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Das zehnte Mal: Life Science meets Digital

Konstruktiver Austausch zum Aufbau von Health Ecosystems
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„Building Health Ecosystems – sharing for better health“. Unter diesem Motto fand am 12.11. am Telekom-Hauptsitz die 10. Auflage von „Life Science meets Digital“ statt. Die von Detecon mit aus der Taufe gehobene Initiative versteht sich als unternehmens- und branchenübergreifendes Netzwerk, das Experten aus Pharma, Gesundheitswesen und Digitalisierungsindustrie zusammenbringt, um offenen Austausch zu pflegen und Grundlagen für kooperative Projekte zu ermöglichen. Wieder kamen rund 90 Teilnehmer aus fast 30 Unternehmen und Institutionen zusammen, um dieses Mal vor allem den Nutzen und die Notwendigkeit von Health Ecosystems zu diskutieren.

 

Plenum Life Science meets Digital
"Sharing for better health" - Das Netzwerktreffen "Life Science meets Digital"

Dr. Andreas Amann (Detecon) und Dirk Natho (T-Systems) gründeten die Veranstaltung 2013 noch unter dem Namen „Pharma meets Telco“, seitdem findet das Event zweimal jährlich an wechselnden Orten statt. „Ziel ist es, die Qualität der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung mithilfe von digitalen Lösungen zu verbessern“, so Andreas Amann, Partner & Leiter des Sektors „Pharma & Health“ bei Detecon, in seinem Vortrag, der zu Beginn der Veranstaltung ins Thema einführte: „Building Health Ecosystems – sharing for better health“.

Andreas Amann und Dirk Natho

„Wie überzeugen wir Patienten, neue Services wirklich zu nutzen? Indem wir berücksichtigen, dass sich eben auch die Patienten in Ökosystemen bewegen und nicht nur eine einzige Lösung nutzen werden“, so Amann weiter. Ökosysteme würden sich zudem dadurch auszeichnen, dass sie vorwettbewerbliche Funktionen wie auch Wettbewerbsmerkmale miteinander vereinen. „Es macht wenig Sinn, dass jeder seine eigene Abrechnungslösung oder sein eigenes Consent Management baut“, betonte Amann. „Effizient und patientenzentriert ist es vielmehr, auf Resource Sharing zu setzen.“

„Ein Smart Hospital braucht Leader und keine Bosse“

In der ersten Keynote veranschaulichte Prof. Dr. Jochen A. Werner, Chef des Universitätsklinikums Essen, wie das Smart Hospital der Zukunft aussehen könnte. Beispielhaft schilderte er hierzu den aktuellen Aufbau eines digitalen Service- und Informationscenters. Es soll als Kommunikationsportal den Patienten und Angehörigen dienen und in der finalen Ausbaustufe die gesamte Klinikhierarchie und den Zugriff in die elektronische Patientenakte umfassen. Weiterhin wird ein Data Trust Center aufgebaut, das auf höchstem Sicherheitsniveau den Transfer von qualitativ hochwertigen Diagnostikdaten aus unterschiedlichen Fachbereichen in einen Forschungspool sicherstellt.

Prof. Dr. Jochen Werner, Chef des Universitätsklinikum Essen

„Pflegetätigkeiten fokussieren aktuell viel zu sehr auf Dokumentationspflichten“, kritisierte er. „Digitale Prozesse ermöglichen es dagegen, sich deutlich mehr dem Patienten zu widmen“, so Professor Werner. „Während sich die Medizin, etwa durch funktionelle Bildgebung in der Radiologie, in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, steckt der Betrieb in Krankenhäusern oft in schwerfälligen Strukturen fest. Die Gefahr besteht, dass diese Schere weiter auseinandergeht“, mahnte Prof. Werner. „Ein Smart-Hospital-Konzept muss zuallererst die Krankenhauskultur und die meist zugespitzte Hierarchie adressieren. Ein Smart Hospital braucht Leader, keine Bosse! Das wichtigste Ziel ist daher, die Bedürfnisse der Patienten, ihrer Angehörigen und die der eigenen Mitarbeiter ernst zu nehmen und zu verbessern.“

Oliver Müller (Detecon) moderiert Experten-Panel "The Patient and the Healthcare Provider Perspective"

