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12.02.2019

Asian German Digitization Platform: Beispiel einer Sharing Economy

#RebuildingEuropeMagazin
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Asian German Digitization Platform

Asian German Digitization Platform: Beispiel einer Sharing Economy

Durch die digitale Transformation ergeben sich neue Prinzipien der Zusammenarbeit. Plattformen, auf denen Informationen geteilt werden können, ermöglichen neue Geschäftsmodelle – über Ländergrenzen hinweg. Für die Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien bietet die Sharing Economy an dieser Stelle viel Potenzial.

Wir stehen am Beginn der vierten industriellen Revolution. Auslöser dieser Revolution ist die Konvergenz verschiedener Welten: die Vermischung von physischen, digitalen und biologischen Sphären. Durch neue technologische Errungenschaften wird die digitale Transformation ermöglicht, welche sich in neuen Formen der Zusammenarbeit niederschlägt. Die „Sharing“-Ökonomie ist eine dieser Entwicklungen. Sie funktioniert über Plattformen, deren wesentliches Prinzip der Austausch von Informationen ist. Aus diesem Sharing-Prinzip wurden und werden disruptive Geschäftsmodelle entwickelt, die die marktbeherrschende Stellung einzelner Unternehmen und sogar ganzer Industrien innerhalb weniger Jahre zunichtemachten. Prominente Beispiele hierfür sind Youtube (2005), AirBnB (2008) und UBER (2009).

ASIEN PROFITIERT VON DER DIGITALEN TRANSFORMATION

Die technologischen Neuerungen beflügeln auch den wirtschaftlichen Aufschwung in vielen Entwicklungsländern Asiens. Asien ist darüber hinaus von einem starken Anstieg des Konsums gekennzeichnet. Hier die Fakten:

  • Katalysator demographische Entwicklung: Über 50 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre.
  • Faktor Masse: Zwei von drei Menschen leben inzwischen in Asien, insgesamt sind es 4,5 Milliarden Menschen.
  • Aufstrebende Schicht: Hunderte von Millionen von Menschen streben aus Niedriglohn-Verhältnissen in besser bezahlte Arbeitsverhältnisse, die Mittelschicht in diesen Ländern wird größer und größer.
  • Pro-Kopf-Einkommen in Asien: Im Jahr 2000 lag das Pro-Kopf-Einkommen noch durchschnittlich bei 961 US-Dollar pro Kopf, in 2018 ist es bereits auf 7.400 US-Dollar pro Kopf gestiegen. Allerdings liegt es immer noch weit unter der Grenze, die nach OECD-Standard für die Definition eines entwicklungshilfewürdigen Landes herangezogen wird.
  • Globale Bedeutung: Staaten wie Indien und China sind heute treibende Volkwirtschaften. Die FORBES 500 Liste zeigt, dass immer mehr asiatische Konzerne in den globalen Wettbewerb eintreten und nach einer Führungsposition in der Weltwirtschaft streben.

Asien hat auch beim Thema Innovationen deutlich aufgeholt. Die Zahlen der Patentanmeldungen explodieren und haben Dimensionen erreicht, die ein vierfaches von dem darstellen, was in den USA und in Europa an Anmeldungen erfolgt. Die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Wachstumsraten der nächsten Jahrzehnte sind von der Digitalisierung gekennzeichnet. Technologien wie das Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz (AI), Robotics, Edge Computing oder Blockchain sind nur ein paar Beispiele, die erheblichen Einfluss auf viele Industrien haben werden.

EUROPA UND ASIEN KÖNNEN ÜBER PLATTFORMEN GEMEINSAM PROFITIEREN

In Asien genießen deutsche und europäische Unternehmen wie AXA, Bayer, NOKIA, Robert Bosch, sanofi, SIEMENS, SAP, TOTAL, Deutsche Telekom, Daimler, Unilever, UBS und AIRBUS ein hohes Ansehen. Diese gelten als vertrauenswürdige Geschäftspartner. Maschinenbau, Chemie und Autos haben einen exzellenten Ruf. Der deutsche Mittelstand mit seinen Hidden Champions trägt erheblich dazu bei. Dies in ein kollaboratives Modell im Rahmen der digitalen Transformation einzubringen, kann ein erhebliches Potential freisetzen.

