21.01.2020

Level UP! Leading Agile

Interview mit Christina Schulte-Kutsch, Deutsche Telekom

Bei levelUP! „Leading Agile“ handelt es sich um ein Entwicklungsprogramm für Executives, das Führungskräfte der Deutschen Telekom bei der Bewältigung der Herausforderungen im digitalen Zeitalter unterstützt. levelUP! ist allerdings kein klassisches Trainingsangebot. Initiatorin Christina Schulte-Kutsch, Vice President Leadership Development & Culture, sagt: "levelUP! soll als nachhaltiger Impulsgeber in erster Linie Mut machen, Neues auszuprobieren – und bei den Führungskräften Begeisterung für Veränderung und Transformation wecken."

Detecon: Wofür steht das Programm levelUP! und wie funktioniert es?

Das Programm besteht aus drei Elementen: dem E-Lab (einem zehnwöchigen Onlinekurs), dem levelUP! Summit (einem großen Face-to-Face Event) und den Deep Dives (einem umfangreichen Trainingsangebot in verschiedenen Themenfeldern), damit die Teilnehmer ihre individuelle agile Reise bestmöglich auf die spezifischen Anforderungen ihres Geschäftsumfelds und ihrer Teams ausrichten können.

Nachhaltig ist das Programm, da wir die verschiedenen Inhalte zu „Agilität“ über verschiedene Lernformate nicht nur vermitteln, sondern auch eine enge Verbindung zum unternehmerischen Alltag sicherstellen: Führungskräfte diskutieren das Erlernte in virtuellen Peergroups mit Kollegen und mit levelUP! Coaches, der Schwerpunkt liegt aber auf der Zusammenarbeit und Implementierung neuer Arbeitsweisen gemeinsam mit den eigenen Teams. So besteht das Lernen nicht nur aus Reflektion und Input, sondern es gibt zahlreiche interaktive Elemente wie Team oder das Ausprobieren und Diskutieren konkreter agiler Führungsmethoden.

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit levelUP! wollen wir Führungskräfte der Deutschen Telekom befähigen, die eigene Transformation ihres Bereichs aktiv in Zusammenarbeit mit ihren Teams auszugestalten.

Das Konzept levelUP! ist dabei nicht neu – erstmalig eingeführt haben wir das Programm in 2017, damals mit dem Themenschwerpunkt Ambidextrie und dem Slogan „leadership for tomorrow“.

Dieses ist und bleibt für mich die Kernbotschaft von levelUP!: Wie gestalten wir aus dem Jetzt die Zukunft? Wie sieht die Führung der Zukunft aus? Und wie können wir unsere Führungskräfte dabei unterstützen, die Zukunft aktiv zu gestalten?

Letztlich sind die Inhalte von levelUP! darauf ausgelegt, Handlungsempfehlungen und Ideen zu geben, wie Führungskräfte gemeinsam mit ihren Teams die digitale Transformation gestalten können. Wir wollen dabei keinen definierten Weg vorgeben – im Mittelpunkt steht das Aufzeigen neuer Ansätze, so dass TeilnehmerInnen die für sie bestmögliche Strategie eigenständig gestalten und umsetzen können.

‚Leading Agile‘ lautet der diesjährige Schwerpunkt von levelUP! Welche Kompetenzen erwerben die Führungskräfte der Telekom im Zuge des Programms?

Der Startpunkt im Programm ist zunächst einmal die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses von Agilität. Denn die individuellen Assoziationen zu Agilität variieren stark: Bedeutet agiles Arbeiten, dass wir SCRUM, Check-Ins und Sprints machen? Wann und in welcher Weise ist agiles Arbeiten überhaupt sinnvoll? Eine allgemeingültige Definition des Themas fehlt – daher ist es wichtig, dass wir dieses für uns als Konzern gemeinsam definieren und dadurch Orientierung geben.

Neben einer Einführung in das Thema Agilität beschäftigen wir uns im Programm stark mit Fragestellungen rund um das Thema Leadership Mindset, also einem sehr grundlegenden Thema. Gleichzeitig möchten wir den TeilnehmerInnen aber auch konkrete Tools und Maßnahmen an die Hand geben, die sie in ihren Teams nutzen können.

Ein Beispiel hierfür ist der Loop, ein Modell der Unternehmensberatung „The Dive“, der die Selbstorganisation von Teams in den Mittelpunkt stellt. Der Loop nimmt knapp die Hälfte des E-Labs ein und zeigt Führungskräften und Teams auf, wie sie anders arbeiten können. Die TeilnehmerInnen und ihre Teams haben den Freiraum, ihren Agilisierungsgrad selbst zu bestimmen.

Agilität ist für uns nicht der eine standardisierte Prozess, vielmehr sollen agile Tools und Methoden Teams gezielt helfen, besser zu werden. Wir möchten daher nicht den gesamten Konzern agil aufstellen, sondern nur Veränderungen herbeiführen, die einen Unterschied machen.

Wir beschäftigen uns daher auch mit der Frage, wie in einem Konzern wie der Deutschen Telekom AG agile und klassische Organisationseinheiten zusammenarbeiten können. Hier braucht es einmal mehr das Verständnis und die Akzeptanz für unterschiedlichen Arbeitsweisen, denn nur so kann man als Gesamtkonzern letztlich seine Ziele erreichen.

Führung und Agilität – widerspricht sich das nicht? Oder anders: Braucht Agilität überhaupt Führung?

