Ich will nicht in einer Stechuhr-Welt leben

Deutschland, deine Digitalisierung: Christian Lindner im Gespräch

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, ist ein Verfechter der Selbstbestimmung. Das kommt nicht überraschend. Im Gespräch mit Detecon-Partner Marc Wagner und Berater Jan Pfeifer geht er auf sein Paket ein, mit dem er die Themen neue Arbeitswelt und Bildung und auch die arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland zukunftsträchtig gestalten will. Die Digitalisierung sieht er als große Chance für mehr Lebenslaufsouveränität.

Deutschland deine Digitalisierung: Christian Lindner
Christian Lindner

Detecon: Stichwort Digitalisierung: Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt, insbesondere die Gestaltung von Arbeit in Unternehmen?

C. Lindner: Die Digitalisierung ist eine großartige Chance, Arbeit selbstbestimmter, humaner und flexibler zu machen. Neue technische Möglichkeiten geben uns mehr Lebenslaufsouveränität und neue Optionen, um einen selbstbestimmten Rhythmus in unser Arbeits- und Privatleben zu bringen. Deshalb freue ich mich über die Chance, Arbeit nach meinen Bedürfnissen zu gestalten und nicht in einer Stechuhr-Welt leben zu müssen.

Die Studie von der Oxford University beispielsweise wird gerne herangezogen, um zu sagen: „Die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung und Roboterisierung sind eine große Bedrohung. Wir werden bis 2045 47 Prozent unserer Jobs verloren haben.“ Wie stehen Sie diesen Schattenseiten der digitalen Revolution gegenüber und was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Hebel, um dem entgegenzuwirken?

Die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen muss man gegenschneiden zur Alterung der Gesellschaft. Wir werden in den europäischen Gesellschaften, zumal in Deutschland, Millionen Erwerbstätige verlieren, die in das Ruhestandsalter eintreten. Der damit verbundene Mangel an Fachkräften kann mindestens teilweise durch technologischen Fortschritt aufgefangen werden. Hinzu kommt, dass wir mit der Situation bei Gesundheit, Pflege, Bildung und Infrastruktur unverändert nicht zufrieden sein können. Da gibt es noch viel zu tun. Wir müssen nur dafür sorgen, dass aus der Arbeit auch Jobs werden. Letztlich werden auch nicht alle Dinge, die automatisiert und digitalisiert werden könnten, zwingend digitalisiert, weil Menschen eben gerne mit Menschen zu tun haben. Das zeigt sich im Bereich von Service. Im Supermarkt könnte man zum Beispiel längst nur noch automatisierte Kassen haben - die Leute gehen aber lieber an die Kasse, an der man mit einem Menschen kommuniziert.

Anlässlich Ihres Besuches in unserem Hause sagten Sie, dass die Digitalisierung in Deutschland gerne in Moll intoniert wird. Welche Faktoren beeinflussen den Status Quo und das Nicht-Voranschreiten des digitalen Wandels in Deutschland am stärksten?

In meinen Augen ist das eine Frage der Mentalität. Die Köpfe sind der bei uns am stärksten begrenzende Faktor, sprich, die mangelnde Bereitschaft, ein Wagnis einzugehen. Wir haben eine zurückgehende Gründungsdynamik, eine zu geringe Qualifizierung in diesen Fragen und eine generelle Zögerlichkeit, diese neuen Technologien auch tatsächlich aufzunehmen. Obendrauf kommt dann der Mangel an zur Verfügung stehenden Etats und die schlechte digitale Infrastruktur, die bürokratische Verwaltung und der unzureichende Glasfaserausbau.

Stichwort Gründungskultur in Deutschland - was sind denn die größten Hemmnisse? Und was könnte man aus Ihrer Sicht relativ schnell verändern, um die Situation zu verbessern und international wieder aufzuschließen?