Erfolgreiche digitale Transformation setzt neue Formen der Partnerschaften von Unternehmen auch über Ländergrenzen voraus. Europa und Asien haben viele Möglichkeiten, über Plattformen gemeinsam an der digitalen Transformation zu partizipieren. Diese Technologieplattformen, die über das Smartphone einfach zu nutzen sind, bringen Menschen, Vermögenswerte und Daten zusammen und schaffen so völlig neue Möglichkeiten, Güter und Dienstleistungen zu konsumieren.

ENTSTEHUNG EINES NEUEN ÖKOSYSTEMS

Aus diesen Grundüberlegungen heraus ist das Konzept der „Asian German Digitization Platform“ entstanden. Die Plattform soll sich diese Entwicklungen zunutze machen und darüber hinaus ein Ökosystem schaffen, dass die Interessen deutscher, europäischer und asiatischer Unternehmen miteinander verbindet und kollaborativ weiterentwickelt. Bei der hier vorgestellten „Asian German Digitization Platform“ erfolgt dies über:

  1. Schaffung eines Investment Funds:

Ziel dieses Funds mit Sitz in Singapur ist ein klar umrissener Investitionsauftrag –  Finanzziele und Rendite haben oberste Priorität! –, um die Digitalisierungsbestrebungen deutscher Unternehmen über Beteiligungen innerhalb der asiatischen Startup- und Innovationsszene zu realisieren. Die Investoren der Plattform sollen somit einen umfangreichen Zugang zu den asiatischen Akteuren der Tech Hotspots bekommen. Die General Partner des Funds sollen sich aus lokal verankerten Fund Managern rekrutieren und um versierte Manager aus Deutschland ergänzt werden. Die deutsche Wirtschaft profitiert hiervon, indem durch das vorhandene Deal Flow Sourcing Innovationsführer in der Region identifiziert werden und so eine frühzeitige Vernetzung (Connectedness) mit den entsprechenden Startup-Unternehmern und Investoren entsteht. Über den Fund können sich dann die Partnerunternehmen aus dieser „Portfolio Auswahl“ das passende Startup für ihre Aktivitäten in der Region aussuchen, sei es, um eine Kooperation einzugehen oder um eine Übernahme durchzuführen. Hierbei stellt die Plattform die Brückenfunktion her. Vorgespräche mit Industriepartnern und Finanzinvestoren haben bereits stattgefunden und gezeigt, dass es reges Interesse an diesem Konzept gibt. Es reduziert das Risiko des Einzelnen stark, was ideal ist für Unternehmen aus dem Deutschen Mittelstand. Kernstück dieses Funds wird die von Redstone Digital entwickelte Datenbank sein, die auf einer Maschine-Learning-Technologie basiert und den Deal Flow Sourcing Prozess automatisiert. Redstone Digital hat das Venture Capital Business als Venture Capital as a Service (VCaaS) Konzept entwickelt und bereits seine Dienste für diesen Fund angeboten.

  1. Ausbau einer Business Exchange Plattform:

Dieser Teil der Plattform verbindet die Experten und die Entscheidungsträger der Partnerunternehmen über regelmäßigen Austausch zwischen allen Beteiligten. Ziel hierbei ist es, Unterstützung und Zugang in das jeweilige Ökosystem zu schaffen. Damit sollen die Nachfrage („Demand“) an Informationen für die Entwicklung des Geschäftes des jeweiligen Partners transparent gemacht werden, aber auch die Pipeline („Supply“) an Startups und Technologien aufgedeckt werden, die hierzu beitragen können. Dieser Austausch soll nicht nur neues Geschäft ermöglichen, sondern auch Beratung von Partnern und gemeinsame Initiativen mit anderen Markteilnehmern – Institutionen wie Universitäten und staatliche wirtschaftsnahe Behörden – fördern, so zum Beispiel die Entwicklung von Maßnahmen zu Smart City für Megacities in Asien. Dadurch wird unter anderem ein positiver „Brand Recognition“-Beitrag erzielt. Die Zusammenarbeit aus deutscher Sicht soll den lokalen „Grip“ verstärkt nutzen. Dies schafft für alle Beteiligten Mehrwert.

  1. Aufbau eines New Work Accelerators:

Der verstärkte Austausch auf dieser Plattform soll auch die Möglichkeiten zur Entwicklung von Co-Innovationen über Unternehmen (Corporates & Startups) und Industrien hinweg ermöglichen. Dabei wird auf das Partnernetzwerk zurückgegriffen, das in Co-Working- Projekten zusammenarbeitet, die sich im Verbund der Beteiligten als Geschäftsmöglichkeiten herauskristallisiert haben. Ziel ist es, schnell Prototypen zu entwickeln und einen „Proof of Concept“ der Idee durchführen zu können. Diese Konstellation soll gleich am Markt vor Ort ausprobiert werden. Das funktioniert am besten, wenn sich die Interessenten auf unterschiedlichen Stufen in der Wertschöpfungskette der Geschäftsidee befinden. Dadurch werden Interessenkonflikte vermieden.