Vorträge und Diskussionsrunden wechselten sich ab. Im ersten von drei Experten-Panels, das von Dr. Oliver Müller, Partner im Bereich Pharma & Health von Detecon (ganz rechts im Bild), moderiert wurde, diskutierten (v.l.n.r) Prof. Werner (UK Essen), Dr. Christoph Meyer-Delpho (T-Systems), Uwe Diegel (healthbank) und Dr. André T. Nemat (Univ. Witten-Herdecke). Die Expertenrunde war sich einig darüber, dass Patientendaten einen enormen Wert für die medizinische Forschung darstellen und daher für diese nutzbar gemacht werden sollten. Dazu könne ein offenes digitales Health Ecosystem, an dem sich verschiedenste Firmen und Institutionen aus den Bereichen Health und ICT gemeinsam beteiligen, wesentlich beitragen. Gleichzeitig müsse der Patient im Mittelpunkt stehen und stets die volle Kontrolle und Transparenz darüber haben, mit wem er seine Daten teilt und was damit geschieht. „Wir dürfen nicht vergessen: der Patient selbst ist in den allermeisten Fällen bereit, seine Gesundheits- und Krankheitsdaten zu teilen, solange er weiß, wofür er sie zur Verfügung stellt und welchen Nutzen er dadurch erwarten kann“, sagte Uwe Diegel von healthbank

Moderator Dr. Lutz Groh (InDIG e.V., ehem. Bayer AG), Thomas Kleine (Pfizer), Damjan Stamcar (Sony) und Birgit Fischer (vfa)

Die Perspektive der Industrie nahmen in der nächsten Diskussionsrunde (v.l.n.r.) Moderator Dr. Lutz Groh (InDIG e.V., ehem. Bayer AG), Thomas Kleine (Pfizer), Damjan Stamcar (Sony) und die frühere Gesundheitsministerin von NRW und heutige Hauptgeschäftsführerin des vfa (Verband forschender Arzneimittelhersteller), Birgit Fischer, ein. „Neue Digitalprozesse im Gesundheitswesen lassen sich nicht „stand-alone“ etablieren. Alle Akteure sind gefragt, aufeinander zuzugehen und sich auf ein völlig neues Zusammenspiel einzulassen. Es gilt auch, gemeinsam mit der Politik Strategien und Zielbilder zu entwerfen sowie systematisch und über Regionen hinweg Experimentierräume für Digitalinnovationen zu eröffnen“, so Birgit Fischer.

„Als Forschungsunternehmen nehmen wir digitale Medizintechnologie definitiv nicht als disruptives Bedrohungsszenario wahr,“ betonte Thomas Kleine von Pfizer. „Grundsätzlich sind Innovationen im Sinne des Patienten zu begrüßen. Wir wollen unsere traditionellen Aktivitäten vielmehr mit digitalen Lösungen und Geschäftsmodellen anreichern“, so Kleine weiter. Er sieht digitale Herausforderung als Chance und Anstoß für Veränderungen: „Es geht dann darum, sich gut aufzustellen, damit wir in einem Ökosystem konstruktiv etwa mit einem Startup interagieren können.“

„Wenn wir daran denken, dass Tabletten bald im 3D-Druck entstehen können, muss die Pharmabranche natürlich umdenken“, gab Damjan Stamcar von Sony zu bedenken. „Healthcare-Services werden die reine Arzneimittelherstellung und -versorgung über früher oder später also sicher ergänzen müssen. Und viele davon werden digital gestützt sein“, so Stamcar.Vernetzende Aspekte stellte auch Mark Düsener, Leiter der Portfolio Unit „Health“ bei T-Systems, in seiner Key Note „Life is for Sharing“ in den Mittelpunkt: Er erläuterte wichtige Aktivitäten der Telekom-Gesundheitssparte wie etwa den Rollout-Start der Telematik-Infrastruktur in die Arztpraxen oder das die Demenzforschung unterstützende Virtual-Reality-Spiel „Sea Hero Quest“. Zudem warb er für die Sharing Economy und hob wesentliche Prinzipien hervor, die es dabei zu beachten gilt, nämlich Kunden- bzw. Patientenzentrierung sowie Sicherheit und Vertrauen.