Eine Studie der Handelshochschule Leipzig im Auftrag der FDP-Fraktionen hat ergeben, dass das größte Hemmnis die Angst vor dem Scheitern ist, also auch eine Frage der Mentalität. Menschen schrecken davor zurück, ein Risiko einzugehen, weil sie befürchten müssen, im Falle eines Misserfolges mit Häme und Spott konfrontiert zu werden und vielleicht auch ganz harte Einschränkungen bei der Finanzierung eines neuen Unternehmens oder bei dem Wiedereinzug in ein Angestelltenverhältnis haben. Hier müssen wir ansetzen. Anerkennung für die Leute, die Erfolg haben, gleichzeitig aber auch eine neue Chance und Respekt für diejenigen, die einmal nicht erfolgreich waren.

Gibt es auch Änderungen aus rechtlicher oder gesetzgeberischer Sicht, die der digitalen Transformation und dem digitalen Wandel in Deutschland nochmal einen zusätzlichen Schub geben?

Das ist ein ganzes Paket für ein neues rechtliches Umfeld, meine Aufzählung ist noch nicht einmal vollständig: Erstens müssen wir am Arbeitsmarkt zu mehr Flexibilität kommen. Das Arbeitszeitgesetz und die Arbeitsstättenverordnung passen nicht zu den neuen Wünschen und Bedürfnissen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, stärker selbstbestimmt Arbeitszeit und Arbeitsort zu wählen. Wir brauchen zweitens ein Wettbewerbsrecht, das im Besonderen die Plattformen im Zusammenhang mit den neuen Machtballungen im Markt in den Blick nimmt. Es darf nicht so sein, dass Einzelne so mächtig werden, dass sie anderen die Regeln des Spiels diktieren. Drittens brauchen wir ein Datenschutzrecht oder ein Datensouveränitätsrecht, welches das Sammeln und Bewirtschaften von Daten erlaubt und gleichzeitig den Nutzern die Möglichkeit gibt, Einfluss zu nehmen auf das, was passiert, zu wissen, was passiert und zu unterbinden, wenn etwas nicht in ihrem Sinne passiert. In den drei Bereichen – Arbeitsmarkt, Daten und Wettbewerbsrecht – sehe ich die hauptsächlichen rechtlichen Aufgaben. Hier müssen wir dringend etwas tun.

In diesem Kontext ist auch die internationale Bühne relevant. Gerade im Wettbewerb mit internationalen Konzernen, die häufig in den USA oder in China beheimatet sind, haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir starke Wettbewerbsnachteile durch diese Rahmenbedingungen haben. Eine rein lokale oder rein deutsche Betrachtungsweise springt hier einfach viel zu kurz.

Das unterstreiche ich. Es ist nicht nur eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, sondern der geänderten Wünsche und Anforderung. Man will vielleicht auch einen anderen Rhythmus im Tag haben, sich mal rausziehen, etwas Privates machen und dann zurückkehren. Wenn man am Abend noch länger an etwas gearbeitet hat, was am Nachmittag nicht fertig geworden ist, dann verhindert alleine Mindestruhezeit, dass man am nächsten Tag früh wieder an das Projekt geht. Das passt nicht mehr zu den Wünschen und Möglichkeiten der Bürger. Flexibilität heißt auch, in der Woche, im Monat, im Jahr vielleicht mal eine größere Verdichtung von Arbeit zu haben, dann aber auch wieder Zeiten mit Ruhe oder vielleicht sogar mit Leerlauf. Die Menschen sind heute selbstbestimmter und schöpferischer und nicht mehr so sehr an den Hierarchien orientiert. Die Hierarchien sind flacher, weil die Menschen selbstbestimmt sind. Also muss auch das Recht diesen Wunsch nach Selbstbestimmung mit mehr Freiraum beantworten.

Seitdem die Digitalisierung stärkeren Einfluss auf unsere Art zu arbeiten hat, sehen wir bestimmte Krankheitsbilder wie zum Beispiel Burnout. Mitarbeiter scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, ihre Grenzen an der ein oder anderen Stelle einzuschätzen. Auch das Thema ‚Digital Detox‘ wird hier gerne erwähnt. Wie stehen Sie generell diesem Thema gegenüber? Eine Regulation steht dem freiheitlichen Gedanken ja in gewisser Weise entgegen.

