO und MobiledgeX, mit jeweils engen Verbindungen zur Infrastruktur- und Betreiber-Community und die Probleme bei der Bereitstellung einer gemeinsamen Recheninfrastruktur und den Aufbau einer globalen Plattform für Entwickler konkret angehen. Klar ist: Der Erfolg wird darauf basieren, dass alle Akteure ihre Kräfte gemeinsam bündeln, anstatt allein zu gehen oder unterschiedliche und nicht kompatible Ansätze zu verfolgen.

Am Ende, genau wie ein entwickelter Strandabschnitt den Bedürfnissen von Besuchern und Urlaubern entsprechen sollte, wird sich jeder Teil des Edge-Ökosystems zu Recht darauf konzentrieren, mögliche Bauherren mit Werkzeugen und Vorteilen anzuziehen, die universelle Reichweite und Benutzerfreundlichkeit bieten. Betreiber haben viel zu verlieren, wenn sie nicht die richtigen Wetten auf die Edge Infrastructure abschließen. Ein Zögern könnte dagegen bedeuten, dass man durchaus von anderen Playern, einschließlich der großen Cloud-Anbieter, beiseitegeschoben wird.

Joseph Noronha

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