KULTURWANDEL ALS ERFOLGSVORAUSSETZUNG

Die Kombination dieser Bausteine zur „Asian German Digitization Platform“ schafft eine einzigartige Symbiose, die den Akteuren ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Der Erfolg steht und fällt mit dem Wandel in der Arbeitskultur, der durch die digitale Transformation eingefordert wird.

Diesen Kulturwandel in deutschen Unternehmen zu meistern, wird die eigentliche Herausforderung der Beteiligten, denn Hierarchien und die Größe von Unternehmen sind hier nicht entscheidend. Vielmehr sind die Schnelligkeit der Entscheidungen und die Umsetzung erkannter Geschäftsmodelle maßgebend für den Erfolg. Auch dies ist eine Auswirkung der digitalen Transformation, die keinen Stopp vor Organisations- und Ländergrenzen macht.

 

Über die Autoren:

Augusto Pellarini begann seine Karriere vor über 20Jahren in der Consulting-Branche bei Arthur Andersen. Seit 2002 arbeitet er für die Deutsche Telekom AG und war dort zunächst bei T-Mobile International im M&A- Bereich für Cross-Border-Transaktionen zuständig. 2009 wurde er zum CFO einer DTAG-Beteiligung mit Sitz in Bengaluru (Indien) und Washington, D.C. berufen. Seit 2017 koordiniert er die digitale Transformation des Vorstandsbereiches Datenschutz, Recht und Compliance (DRC) in Bonn und leitet in dieser Funktion auch alle IT-Aktivitäten des DRC Vorstandsbereiches. Hier setzt er sich insbesondere für den kulturellen Wandel ein, den die Digitalisierung erfordert. Er arbeitet zudem mit Early Stage Startups in den USA, Indien und Europa zusammen, um seine Erfahrungen als Mentor und Angel Investor weiterzugeben.

Augusto Pellarini
Augusto Pellarini

Stefano Gurciullo ist Partner und Head of Technology bei Redstone, einer in Berlin ansässigen Venture Capital-Firma, die mit mehreren Corporate Venture Funds arbeitet. Zuvor war er bei Arabesque tätig, einem Public Equity Fond, der mit quantitativen Methoden Unternehmen mit positiven ESG-Dimensionen identifiziert und unterstützt. Stefano hat am University College London in den Themen Künstliche Intelligenz und Finanzen promoviert und mit der italienischen Regierung sowie der Bank of England in Fragen der Finanz- und Datenwissenschaft zusammengearbeitet. Er ist ein Global Shaper des Weltwirtschaftsforums.

Stefano Gurciullo
Stefano Gurciullo

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Die Welt durchläuft aktuell einen Technologieschock. Der Auslöser, die Digitalisierung, definiert die Parameter des wirtschaftlichen Handelns neu und verändert ganze Gesellschaften. Die Treiber unseres globalen Wirtschaftssystems gehen unterschiedlich damit um. Das Modell Silicon Valley aus den USA setzt auf kreative Zerstörung, das heißt digitale Plattformen mit globaler Reichweite entstehen neu in Konkurrenz zu den etablierten Unternehmen. Das chinesische Modell dagegen basiert auf einem staatlich massiv protegierten Heimatmarkt und erweist sich aktuell wirtschaftlich als besonders wettbewerbsstark.

Wie bewegen sich Deutschland und Europa zwischen diesen beiden dominanten Digitalmodellen? Es gibt Anzeichen, dass sich ein eigener „Europäischer Weg“ ausbildet. Spitzentechnologie und Sprunginnovation, ursprünglich die Grundlagen unserer etablierten Industrie, sind auch heute wieder die zentralen Schlüsselkompetenzen, in die wir all unsere Kräfte investieren müssen.

Diese Ausrichtung bestärkten auch unsere Kunden und Geschäftspartner auf der Premiere des Detecon Red Carpet Events im September 2018. Die Essenz dieses "Europäischen Weges" haben wir für Sie im Magazin Rebuilding Europe zusammengetragen.

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