In der Tat setze ich auf die Klugheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und auch die Fähigkeit von Arbeitgebern und Gewerkschaften, auf der betrieblichen oder sogar individuellen Ebene Pakete zu schnüren. Da findet jeder seinen eigenen Weg. Für mich beispielsweise wäre es ein großer Stressfaktor, wenn ich in meinem Urlaub nicht regelmäßig online sein könnte. Mich stresst allein die Vorstellung, dass mein E-Mail-Account vollläuft mit Fragen und mit Vorgängen. Deshalb genieße ich es eher, im Urlaub mal schnell zu schauen, was da los ist, und beantworte gerne eine kurze Frage. Digital Detox ist für mich kein Versprechen, sondern eine Drohung.

Ihr Auto gilt als Ihr zweites Büro. Wie sähe eigentlich Ihr Wunschbürogebäude aus? Was müsste es beinhalten und wozu müsste es Sie befähigen?

Erstens: Bitte keinen festen Schreibtisch! Ich brauche die Möglichkeit, mich im Raum zu bewegen. Mal möchte ich am Fenster sitzen, mal nicht, mal in einem Einzelbüro, um in Ruhe einen längeren Text zu schreiben, mal möchte ich aber in einem Großraumbüro arbeiten, weil mich das kreative Umfeld beflügelt und ich mich mal kurz über den Schreibtisch austauschen oder sogar ablenken kann. Zweitens: Ich würde mir einen Raum wünschen, in dem es die Möglichkeit gibt, sich mal kurz zurückzuziehen und eine Pause zu machen. Idealerweise könnte ich in einem nahegelegenen Sportbereich zum Sport gehen oder in einem Ruhebereich, vielleicht im Sessel, auf dem iPad eine Autozeitschrift lesen. Es wäre schön, zwei Stunden Pause zu haben und auch nutzen zu können, wenn sich gerade nichts tut. Meine Wunschvorstellung für ein Büro wäre also ein Raum mit möglichst viel Selbstbestimmung und möglichst viel Flexibilität und Abwechslung.

Sie sagten: „Ich suche mir als Arbeitnehmer das Umfeld und auch die Technologie aus, die für mich und meine Arbeitssituation am besten passt.“ Das setzt ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortung voraus. Unsere Wahrnehmung ist, dass das aber nicht die Art von Bildung ist, die wir schon mit dem Start in die Schule erfahren. Dort geht es eher darum, das wiederzugeben, was der Lehrer sagt und keine Fehler zu machen. Das projiziert sich bis in die Universitätszeit und wird konsequent im Unternehmen fortgeführt. Wie sieht Ihre Betrachtung aus und was wären aus Ihrer Sicht Hebel, um dem zu begegnen?

Beim Bildungssystem liegt manches im Argen. Es fängt eben bei den Basics an, Sie deuten das in der Frage ja bereits an. Das Unterrichtsgespräch selbst und die Didaktik müssen stärker darauf ausgelegt werden, Menschen in ihrer Selbstbestimmung zu stärken und ihnen autonomes, selbstgesteuertes Lernen als Technik zu vermitteln, die sie ihr ganzes Leben benötigen. Mein Paket enthielte auf jeden Fall, die didaktische Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer zu stärken, inklusive der digitalen Möglichkeiten, die es gibt. Dann muss man auch im späteren Verlauf des Lebens ansetzen, dort, wo Menschen regelmäßig in Einrichtungen wie Hochschulen, Berufsschulen oder überbetriebliche Bildungseinrichtungen zurückkehren, um dran zu bleiben. Ich bin davon überzeugt, dass wir nach dem ersten ein komplettes zweites Bildungssystem brauchen, das für das lebenslange Lernen Verantwortung übernehmen kann.

Und da sehen Sie den Staat in der Pflicht oder sehen Sie das eher in einem betrieblichen Rahmen?

