Kommunen als Treiber für den digitalen Wandel in den Schulen

Die viel kritisierte Digitalisierung der Schulen kommt in Bewegung: Der DigitalPakt Schule ist mittlerweile auf 6,5 Milliarden Euro Fördermittel von Seiten des Bundes und 500 Millionen von Länderseite angewachsen. Davon sind nach Angaben von Bund und Ländern bis Ende 2020 1,363 Milliarden Euro abgeflossen oder bewilligt worden. Ob der digitale Wandel an den Schulen mit den Fördermitteln gelingt, hängt nun zunehmend von den Schulträgern ab.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 3/21 der Zeitschrift „der gemeinderat“ (www.treffpunkt-kommune.de) erschienen.

Die Schulträger sind für die Ausstattung der Schulen zuständig und somit dafür verantwortlich, die Fördermittel abzurufen und sinnvoll an ihren Schulen einzusetzen. In öffentlichen Debatten richtet sich der Blick zumeist auf die Schulen selbst. Doch die Schulträger stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen Schulen und der sie umgebenden Gesellschaft bei der Gestaltung des digitalen Wandels dar, sei es durch die eigene Verwaltung oder durch die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Bundesland. Dabei verfügen sie oftmals nicht über die personellen Ressourcen und die notwendigen Fachkenntnisse, um die IT-Ausstattung schulgerecht zu planen, rechtliche Aspekte wie den Datenschutz zu klären oder für einen zuverlässigen IT-Betrieb und Support zu sorgen. Insbesondere kleineren und mittleren Gemeinden, denen verglichen mit Landkreisen und größeren Städten weniger Budget und Fachkräfte zur Verfügung stehen, fällt es teilweise schwer, die damit verbundenen Aufgaben zu bewältigen.

Wichtig ist, dass zu Beginn ein strategisches Gesamtkonzept als Fahrplan für die Digitalisierung der Schulen entwickelt wird. Dabei gilt das „Primat der Pädagogik“, wonach pädagogische Ziele, Konzepte und Methoden den Einsatz digitaler Technik bestimmen und nicht umgekehrt. Netzwerk und Server, Präsentationstechnik, Endgeräte und Plattformen müssen zukunftsfest und aufeinander abgestimmt geplant und mit Fortbildungen für Lehrkräfte und einer professionellen IT-Betreuung untermauert werden. Immer wieder kommt es vor, dass digitale Insellösungen, teils mit bedenklichem Datenschutz und nicht integriert nebeneinander eingesetzt werden, die IT-Ausstattung aufgrund fehlender Schulungen nicht vollumfänglich genutzt wird oder sich die beschafften Netzwerkkomponenten nicht zentral verwalten lassen, da sie von unterschiedlichen Herstellern stammen. Darüber hinaus muss die Finanzierung von Ersatzbeschaffungen und Weiterentwicklungen für die nächsten Jahre eingeplant werden.

Folgende drei Punkte können Kommunen als Schulträger jetzt unternehmen, um die Herausforderungen des digitalen Wandels anzugehen:

1.     Die Kommunikation zu den Schulen stärken: An erster Stelle steht die Kommunikation mit den Schulen, um die konkreten Bedarfe und Probleme der Schulleitungen und Lehrkräfte im Schulalltag zu verstehen. Hier empfiehlt es sich, eine feste Ansprechperson in der Verwaltung für die Schulen zu etablieren, die den Überblick über die aktuelle Situation an den Schulen behält und erforderliche konzeptionelle Arbeiten, Neuanschaffungen und Aktivitäten für die Schulen langfristig plant und bündelt. Eine sehr positive Auswirkung davon: Eine einheitlichere IT-Infrastruktur an den Schulen erleichtert den übergreifenden IT-Support und senkt die Kosten.

