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Wird On-Demand Ihr Geschäftsmodell ablösen?

Unternehmen sind gefordert, neue und insbesondere digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln

Kunden fordern heute Produkte und Services, die flexibler, schneller und personalisierter sind als jemals zuvor. Dies beinhaltet auch die Entwicklung hin zu On-Demand Modellen, in denen der Kunde flexibel bestimmen kann, wann und in welchem Umfang er ein Produkt bzw. Service nutzt. In der Folge sind Unternehmen gefordert, neue und insbesondere digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wie beeinflusst also On-Demand das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens? Um Sie bei der Beantwortung dieser Frage zu unterstützen, haben wir das Thema in drei Bereiche untergliedert: Feature On-Demand, Service On-Demand und Asset On-Demand.

Feature On-Demand: Bei physischen Produkten dreht sich alles um die Features. 

In seinen Grundfunktionen unterscheidet sich ein Smartphone – außer in seinem Aussehen – nicht von einem “herkömmlichen” Telefon. Was jedoch den Unterschied macht, sind die zahllosen Möglichkeiten, die für den Nutzer durch App Stores entstehen. Egal ob ein Nutzer einen Flug buchen, einem Freund Geld überweisen oder seine Lieblingsserie während der Fahrt in der Bahn schauen möchte - all diese Möglichkeiten sind jederzeit verfügbar. Folglich hat die Möglichkeit, Features On-Demand zu nutzen, dem Smartphone zu seinem unvergleichlichen Durchbruch verholfen.

Wir beobachten, dass dieser Effekt sich zunehmend auf eine Vielzahl weiterer physischer Produkte ausweitet. Ein Beispiel sind Autositze, bei denen der Nutzer die Massagefunktion jederzeit und zeitlich begrenzt hinzubuchen kann – z.B. auf dem Heimweg nach einem langen Arbeitstag. Auch können Fahrer von Tesla-Fahrzeugen jederzeit Funktionen des Antriebs freischalten, die initial nicht mitgekauft wurden. Damit werden physische Produkte zu einer Software-Plattform, bei denen sich die Wertschöpfung aus dem Ökosystem von Funktionen ergibt, die on-demand in Ergänzung zum Basisprodukt hinzugebucht werden können.

Service On-Demand: Services sind augenblicklich verfügbar.

Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen in den Bereichen E-Mobilität, Smart Devices und Smart Home als Ganzes so wird deutlich, dass Energieversorgung immer mehr zu einem Service wird, auf den Kunden jederzeit und von jedem Ort zugreifen wollen. Breitflächig angelegte Lösungen für die Speicherung von Energie durch Powerbags, Home Batteries oder gar bidirektionale Ladung mittels Elektrofahrzeugen können sicherstellen, dass Energie als Service On-Demand zur Verfügung steht.

Das Konzept von Service On-Demand ist jedoch bei Weitem nicht nur für den Energiesektor relevant. Wir sehen beispielsweise auch vielversprechende Möglichkeiten, die in der Versicherungsbranche entstehen. So ist es heute nicht mehr notwendig, eine Versicherungspolice über mehrere Monate oder gar Jahre abzuschließen. Stattdessen bieten flexible Versicherungsanbieter einen Versicherungsschutz, der sich kurzfristig und situationsgerecht auf wenige Tage oder Stunden einschränken lässt. Somit können Kunden über Apps, wie beispielsweise AppSichern, ihren Versicherungsschutz genau auf ihre aktuellen Bedürfnisse anpassen. Dieser Prozess könnte in der Zukunft sogar weitgehend automatisiert werden, in dem Smart Devices regelmäßig Nutzerdaten zur Versicherung übermitteln, die daraufhin ihren Service entsprechend anpasst.

Asset On-Demand: Der Wertschöpfung von Assets liegt beim Broker, nicht beim Besitzer. 

Im Zusammenhang mit On-Demand-Zugriff auf Objekte erhält das Konzept Asset-as-a-Service hohe Aufmerksamkeit. So bevorzugen beispielsweise viele Menschen während einer Reise in Privatwohnungen zu übernachten, anstatt ins Hotel zu gehen. Airbnb hat diese Idee aufgegriffen und eine disruptive digitale Plattform entwickelt, die Privatwohnungen für Gäste aus aller Welt einfach zugänglich macht. Damit wird der Wert der Assets, die jederzeit von überall und zu jeder nötigen Kapazität gebucht werden können, auf die Plattform getragen.

Im gleichen Zuge gewinnen On-Demand Assets in der Logistikbranche stark an Bedeutung. In einer Welt von Internetbestellungen und Same-Day-Delivery von Einzelprodukten verlangen E-Commerce-Unternehmen mehr und mehr Flexibilität von den Logistikanbietern. Dabei wird der schnelle Zugriff auf Transport-Assets, d.h. beispielsweise Trucks oder Drohnen, deutlich wichtiger als der direkte Besitz, was eine Verschiebung in der Wertschöpfung nach sich zieht. Der Hauptwert liegt nun bei den asset-free Broker-Plattformen, die Kunden mit Bedarf für eine schnelle Warenlieferung und die Besitzer von Transportkapazität zusammenbringen.

Wohin bewegt sich Ihr Geschäftsmodell?

Viele Unternehmen tun sich schwer, die Forderung der Kunden nach On-Demand-Modellen zu erfüllen. Gerade herstellende Unternehmen sind noch auf der Suche nach Ansätzen, um ihre physischen Produkte mit digitalen Fähigkeiten zu erweitern. Versicherungsunternehmen müssen sich mit der Frage beschäftigen, wie und in welchem Umfang sie Kundendaten für On-Demand-Versicherungen nutzen können und dürfen. Und die Logistikindustrie ist gefangen in ihrem existierenden Netzwerk aus Kunden, Forwardern, Transportunternehmen und Distributoren.

Unabhängig von der Branche, in der sich Ihr Unternehmen bewegt, bildet die Unterscheidung in Feature On-Demand, Service On-Demand und Asset On-Demand eine gute Basis, um neue Geschäftspotentiale zu erschließen. Dabei bieten die drei Dimensionen ein besseres Verständnis zukünftiger Geschäftsmodelle – abhängig von Ihrem Fokus: physische Produkte, Services oder Assets.