Open Banking – Mehrwerte für Versicherungen und ihre Kunden

Die Verzahnung in der Finanzbranche zwischen Banken und Versicherern wird immer enger. Neue Geschäftsmodelle und digitale Services wie das Open Banking verdeutlichen diesen Trend. Wie können Versicherer davon profitie­ren, dass Kunden ihre Finanzdaten sicher weitergeben können? Welche Mehrwerte entstehen für ihre Kunden?

Zwar sitzt in Zeiten von Covid-19 nur noch selten ein Vermittler am Esszimmertisch, im Wohnzimmer oder im Büro eines Selbstständigen. Eines bleibt jedoch auch in dieser Situation gleich: Für eine umfassende Beratung in Finanz- und Versicherungsangelegenheiten ist eine dezidierte Bestandsaufnahme der Vermögens- und Versicherungssituation notwendig. Auch im digitalen Zeitalter werden dafür noch häufig Ordner gewälzt und Kontoauszüge durchforstet. Dabei gibt es schon jetzt eine viel einfachere Lösung: Viele Kunden haben bereits einen Zugang zu einem Log-In ins Online-Girokonto und sind bereit, ihre Finanzdaten mit Versicherern zu teilen.

Die Nutzung von Online Banking ist gang und gäbe – bereits dreiviertel der deutschen Bankkun­den erledigen ihre Bankgeschäfte online (Quelle: Bitkom, 11/2020). Die Nachfrage im Mobile Banking steigt rasant, gleichzeitig werden immer mehr mobile Services angeboten. Digitale Zahlungs­möglichkeiten und auch kontaktlose Zahlungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Über den digitalen Kontozugriff können viele Kundendaten zusammengeführt werden. Darüber hinaus hat der potenzielle Versicherungsnehmer jederzeit die Möglichkeit, diese Daten abzurufen und einzusehen.

Datengestützte Finanz- und Vermögensanalyse

In der Beratung mit einem Vermittler und bei der An­tragsstellung kann das Girokonto als Datenquelle dienen und den Prozess somit beschleunigen. Mittels Online Banking wird über eine datenschutzkonforme Freigabe der Kontodaten eine schnellere Datenaufnahme ermög­licht. Die datengestützte Finanz- und Vermögensanalyse kann so schnell und vollumfänglich die Kundensituation erfassen sowie passende Lösun­gen inklusive Risiko- und Bonitätsprüfungen bieten. Selbstverständlich können auch weitere Faktoren ergänzt werden, die als Zusatzinforma­tionen neben den Kontodaten vorliegen. Kontoinhaber haben stets die volle Kontrolle über den einmaligen oder wiederkehrenden Zugriff auf das Konto und die Datennutzung. So kann die Frequenz und Häufigkeit der Kontodatennutzung individuell für jeden einzelnen Anwendungsfall neu festgelegt werden.

Unterschiedliche Anwendungs­szenarien nach Einsatzgebiet und -zweck sowie Versiche­rungsprodukt sind:

  • Eine einmalige Freigabe der Konto­daten im Rahmen einer Versiche­rungsberatung (zum Beispiel Aufnahme der Risiko- und Finanzsituation)
  • Ein Versicherungsabschluss (bspw. Hausrat, Risikoleben oder private Krankenversicherung etc.)
  • Eine mehrfache oder dauerhafte Nutzung im Rahmen einer Kunden­beziehung (zum Beispiel bei der Verwendung einer Versicherungs-App)

Chancen für Versicherer

Durch diesen digitalen Service wird die Conversion im Beratungs- und Antragsprozess verbessert und eine positive Customer Experience unterstützt. Darüber hinaus können zusätzliche Kategorisierungsmechanis­men individuelle Kunden-Charakteristika abbilden, welche für Cross- und Up-Selling verwendet werden. Für Versicherer wird es möglich sein, durch Marketing Intelli­gence – basierend auf Advanced Data Analytics – lebensverändernde Situationen ihrer Kunden zu erkennen und somit zeitnah sowie bedarfsgerecht neue, ergänzende oder erweiterte Versicherungsprodukte vorzuschlagen. Auch für Bestandskunden ist die Bereitstellung und Verwendung von Informationen über das Girokonto in der lau­fenden Vertragsbetreuung relevant. Hier können immer wieder neue Informationen oder relevante Veränderungen der finan­ziellen Situation automatisch übermittelt werden. Die Kunden erleben dadurch eine maßgeschneiderte Beratung sowie eine individuelle Anpassung an die jeweils veränderten Lebensum­stände und Risikobedarfe.