An vielen Schulen befinden sich Lehrkräfte, die sich Expertise zur Schuldigitalisierung angeeignet haben und eine hohe Motivation mitbringen. Diese gilt es zu identifizieren und in die Planung einzubeziehen. Damit entsteht auch eine kooperative Grundlage für die notwendige Differenzierung bei Betrieb, Service und Support der Schul-IT, denn: Wo bisher vielleicht 80 oder 100 Endgeräte an einer Schule zu betreuen waren steigt die Zahl durch die Förderprogramme leicht auf 200 oder mehr und erfordert zunehmend eine professionelle Unterstützung. Zudem ist der Austausch mit den Schulen wichtig, um Vorbehalte gegenüber dem digitalen Wandel bei Schulleitungen und Lehrkräften abzubauen. Eine ablehnende Haltung begründet sich oftmals durch Ängste vor Veränderung, Überforderung angesichts der Komplexität des Gesamtthemas und mangelndem Wissen bei der Bedienung digitaler Technik. Schulträger können hier auf einer partnerschaftlichen Ebene für Transparenz sorgen, gemeinsam mit den Schulleitungen und Kollegien ein Zielbild entwickeln und sie auf den Weg ins digitale Zeitalter mitnehmen.

2.     Sich mit anderen Schulträgern austauschen: Kleinere Gemeinden können sich informieren, Konzepte und Vorgehensweisen ansehen bei Landkreisen und Städten, die schon fortgeschrittener in der Umsetzung des DigitalPakts sind. Eine naheliegende Überlegung ist auch, dass sich Einzelgemeinden etwa für die Erstellung eines Medienentwicklungsplans auf Kreisebene oder gleich zusammen mit dem Landkreis austauschen und abstimmen oder sogar mit den beteiligten Akteuren gemeinsam für eine ganzheitliche Lösung inklusive eines professionellen IT-Betriebs und Supports sowie der Anwendung von „Best-Practices“ sorgen. Der zu Beginn des DigitalPakts mancherorts feststellbare Hang oder Zwang zu völlig schulindividuell geplanten Lösungen ist heute nicht mehr zeitgemäß und verzögert auch die Digitalisierung.

Die Betreuung der IT-Infrastruktur in den Schulen einer Gemeinde ist nicht zu unterschätzen und zunehmend mit der eines mittelständischen Unternehmens zu vergleichen. Eine grobe Größenordnung von etwa 800 bis 1000 Endgeräten plus Präsentationstechnik etc. in einer 20.000-Einwohner-Gemeinde wird schon bald nicht mehr ungewöhnlich sein. Während es in Unternehmen üblich ist, dass Software automatisch verteilt wird und sich bei Problemen ein Techniker auf den Laptop aufschaltet, kümmern sich in Schulen oftmals Lehrkräfte für einige Entlastungsstunden um die IT. Mit der steigenden Anzahl an IT-Geräten und immer komplexer werdenden IT-Infrastrukturen ist dies nicht mehr leistbar. Aus Kosten- und Effizienzgründen sollte der IT-Betrieb von Schulen mindestens auf Ebene des Schulträgers, eigentlich aber in größeren lokalen oder regionalen Verbünden organisiert werden.

3.     Externe Expertise einholen: Auch wenn der Druck durch die Öffentlichkeit groß geworden ist, sollte ein rasch erstellter Medienentwicklungsplan nicht nur als Mittel zum Zweck dienen, um Fördermittel aus dem DigitalPakt Schule zu erhalten. Vielmehr ist ein umsetzungsorientiertes Gesamtkonzept als Handlungsrahmen für konkrete Anschaffungen, Schulungsmaßnahmen, die Haushaltsplanung und einen zukunftsfähigen IT-Betrieb und -Support zu erstellen. Schulträger fühlen sich angesichts der Angebotsvielfalt und der Komplexität dabei oft überfordert. Daher ist es sinnvoll und oft unter dem Strich auch wirtschaftlich ratsam, für die Konzeption und für die Umsetzung produktneutrale externe Expertise einzubinden, die auf Erfahrungen zurückgreifen und Schulen auch mit neuen technischen Möglichkeiten bekannt machen kann.

Schulträger gestalten den digitalen Wandel maßgeblich mit. Sie sollten den Austausch zu den Schulen, anderen Schulträgern und externen Partnern suchen, um in einer koordinierenden Rolle den Schulen den Weg ins digitale Zeitalter zu ebnen.


Harald Melcher, Managing Partner von m2more, ist Co-Autor dieses Artikels.

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