Einen Widersprich erkenne ich nicht – ganz im Gegenteil: Insbesondere in agilen Strukturen ist Führung auch weiterhin notwendig. Allerdings ändert sich die Rolle der Führungskraft in agilen Welten. Künftig braucht es einen Moderator, einen Enabler und Gestalter der agilen Transformation.

Die Führungskraft setzt den Rahmen, gibt Orientierung, strukturiert Verantwortungsbereiche und sorgt dafür, dass Aufgaben mit den besten und qualifiziertesten Menschen besetzt werden. Die agile Führungskraft stellt sicher, dass eine agile Arbeitsweise innerhalb der Teams auch tatsächlich möglich ist, dass dem Team der Freiraum in der Organisation gegeben wird.

Und wie bereits gesagt – wir gehen nicht davon aus, dass alle Bereiche in der gleichen Art und Weise agil arbeiten, so dass dem Schnittstellenmanagement zwischen den verschiedenen Welten eine besondere Rolle zukommt.

Wodurch zeichnet sich die Führungskraft von morgen aus?

Ich bin überzeugt davon, dass die Anforderungen an eine Führungskraft von morgen gar nicht so viel anders sind als an eine Führungskraft von heute und auch von gestern. Denn gute Führung hat sich schon immer durch Elemente wie beispielsweise Partizipation, Authentizität und Wertschätzung ausgezeichnet.

Auch in klassischen Arbeitswelten war und ist das das Fundament von guter Führung. In agilen Welten verändert sich lediglich der Schwerpunkt hin zu mehr Vertrauen und Empowerment in das Wissen und die Expertise des Teams, die Selbstorganisation des Teams steht im Mittelpunkt.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Führungskraft nicht mehr zwangsläufig Experte ist, sondern sich bewusst zurücknimmt und die Rolle des Moderators und Coaches ausübt.

Das Programm beginnt mit einem zehnwöchigen Online-Kurs. Darauf folgen der levelUP! Summit im September und mehrere Deep Dives. Wann ist levelUP! in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen?

Den offiziellen Abschluss bilden die Deep Dives im Oktober, die zur Vertiefung und Festigung der vermittelten Inhalte dienen. Grundsätzlich ist levelUP! aber nur ein Baustein der agilen Transformation. Wir unterstützen die Führungskräfte auf ihrer agilen Reise, die selbstverständlich auch nach levelUP! weitergeht.

Agiles Arbeiten zeichnet sich durch eine stetige Iteration und Evaluation aus. Dieses gilt natürlich auch für unsere Teilnehmer: die agile Reise endet faktisch nicht.

Unser Ziel ist es, neue Arbeitsweisen aufzuzeigen und Unterstützungsangebote zu liefern, damit es den Führungskräften gelingt, ihren Herausforderungen mit neuen Maßnahmen und frischen Impulsen zu begegnen und letztlich gemeinsam mit ihren Teams zu meistern.

Grundsätzlich ist das Programm dann ein Erfolg, wenn möglichst viele Führungskräfte in ihren Teams und mit ihren Teams gemeinsam neue Elemente und Arbeitsweisen eingeführt haben. Es geht darum, die verschiedenen Elemente von Agilität zu verstehen und Schritt für Schritt neue Sachen auszuprobieren – und die guten traditionellen Methoden beizubehalten.

Im Gegensatz dazu wäre es kein Erfolg, wenn eine Führungskraft dem Team bestimmte Arbeitsweisen schlichtweg verordnet.

Kann man ‚Agilität‘ lernen? Und falls ja, welche Tipps und Tricks sollten andere Unternehmen unbedingt kennen und umsetzen?

Klassischerweise ist „Agilität“ ein schnelles Reagieren auf sich ändernde Rahmenbedingungen – agil ist von Natur aus anstrengend. Trotzdem denke ich, dass man Agilität nicht komplett neu erlernen muss, sondern dass die Begabung dazu jeder von uns von Kindesbeinen an in sich trägt.

Das Problem ist allerdings, dass wir diese Fähigkeit im Laufe unseres Lebens wieder verlernen, denn in vielen Institutionen, darunter das Schulwesen und auch viele klassische Unternehmen, ist agiles Handeln nicht gefragt und wird daher auch nicht gefördert.

Was also tun? Grundsätzlich ist es wichtig, sich mit den Möglichkeiten von Agilität auseinanderzusetzen. Aus unserer Sicht fängt Agilität mit dem Mindset an. Es braucht also eine große Bereitschaft innerhalb der Mitarbeiterschaft, die eigene Einstellung zu hinterfragen.

Natürlich gibt es einige Themen, die vom Unternehmen proaktiv gesetzt werden können: Wie schnell werden Entscheidungen getroffen? Wie viel Verantwortung haben MitarbeiterInnen? Gibt es eine Fehlerkultur?

Bei levelUP! bieten wir viele Möglichkeiten, damit sich die MitarbeiterInnen initiativ einbringen können: Wir gehen mit ihnen in den direkten Austausch, beispielsweise in den offenen Expertensprechstunden.

Denn auch uns ist es ein Anliegen, durch das Feedback der TeilnehmerInnen immer besser zu werden und gezielt auf die sich ändernde Bedürfnisse einzugehen. Die Reise an sich muss dann jeder Mitarbeiter individuell und intrinsisch motiviert auf sich nehmen und mitgehen – mit allen Chancen, Anstrengungen und Möglichkeiten.

Ansprechpartner:

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