Network Sharing - immer wieder eine Überlegung wert

Die gemeinsame Nutzung von Netzwerken ist kein neues Thema. Es könnte sich jedoch in den kommenden zehn Jahren als das Folgenreichste erweisen, was zu einer kosteneffizienten Infrastruktur und positiven Einsparungen im 5G-Netz in Vorbereitung auf die 6G-Kommerzialisierung beiträgt.

Steigende Investitionen in die Infrastruktur werden

Die gemeinsame Nutzung von Netzen ist in der Telekommunikationsbranche wohlbekannt. Die erste Vereinbarung stammt aus dem Jahr 2001, doch es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis sich diese Option als Strategie zur Bewältigung der Kosten für die Einführung von 4G-Netzen durchsetzte. Als immer mehr Betreiber mit dem Phänomen der "Entkopplung" (d.h. die Kosten wachsen schneller als die Einnahmen) konfrontiert wurden, begannen sie in ihrem Bemühen um die Erhaltung der Kapitalrendite und des Shareholder-Value, Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Netzen zu treffen.

Heute, ein Jahrzehnt später, steht die Branche vor der Einführung von 5G und einem massiven Anstieg der Investitionen in Spektrum, Standortinfrastruktur, neue aktive Geräte und Glasfaser-Backhauling. Branchenexperten haben geschätzt, dass die Brancheneinnahmen zwischen 2010 und 2018 um 27 Mrd. US-Dollar gesunken sind, während Telekommunikationsunternehmen 250 Mrd. US-Dollar in Netzwerke investiert haben. Zwischen 2019 und 2025 wird die Branche weitere 1,4 Mrd. US-Dollar ausgeben, 70 Prozent der Gesamtsumme für die Einführung von 5G (Quelle: Telekoms). Eine strenge Regulierung, die eine Konsolidierung verbietet, führte zu ineffizienten Ausgaben für sich überschneidende Infrastrukturen mit vergleichbarer Qualität. In Europa wurden 5G-Lizenzen an Quereinsteiger vergeben, was den ROI einer Netzinfrastruktur noch unsicherer macht.

Gemeinsame Nutzung des Netzes verbessert die Kapitalrendite erheblich

Um die euphorischen Versprechen von 5G zu erfüllen, prüfen die Betreiber alle Optionen zur Verbesserung der Kosteneffizienz. Hier liegt der Reiz der gemeinsamen Nutzung von Netzen: Es ist billiger und schneller, eine gemeinsame Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben, als zwei oder mehr sich überschneidende Netze, die miteinander konkurrieren. Auf der Capex-Seite sind Einsparungen von bis zu 35 Prozent (Schätzungen von Detecon zur gemeinsamen Nutzung von MOCN für alle Generationen) möglich, vor allem wegen der geringeren Ausgaben für Netzausrüstung und Standortinfrastruktur.

Auf der Opex-Seite können die Einsparungen durch aktive gemeinsame Nutzung 20 bis 35 Prozent betragen, und zwar durch geringere Standortmiete und Stromverbrauch sowie durch Einsparungen bei Betriebs- und Arbeitskosten. Die meisten Synergien ergeben sich zwar aus der gemeinsamen Einführung neuer Netze, jedoch kann die gemeinsame Nutzung von Netzen auch die Belastung durch Altlasten verringern. Vielen Telekommunikationsunternehmen ist es gelungen, ein altes GSM- oder UMTS-Netz abzuschalten und frei werdende LTE-Frequenzen neu zu nutzen. Dennoch sind sie aufgrund gesetzlicher Bestimmungen gezwungen, die verbleibende Schicht am Leben zu erhalten, sei es zur Unterstützung von Notdiensten oder alten Geräten (Feature Phones und alte M2M-Modems) (weltweit gibt es keinen bevorzugten Ansatz). Die Einbeziehung von Altgeräten in ein Sharing-Abkommen könnte den technologischen Verfall beschleunigen und wertvolle Frequenzen freisetzen, insbesondere in den unteren Frequenzbändern, die für die Dienstabdeckung entscheidend sind.

