DETECON Consulting

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Zukunft digitale Supply Chain

Thesen und Zielbild zur Logistik 2030

Die Digitalisierung hat alle Bereiche der produzierenden Unternehmen längst erreicht und mündet im Schlagwort Industrie 4.0. In diesem Zusammenhang rückt die Logistik immer stärker in den Fokus. Logistische Funktionen bieten sowohl auf Planungs- als auch auf operativer Ebene besonders viele Potentiale. Mit Hilfe digitaler Technologien können bestehende Prozesse autonom gestaltet bzw. eingeführt werden.

In den meisten Unternehmen sind Initiativen bereits gestartet und erfolgreich pilotiert worden, um Teilprozesse der Logistik zu digitalisieren. Als prominente Beispiele lassen sich die Einführung von Drohnen zur Auslieferung von Paketen oder die Benutzung von Datenbrillen in der Kommissionierung  – dem sog. Pick-by-Vision anführen. Diese Aufzählung lässt sich noch erheblich erweitern und zeigt, dass sowohl die bereits vorhandenen digitalen Technologien als auch die damit verknüpften Einsatzmöglichkeiten („Use cases“) in allen Bereichen der Logistik Einzug gehalten haben.

Doch wie gestaltet sich das digitale Zielbild einer Logistik 2030, welches die derzeitigen und zukünftigen Technologien zusammenführt und wie sieht der Weg hin zu einer digitalen Transformation der Logistik aus? Das sind aus unserer Sicht die relevanten Fragestellungen, mit denen sich die Unternehmen stärker befassen sollten, um die digitalen Lösungen in der Logistik in der Zukunft auch erfolgreich einzusetzen.

Hierzu hat Detecon drei zentrale Thesen entwickelt, die den Weg der Logistik in das digitale Logistik- Zeitalter vorzeichnen.

These 1: Die Logistikprozesse werden autonom

Auf Grundlage digitaler Produkte, künstlicher Intelligenz und Services sowie einer flächendeckend verfügbaren Hochleistungs-Konnektivität können logistische Prozesse zukünftig vollständig autonom ablaufen. Autonome LKWs transportieren Güter zu den Produktionsstätten und werden gleichzeitig als fahrende Läger genutzt. Autonome Gabelstapler be-/entladen eigenständig mit Wareneingangsprüfung per Kamera. Mobile Roboter übernehmen die Kommissionierung, Drohnen die Belieferung des Bandes mit Kleinteilen. Die operativen Logistikprozesse werden nur noch überwacht.

These 2: Der Logistiker wird zum Datenmanager

Im Mittelpunkt der zukünftigen Tätigkeit eines Logistikers wird das Parametrisieren von Datenmodellen stehen, die mit Hilfe von Algorithmen die autonomen Abläufe in den meisten logistischen Prozessen steuern. Der Logistiker wird auf Grundlage von Supply Chain Strategien Parameter entwickeln und bei Änderungen in der Supply Chain (wie z.B. Änderung der Anlieferstrategie) diese Parameter anpassen.

These 3: Logistik wird zum „vorausschauenden Problemlöser“ in der Supply Chain

Probleme werden erkannt bevor sie entstehen: Vorausschauende Analysen („Predictive“) ermöglichen dem Logistiker auf Basis der Auswertung einer Vielzahl von Quellen und lernenden Systemen Störungen in der gesamten Supply Chain frühzeitig bzw. vorzeitig zu erkennen und steuernd einzugreifen. Mittels künstlicher Intelligenz können bestimmte Muster erkannt und unterschiedliche Szenarien durch das System vorgeschlagen werden. Der Logistiker wählt im Störungs- und / oder Engpassfall – sei es bei der Belieferung von Teilen an das Werk oder an das Band – das optimalste Szenario aus und passt das Datenmodell in Echtzeit zur Steuerung der Prozesse an.

Digitization Framework

Spätestens jetzt ist die Frage zu beantworten: Wie kommt man als Unternehmen auf diesen digitalen Pfad ohne Umwege und Sackgassen? Um die Antwort möglichst strukturiert anzugehen, hat Detecon ein „Digitization Framework“ entwickelt mit Hilfe dessen die Erarbeitung dieses digitalen Pfades in zwei übergeordneten Schritten erfolgt:

  1. Entwicklung eines digitalen Zielbildes – Auf Grundlage der Digitalen Supply Chain Strategie erfolgt die gesamthafte Bestimmung von Anwendungsfällen und benötigter Technologien. Hierzu werden – basierend auf den strategischen Vorgaben – zunächst die zukünftigen Fähigkeiten in der Supply Chain („Capabilities“) abgeleitet. Definiert das Unternehmen als Fähigkeit z.B. autonome Lagerhaltung, müssen Anwendungsfälle definiert und mit den verfügbaren oder zukünftig bereitstehenden Technologien abgeglichen werden. Wird dies flächendeckend über die gesamte Supply Chain durchgeführt, entsteht ein vollständiges Zielbild, das alle notwendigen Anwendungsfälle und Technologien abdeckt.
  2. Umsetzung – Steht das digitale Zielbild, können die notwendigen Leitplanken für die schrittweise Umsetzung hin zu einer digitalen Supply Chain gesetzt werden. Auf Basis des unternehmensspezifischen digitalen Zielbildes kann jetzt entschieden werden, welche Plattform notwendig ist, um möglichst viele Synergien zu heben. Architektur-Silos und die damit verbundenen redundanten Kosten werden damit vermieden. Weiterhin können übergreifende Prozesse geplant und die Supply Chain Organisation inklusive des benötigten Know-hows der Mitarbeiter auf den digitalen Pfad mitgenommen werden.

Die Digitalisierung ist ein Weg den jedes Unternehmen einschlagen muss. Doch wie dieser Weg gestaltet wird, entscheidet darüber, ob die Digitalisierung ein Erfolg wird und somit die Wettbewerbsfähigkeit sichert. Die Supply Chain und das Kernstück Logistik ist einer der wichtigsten Bausteine in der Digitalisierung und bietet die größten Möglichkeiten mit einer Vielzahl neuer Technologien. Daher ist es hier besonders wichtig, zielgerichtet vorzugehen.