Da es ja um öffentliche Bildungsreinrichtungen wie Hochschulen und Berufskollegs geht, würde ich den Staat stärker in die Mitverantwortung nehmen. Er kann damit bei seinen eigenen Beschäftigten beginnen, also den Lehrerinnen und Lehrern. Er kann dann zum Zweiten die Hochschulen öffnen, beispielsweise für eine Summer School. Drittens könnten wir die Bedeutung der Weiterqualifikation im Leben dadurch stärken, dass wir beispielsweise eine Art Steuer, privilegiert für die Bildung, sparen. Das wäre eine Art Werbungskosten, die man zurücklegen kann. Ein Guthaben aus dem Brutto, das angespart und dann genutzt werden kann, wenn man sich einer Weiterqualifikation stellen muss.

Also ein Incentive dafür, sich für seine eigene Skill-Entwicklung einzusetzen?

Genau! Werbungskosten wie die Briefmarke auf dem Bewerbungsschreiben, das waren die früheren Werbungskosten. Heute erhält man seinen Arbeitsmarktwert nur dann, wenn man sich regelmäßig weiterqualifiziert. Aus dem Bruttoeinkommen eine Rücklage machen zu können, aus der man dann den Lebensunterhalt während einer längeren Fortbildung bestreiten kann, das hielte ich für eine kluge Weiterentwicklung der Werbungskosten.

Ein interessanter Aspekt. Lassen Sie uns an der Stelle in die Inhalte der Lehre einsteigen. Es gibt vom World Economic Forum eine Übersicht zu den Skills, die heutzutage wichtig beziehungsweise in 2025 entscheidend sein werden, um am Ende des Tages wettbewerbsfähig zu sein. Was sehr auffällig ist, ist dass das Thema Kreativität an eine der ersten Stellen rutscht. Auch ein Thema wie Problemlösungskompetenz wird sehr, sehr wichtig, während die rein fachlichen Themen immer weiter hinten rangieren.

Das kann ich nur positiv quittieren, was Sie da zur Bedeutung von Kreativität und schöpferischer Arbeit sagen. Alles dazwischen, alles, was automatisiert werden kann und auch durch künstliche Intelligenz erledigt werden kann, wird wegfallen. In der Tendenz ist also eher der Job des schlecht qualifizierten Juristen gefährdet, der als Sachbearbeiter bei der Versicherung arbeitet, als der Job des Designers, des Architekten, des Ingenieurs, die alle schöpferisch arbeiten. Im Servicebereich, in der Pflege, in der Gastronomie wird eher nicht sofort ein Arbeitsplatzeffekt in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu sehen sein. Die Aufgabe in unserem Bildungssystem ist es, die Fähigkeiten der Eigenverantwortung und des schöpferischen Arbeitens zu stärken. Damit meine ich nicht zwingend, den eigenen Namen tanzen zu können, sondern kreativ, auch mit beispielsweise naturwissenschaftlichen Kenntnissen, neues Wissen hervorbringen zu können.

Das ist die inhaltliche Betrachtung. Sie haben aber angesprochen, dass der Wegfall vieler Routineaufgabe - dazu zählen dann auch Tätigkeiten wie das Führen von Fahrzeugen - natürlich am Ende des Tages dazu führt, dass eine ganze Reihe von Menschen beziehungsweise deren Tätigkeitsprofil nicht mehr gebraucht wird. In diesem Kontext wird ja auch gerne das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens sehr kontrovers diskutiert. Wie stehen Sie hierzu?

