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Der skandinavische Weg zu New Work

Pioniere des Company ReBuilding: Ein Gespräch mit der Telenor-Gruppe

Der Begriff New Work ist allgegenwärtig im Kontext von Arbeitskultur und Zusammenarbeit in Unternehmen. Schließlich geht es um die langfristige strukturelle und strategische Ausrichtung von Unternehmen, die sich in einem sich schnell verändernden digitalen Wettbewerb durch Agilität und Innovationsfähigkeit vom Wettbewerb absetzen. Telenor, der norwegische multinationale Telekommunikationskonzern, hat bereits vor mehr als 15 Jahren seinen eigenen Weg zu einer modernen Arbeitskultur eingeschlagen. Sie werden damit dem Ruf skandinavischer Unternehmen gerecht, die als New Work-Vorreiter gelten. Dr. Daniela Drube und Jan Pfeifer, New Work-Experten bei Detecon, hatten die Gelegenheit, mit Thomas Andresen und Kaya Yuksel von Telenor darüber zu sprechen, wie es Telenor gelungen ist, seine Organisationsstruktur zu reorganisieren und sich mit Hilfe von New Work für eine digitalisierte und globalisierte Welt neu zu positionieren. In diesem Gespräch haben sie sich über verschiedene Ansätze einer modernen und innovativen Organisationskultur ausgetauscht. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Skandinavien und Deutschland helfen uns, den europäischen Weg von New Work zu erkunden.

‘Space, Culture, Technology’ - nicht ‘People, Places and Tools’

Ein Unterschied - aber nur auf den ersten Blick: Während wir bei Detecon die Dimensionen von New Work ‚People, Places, Tools‘ nennen, verwenden Andresen und Yuksel die Begriffe ‚Space, Culture und Technology‘. Aber die Diskussion zeigt es: Sie bedeuten genau das Gleiche. Andresen und Yuksel bestätigen: Die erfolgreiche Umsetzung von New Work erfordert ein ganzheitliches Konzept und ein kontinuierliches Change Management entlang dieser drei Bereiche. Die Dimension ‚Culture‘ oder ‚People‘ erfordert die notwendigen Arbeitsräume und Werkzeuge, um sich in der Organisationskultur optimal zu entwickeln. Andererseits sind die besten Werkzeuge und die flexibelsten Arbeitsbereiche nutzlos, wenn die Menschen sie nicht mit Leben erfüllen und ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Die wichtigste Lektion für Telenor und Detecon ist die Einbeziehung der Mitarbeiter in den Transformationsprozess von Beginn an. Andresen beschreibt den Mentalitätswandel als "die härteste Herausforderung".

Eine weitere gemeinsame Sichtweise: Die Dimension ‚Space‘ oder ‚Places‘ ist oft der Ausgangspunkt für die Umsetzung von New Work Maßnahmen.

Thomas Andresen & Kaya Yuksel (Telenor)
Thomas Andresen & Kaya Yuksel (Telenor)

Eine moderne Organisation braucht Vielfalt und Gleichheit

Gerade in Zeiten der Digitalisierung sind abweichende und ungewöhnliche Meinungen gefragt. Daher müssen sich Unternehmen zunehmend auf unterschiedliche Teams und unterschiedliche Charaktere einlassen, die je nach Standort über ein geeignetes Arbeitsumfeld verfügen.

Auch Telenor will diesen Ansatz nutzen, wie Yuksel erklärt: "Bei Telenor haben wir eine Vielzahl von Teams mit unterschiedlichem Hintergrund, aus verschiedenen Nationen - aus Pakistan, Bangladesch und Thailand - das spürt man in unserer Arbeitskultur."  Weitere wesentliche Aspekte sind Konzepte zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - auf Augenhöhe. "Ich denke, das übersetzt sich direkt in der Arbeitskultur und auch in der Akzeptanz, moderne Konzepte in höherem Maße zu nutzen."

Vorbild Skandinavien?

Unser Austausch macht deutlich, dass Skandinavien für Deutschland ein Vorbild auf dem Weg zu einer modernen Organisationskultur sein kann, und was anderen Kulturen noch fehlt. Nicht nur wegen seiner Vielfalt, sondern auch in Bezug auf Führungsfragen und die Gestaltung des organisatorischen Umfelds in unterschiedlichen Dimensionen, wie z.B. Technologieaffinität oder moderne gesetzliche Regelungen zur Arbeit. Es ist allgemein anerkannt, dass flache Hierarchien, funktionsübergreifende Zusammenarbeit und vertrauensbasierte Führung die Eckpfeiler einer modernen, effizienten und innovativen Unternehmenskultur sind und dass Management und Führung auf den Einzelnen ausgerichtet sein müssen. Aber mit Blick auf den Status quo in anderen Kulturen, stellt Yuksel fest: "In Norwegen werden diese Aspekte in höherem Maße praktiziert als in anderen Ländern." Wenn Unternehmen und Konzerne wettbewerbsfähig bleiben und am Markt bestehen wollen, müssen sie unserem Beispiel folgen.

Company ReBuilding - Der nächste Schritt der Evolution

Schließlich sprachen wir über die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer modernen Organisation. Was kommt nach New Work? Die Antwort: Es geht in die Richtung eines organisatorischen Ansatzes. Unternehmen stehen heute nicht nur vor der Herausforderung, so effizient wie möglich zu arbeiten. Bei einer Störung der Branche reicht es nicht mehr aus, das alte Geschäftsmodell schrittweise und effizient zu verbessern. Auch die Innovationskraft ist wichtig. Effizient und innovativ zugleich zu sein, das ist die Fähigkeit der Ambidextrie. "Es gibt zwei Arten zu arbeiten", sagt Andresen. Aber er meint nicht einen "neuen und alten Weg" im Sinne einer Wertung. "Wir nennen es eine rote und eine blaue Arbeitsweise." Beide müssen gleichermaßen arbeiten, um ein Unternehmen zum Erfolg zu führen. Telenor verfolgt einen solchen ganzheitlichen Weg.

Bei Detecon entwickeln wir einen Ansatz namens Company ReBuilding. Die Grundidee basiert auf dem biologischen Prinzip der Zelle und der Zellteilung. Innerhalb des Unternehmens wachsen die Zellen bis zu einer maximalen Anzahl von 150-200 Mitarbeitern, bevor sie sich teilen. Was alle Zellen gemeinsam haben, ist eine hohe Fokussierung auf die Bedürfnisse der Kunden sowie die gemeinsame Denkweise von New Work. So kann eine große Organisation aus vielen kleinen Zellen bestehen, die völlig autonom agieren, so dass die Organisation schnell auf externe Veränderungen reagieren kann. Schließlich geht es nicht nur um die Veränderung von Kultur und Arbeitsmethoden, sondern auch um die Veränderung der gesamten Organisation und ihrer Prozesse. Telenor und wir von Detecon entwickeln unsere ganzheitlichen Organisationsansätze ständig weiter.

Wir bedanken uns bei Thomas Andresen und Kaya Yuksel für den interessanten strategischen Austausch.

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