Die gemeinsame Nutzung von Netzen kann sogar das Auftauchen neuer Marktteilnehmer in eine Geschäftsmöglichkeit verwandeln. Der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Greenfield-Bereitstellung von Grund auf, wenn auch in kleinerem Maßstab (wie bei Industrienetzen), erfordert besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten und nicht nur erhebliche Vorabinvestitionen. Neue Marktteilnehmer werden sich vor allem in der Anfangsphase nach Partnern umsehen müssen, der Einführung nach Sharing-Partnern suchen, und dies ist eine Chance für die etablierten Player.

Modell und Engagement in der richtigen Größe sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Sharing-Partnerschaft 

Die gemeinsame Nutzung von Netzen hat mehrere Dimensionen mit einer Vielzahl von Optionen. Es gibt kein Modell, das für alle passt: Jedes Geschäft ist einzigartig in seiner strategischen Absicht, seinem Umfang und seinem Betriebsmodell. Die aktive gemeinsame Nutzung eines kompletten Netzes erzeugt höhere Synergien, ist aber schwierig zu verhandeln, dauert länger und erfordert höhere Vorabinvestitionen in die Integration. Die passive gemeinsame Nutzung ist zwar einfacher zu bewerkstelligen, führt aber möglicherweise nicht zu den erforderlichen Kosteneinsparungen für eine positive 5G Wirtschaftlichkeit zu erzielen, und die meisten Einsparungen werden durch die gemeinsame Nutzung von Geräten erzielt.

Das Engagement in einer Sharing-Partnerschaft hat eine sehr langfristige Wirkung, so dass das richtige Betriebsmodell und die Struktur der Schlüssel zum Erfolg sind. Ein schlecht strukturiertes Geschäft beeinträchtigt die Synergien und verursacht Reibungsverluste. Die Einigung auf das richtige Modell ist ein heikler Balanceakt zwischen strategischer Absicht, finanziellen Vorteilen und geschäftlichen Risikoüberlegungen. 

Die Aushandlung eines Sharing-Abkommens ist komplex und zwei von drei Netzwerk-Sharing-Bestrebungen kommen aufgrund dieser vier Faktoren nicht über das Stadium der Absichtserklärung hinaus:

  1. Interner Widerstand, der vor allem aus der Angst vor dem Verlust eines Wettbewerbsvorteils resultiert.
  2. Scheinbar inkompatible Netzstrategie oder Betriebsmodelle.
  3. Keine Bereitschaft, die Netzkontrolle mit einem Konkurrenten zu teilen.
  4. Unfähigkeit, sich auf eine wahrgenommene Win-Win-Lösung zu konzentrieren.

Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert die volle Unterstützung der CEOs und ihrer Managementteams, die Ausrichtung auf langfristige Ziele und einen kooperativen Ansatz zur Lösungsfindung. Die Einbeziehung einer dritten Partei, insbesondere in einer frühen Verhandlungsphase, kann helfen, die Interessen auszugleichen und das richtige Modell zu entwerfen und gleichzeitig die Vertraulichkeit zu gewährleisten.

Wenn das Interesse an der gemeinsamen Nutzung von 5G-Netzen zunimmt, wird es weniger Möglichkeiten für Partnerschaften geben

Die Erfahrung zeigt, dass größere Vereinbarungen über die gemeinsame Nutzung von Netzen immer dann geschlossen werden, wenn eine neue Technologien eingeführt werden, sodass sich eine dritte Welle von Vereinbarungen über die gemeinsame Nutzung erwarten lässt. Neue Partnerschaften werden gebildet und bereits abgeschlossene Vereinbarungen werden auf die gemeinsame Nutzung des 5G-RAN ausgeweitet. Kosteneffizienz wird auch im nächsten Jahrzehnt (und darüber hinaus) eines der wichtigsten Themen sein, da die Anforderungen an die Netzinvestitionen weiter ansteigen.

Auch wenn wir das Aufkommen von Sharing-Modellen mit mehreren Parteien nicht ausschließen, sind wir der festen Überzeugung, dass bilaterale Partnerschaften weiterhin den Großteil dieser Geschäfte ausmachen werden. In dieser Hinsicht schließt sich das Zeitfenster: Je mehr Partnerschaftsvereinbarungen unterzeichnet werden, desto weniger Optionen bleiben für eigenständige Telekommunikationsunternehmen, um sich Kostenvorteile zu sichern. Da in den nächsten zwei bis drei Jahren ein massiver 5G-Rollout beginnen wird, können Unternehmen die gemeinsame Nutzung von Netzen nicht mehr als strategischen Schritt abtun.

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