Ich glaube an diese massiven Arbeitsplatzeffekte nicht, sondern sehe eher eine Verschiebung. Als wir von der Dampfmaschine, von der Eisenbahn, auf Diesel und Elektrizität umgestiegen sind, sind die Heizer weggefallen. Um diese Jobs, gesundheitsschädlich und körperlich anstrengend, war es nun wirklich nicht schade. Ich glaube, dass es in der Mobilität und der Logistik, also im Bereich LKW, immer eine Besatzung geben wird, zum Beispiel für die Beladung. Zur Kernfrage des bedingungslosen Grundeinkommens: Das ist eine großartige, faszinierende Idee, die aber nur im Paradies funktioniert und nicht hier auf Erden. Erstens: Die Verteilungseffekte sind unkalkulierbar. Wer gewinnt, wer verliert? Zweitens: Das Finanzierungsvolumen ist zu groß, als dass ich es für realistisch umsetzbar halte. Drittens: Es führt zu Fehlanreizen. Gerade Geringqualifizierte mit einem geringen Einkommen, das sich wenig von dem unterscheidet, was sie bedingungslos als Rente erhalten, müssen sich doch die Frage stellen: Ist es dann jetzt für mich eigentlich lohnenswert, zu arbeiten, und muss ich mich überhaupt weiterqualifizieren, wenn ich mit dem, was ich jetzt habe, zufrieden bin? Das ist eine Falle, denn dann werden möglicherweise Menschen in einem Status gehalten, obwohl es die Möglichkeit gäbe, sich weiterzuentwickeln, Arbeit und Qualifikation aufzunehmen, was auch zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. In einem Satz gesagt glaube ich also, dass ein Zwang zur Qualifikation und zur Aufnahme von Arbeit am Ende Menschen dazu führt, das Beste aus ihren Anlagen und Möglichkeiten zu machen und damit überhaupt erst eine Persönlichkeitsentwicklung abzuschließen.

Also eine ganz klare Aussage in Richtung „schönes theoretisches Konstrukt, aber in der Realität nicht sinnhaft umsetzbar“?

Ja, ich sehe sogar eher negative Auswirkungen. Ich könnte das mit einer Anekdote unterstreichen. Ich war bei einer Bundesagentur für Arbeit und habe einem Fallmanager über die Schulter geschaut. Da war ein Pärchen, beide 18, kein Schulabschluss, Hartz IV. Der Fallmanager hat sich alle Mühe gegeben, um ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Er hat erklärt, was sie machen könnten und aufgezeigt, wie sie ihren Schulabschluss machen, danach modulartig eine Ausbildung absolvieren und in vier Jahren fertig gelernt und einen tollen Job haben könnten. Und da sagte der 18-Jährige, der Sachbearbeiter habe möglicherweise sein Anliegen missverstanden. Hartz IV in der Bedarfsgemeinschaft reiche ihm aus, er bräuchte gar keinen Schulabschluss oder einen Job. Genau das ist das Problem. Wenn diese Menschen dazu veranlasst werden, etwas tun zu müssen, weil es eben nicht bedingungslos ist, dann würden sie vielleicht, nachdem sie diese Jahre auf sich genommen haben, sagen: „Da hat uns jemand in den Hintern getreten und jetzt geht es uns viel besser“. Deshalb bin ich für eine Vereinfachung des Sozialstaates, also eine Zusammenführung von Sozialleistungen, wie auch bei einem bedingungslosen Grundeinkommen. Aber danach bin ich absolut dafür, dass es Anreize gibt, Arbeit aufzunehmen. Ich bin dafür, dass der Staat so funktioniert, dass es sich immer mehr lohnt, zu arbeiten, als nicht zu arbeiten.

Was sind denn die Stärken und auch letztlich das historische Fundament, was wir als Deutsche und als Deutschland haben, um letztlich im Zeitalter der Digitalisierung die Nase wieder so richtig vorne zu haben?

Wir haben einen großartigen Mittelstand und eine unverändert starke industrielle Basis. Wir sind, was Qualität von Fertigung, was Entwicklungskompetenz, was Fahrzeug, Maschinenbau und auch Chemie angeht, weltweit ganz vorne. Wenn wir diese traditionellen Stärken mit den neuen Möglichkeiten kombinieren, dann ist die Digitalisierung keine Gefährdung für unseren Wohlstand. Dann ist sie eine Versicherung, damit wir auch in sich wandelnden Zeiten, im sich verschärfenden globalen Wettbewerb und angesichts der Alterung der Gesellschaft ein starkes und prosperierendes Land bleiben.

Vielen Dank für dieses Interview!

Wir freuen uns auf Ihr Feedback

+++

Diese Seite teilen
ImpressumRechtliche Hinweise & Datenschutz
Besuchen Sie uns auf