Uwe Diegel (lifeina), VR-Demo doob, Uri Basanov (Mellitus Health), Damjan Stancar (Sony)

„Ideas worth sharing“: Zwischen den Diskussionen wurden den ganzen Tag über in kurzen Pitches zahlreiche, konkrete Ideen und Initiativen für die Gesundheitsbranche vorgestellt: So stellte Uwe Diegel, CEO of Lifeina, das Produkt einer kleinen Kühlbox vor, die es Nutzern ermöglicht, an alle Orte zu reisen und dabei ihre Medikamente jeweils auf der genau richtigen Temperatur griffbereit aufzubewahren. Vladimir Puhalac, Geschäftsführer doob group, präsentierte die Möglichkeiten von Virtual Reality, mittels persönlicher Avatar-Abbilder Ärzte und Patienten auch über weite Entfernungen hinweg in virtuellen Räumen zusammenzubringen, um etwa Präventionsmaßnahmen oder EKG- oder Schlafdaten zu besprechen. Die Fortschritte in der Virtual-Reality-Darstellung, insbesondere in der Echtzeit-Darstellung der Mimik und Gestik von Personen, eröffnen hier ganz neue Dimensionen und ermöglichen eine äußerst reelle, visuell und auch emotional nahbare Gesprächserfahrung. Uri Basanov von Mellitus Health, Inc. erläuterte wiederum eine Softwarelösung, die es Ärzten ermöglicht, Insulindosierungen besonders präzise zu steuern. Und Damjan Stamcar von Sony stellte eine Medical-Tracking-Lösung vor, die Klinikpersonal dabei unterstützt, den Standort von medizinischen Geräten wie Ultraschall- oder Patientenmonitoren, aber auch von Rollstühlen und Betten jederzeit und schnell festzustellen.

Blockchain könnte Gesundheitskosten senken

Die internationale Perspektive von Health Ecosystems erörterten Prof. Dr. Michel Goldman (I3Health), Uwe Diegel (Lifeina) und Prof. Dr. David Matusiewicz (FOM Hochschule für Ökonomie und Management) in einer abschließenden Diskussionsrunde. Prof. Goldman, ehem. Executive Director der IMI (Innovative Medicines Initiative der EU) hatte zuvor in einer weiteren Key Note zahlreiche Ansätze der Patienteneinbeziehung, etwa über Wearable Devices, skizziert. Diese würden auch schon bei Prävention und Gesundheitsförderung durch die gewonnenen Daten wichtige Impulse zur Unterstützung liefern. 

Prof. Dr. Michel Goldman (I3Health), Uwe Diegel (Lifeina) und Prof. Dr. David Matusiewicz (FOM Hochschule für Ökonomie und Management)

„Der leichteste Weg, im Gesundheitswesen Geld zu sparen, ist es, eine effektivere Gesundheitsvorsorge zu ermöglichen“, so Goldman. „Gerade chronische Krankheiten werden zwar gut behandelt, aber selten geheilt. Dies macht Vorbeugung umso wichtiger.“ Indem immer mehr digitale Hilfsmittel wie Smart Watches oder Digitalstethoskope ermöglichen, erste Anzeichen von etwa Herzrhythmusstörungen selbst zu indizieren, führe dies die Wirkung einer gesunden Lebensweise umso eindrücklicher vor Augen. Doch die digitale Lebenshilfe geht noch weiter: In den USA wurde bereits die erste Tablette mit digitaler Sensortechnologie zugelassen, die Ärzte darüber informiert, ob sie tatsächlich geschluckt wurde. Dies würde nicht nur die Therapietreue verbessern, sondern auch Gesundheitskosten reduzieren. Und weiter senken ließen sich letztere – noch ein Beispiel von Prof. Goldman – wenn die Blockchain-Technologie bei Anwendungen zur Durchführung von klinischen Studien eingeführt werden würde.  

Beim Blick in die Zukunft von Moderator Dirk Natho gefragt, wie er den Stand der Sharing Economy im Gesundheitssektor beurteile, antwortete Prof. Matusiewicz: „Denkbar ist künftig ein Zeitalter der Sharing Economy, wo Patienten sich den Wert ihrer eigenen Gesundheitsdaten vor Augen führen und diese gegen Leistungen eintauschen oder gar mit ihnen bezahlen. Dies könnte gerade aus internationaler Perspektive der nächste Schritt sein. Viele Menschen in unterentwickelten Ländern haben wenig Geld, aber sie haben Gesundheitsdaten.“ 

Nicht nur bei der letzten Diskussion kam der Austausch mit dem Publikum nicht zu kurz. Zahlreiche Fragen, wie etwa nach einer wirksamen Incentivierung gesunder Lebensweisen, und Anregungen zeigten, wie groß Potenzial und Interesse an digitalisierter Gesundheitsvorsorge sind.  Austausch und Vernetzung gehen weiter: Die nächste Life Science meets Digital (#11) wird voraussichtlich im März 2019 stattfinden.

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