Detecon
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09.04.2020

Die Kehrseite - Part II

Die Kehrseite Part II

von Kay Freiland

Die Meinungen zur aktuellen Krise gehen weit auseinander und es kristallisieren sich zwei Lager heraus. Wie üblich die einen, die die dunklen Wolken sehen und die anderen die dazwische die Sonnenstrahlen erblicken wollen. Matthias Horx, der Trend und Zukunftsforscher, gehört eher zum letzteren Lager. Er will nicht optimistisch sein, das ist ihm zu einfach - ihm geht es um Zuversicht. Und das trifft es meines Erachtens sehr genau auf den Punkt – Zuversicht!

Resillienz: Was wir besser machen dürfen

Viele Menschen aus meinem beruflichen und dem privaten Umfeld sehen für den weiteren Verlauf der Krise meist nur die Gefahren und Probleme, die noch auf uns zukommen werden. Und natürlich gibt es Länder und Personen, für die diese Krise alles andere als glimpflich verläuft, das dürfen wir nicht vergessen. Daher kann ich den Frust auch sehr gut verstehen.

Wir leben in einer Zeit in der wir haben zwar noch nicht über alle Mittel verfügen Krisen exakt vorherzusagen; jedoch war die Möglichkeit einer Krise solchen Ausmaßes immer gegeben. Auch Mahner, die eine Pandemie wie die Coronakrise prophezeit haben, gab es mehr als genug. Dennoch: Kaum ein Unternehmen war auf diese neue Gegenwart, insbesondere auf die ökonomischen Auswirkungen, vorbereitet. Die notwendige Resilienz ist nicht vorhanden, als ob wir nie mit der Katastrophe gerechnet haben.

Wir wissen sehr viel über die Zukunft allerdings vergessen wir zu berücksichtigen, was wir nicht wissen. Nassim Nicholas Taleb hat in seinem Buch“ Der schwarze Schwan“ geschrieben, dass wir zweifellos eine ganze Menge wissen, aber von Natur dazu neigen, zu meinen, wir wissen ein bisschen mehr, als wir tatsächlich wissen. Dieses Bisschen reicht dann oft aus, um hin und wieder in ernste Schwierigkeiten zu geraten. Wir überschätzen unser Wissen und unterschätzen die Ungewissheit, in dem wir den Bereich der möglichen unsicheren Zustände komprimieren.

Erfahrungen: Was wir lernen können

Zweifelsohne, wir müssen die „lessons learned“ und die Rückschlüsse aus der Krise mitnehmen und diese verarbeiten, um unsere Resilienz zu stärken und die Chancen, die sich uns jetzt ergeben nutzen. Und genau dafür brauchen wir zuversichtliche Menschen, denen es jetzt gelingt konstruktiv eine bessere Zukunft mit zu gestalten. Und vielleicht könnte es ja sein, dass die Coronakrise unser Leben in eine Richtung lenkt, in die es sich sowieso verändern wollte? Zugegebener Maßen, ist das schon eine große Portion Zuversicht. Aber wenn wir durch die leeren Straßen der Städte laufen und über die leeren Plätze, fühlt sich das für mich eher nach Neuanfang an.

Zuversicht: Was wir jetzt brauchen

Die musizierenden Italiener auf den Balkonen, der Beifall für die Helfer der Krise, die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen und die Elefanten in Indien, die ihr Glück im Anblick der leeren Straßen kaum fassen können. All das macht etwas mit uns.

Dies kann uns Mut geben, die Veränderungen anzustoßen, die vor einigen Wochen undenkbar gewesen wären. Wir können jetzt alte Zöpfe abschneiden und die Dinge anpacken, um die wir seit langem einen Bogen gemacht haben. Wohl dem, der in bewegten Zeiten lebt, sagt ein chinesisches Sprichwort. Nun leben wir in solchen Zeiten! Das Corona-Virus hat zu einer Disruption vieler unserer Unternehmen und Geschäftsmodelle geführt. Daraus lässt sich doch was machen – Grund genug für Zuversicht!

 

Der Originalartikel erschien am 8. April in Linkedin.

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