Der Service kann proaktiv und reaktiv genutzt werden, um die Kundenbindung zu unterstützen. Die aktive Nutzung ermöglicht Versicherungen, auf Basis von Datenanalysen zum Beispiel mögliche Kündigungen seitens des Versicherungskunden zu identifizieren und entsprechende Kundenbindungsmaßnahmen aufzusetzen. Alternativ stoßen Versicherungskunden selbst eine individuelle Beratung an, um passgenaue Angebote zu finden und optimal betreut zu werden. Open Banking trägt dazu bei, durch die Erweiterung der Daten­quellen den Kundenwert zu steigern und die Kundenbindung zu erhöhen – einerseits durch einen verkaufsgetriebenen Ansatz, aber vielmehr durch die proaktive Erkennung von Kundenbe­dürfnissen und deren Erfüllung. Dieser digitale Service unter­stützt eine zukunftsfähige Service- und Beratungsleistung.

Vorteile für Kunden

Interessenten und Antragsteller profitieren von einer einfachen, schnellen und umfänglichen Be­standsaufnahme. Darauf aufbauend können sie sich zusätzlich auf ganzheitliche Finanz- und Vermögensanalysen und passgenaue Lösungsberatungen verlassen. Die notwendigen Informationen werden per Knopfdruck zum Zeit­punkt der Beratung oder zur Erstellung eines Antrags übermittelt. Die Kunden entscheiden selbst über die Freigabe und Nutzung ihrer Daten durch Einwilligungserklärungen und mögliche Widerrufe. Die freigegebene Datennutzung ist für Interessenten und Versi­cherungsnehmer von entscheidender Bedeutung. Genauere Risikoprognosen mittels der bereitgestellten Kontodaten ermöglichen verbesserte Konditionen. Darüber hinaus wird durch die aggregierte Datenaufnahme Zeit gewonnen. So können risikoadäquate Absicherungen frühzeitig identifiziert werden.

In einer laufenden Vertragsbeziehung können Kunden durch eine kontinuierliche Analyse, ausgehend von den Kontodaten, proak­tiv individuelle Vorschläge vom Versicherer zur Optimierung der Vorsorgeleistungen erhalten. So erfährt der Kunde eine bedarfsorientierte Beratung. Durch situative Anpassungen an die Lebensumstände besteht so eine stets optimale Ausgestaltung des Versicherungsschutzes.

Über CRIFBÜRGEL

CRIFBÜRGEL ist einerseits Account Information Service Provider (AISP) – bietet also eine länderübergreifende „as a Service“-Lösung mit einer einzigen Schnittstelle für den Zu­griff auf Girokonten mehrerer Länder an. Des Weiteren stellt CRIFBÜRGEL den Versicherungen die technische Plattform für eine White Label-APP zur Verfügung, die in sich bereits eine Vielzahl von Mehrwerten vereint. Hierdurch kann der Ver­sicherungsnehmer ad hoc auf diverse Services zugreifen, wie z. B. Bankkontenaggregation, Kategorisierung von Einnahmen und Ausgaben, Cashflow-Prognose, Budgetplanung, Erstellung persönlicher Ziele und vieles mehr. Beide Lösungen stellen die Basis dar, Kontoinformationen in unterschiedlichen Prozessen zu verwenden. Diese digitalen Services sind datenschutzrecht­lich geprüft und DSGVO-konform.

Wir danken Christian Rubey von CRIFBÜRGEL für seine Co-Autorenschaft

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