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Wearable Life Science revolutioniert die Fitness-Welt

Interview mit Gründer Philipp Schwarz

Interview mit Philipp Schwarz, Sportler und Gründer von Wearable Life Science. Sein Unternehmen hat die ANTELOPE Serie entwickelt. Die smarte Sportbekleidung soll gesundheitsbewusste Fitnessfans mithilfe von Elektronischer Muskelstimulation (EMS) bei ihren schweißtreibenden Trainingseinheiten unterstützen.

Detecon: Wofür steht das Unternehmen Wearable Life Science?

Philipp Schwarz: Wir entwickeln und produzieren Wearables (dt.: textile Technik), die das Leben (Life) basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (Science) verbessern. Daher Wearable Life Science. Unser erstes konkretes Produkt ist eine Kleidungsserie zur Elektronischen Muskelstimulation: Die ANTELOPE Serie. Die hilft sportbegeisterten Nutzern dabei, ihre individuellen Fitnessziele in Rekordzeit zu erreichen. 

Detecon: Für wen ist ANTELOPE gedacht? Wer ist eure Zielgruppe?

Philipp Schwarz: Ganz eindeutig: Für jeden, der Wert auf Fitness legt und seinem Leben mindestens zehn weitere gesunde Jahre hinzufügen möchte. 

Detecon: Wie ist die Idee zu eurem Produkt entstanden?

Philipp Schwarz: Zwei Jahre vor Unternehmensgründung  habe ich an einem Langstreckenschwimmen längs durch den Zürichsee teilgenommen. Die Strecke betrug 26 km, allerdings habe ich damals nach etwa zehn Kilometern aufgeben müssen, weil ich kein besonders guter Schwimmer war. Ich nahm mein ernüchterndes Ergebnis zum Anlass, mich zielgerichteter vorzubereiten und beschloss, ein Jahr darauf noch einmal teilzunehmen. Meine Vorbereitungszeit betrug drei Monate, in denen ich zweimal die Woche schwimmen ging. Zusätzlich habe ich einmal die Woche EMS gemacht. Und wie durch ein Wunder habe ich zwölf Stunden kontinuierlichen Kraulens durchgehalten. Ich war sehr beeindruckt, dass ich die 26 km ohne Muskelermüdung geschafft hatte. Da wurde mir klar: Durch EMS ist mehr möglich, als nur den Körper zu formen - man kann tatsächlich Grenzen verschieben und die eigene körperliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Da kam uns die Idee, dass es Sinn ergibt, wenn wir aus EMS ein Produkt entwickeln, das man ohne Umschweife in den Sport integrieren kann. Das war der Anfang von ANTELOPE, also einer Kleidungsserie, die man bei jeder sportlichen Aktivität tragen kann – und die das Fitnessstudio letztlich überflüssig macht. 

Detecon: Wie genau funktioniert die Technik hinter ANTELOPE?

Philipp Schwarz: Wir haben für ANTELOPE eine kompressive Textilie entwickelt, in die wir Elektroden integriert haben. Diese bauen auf Silikonbasis auf und sind über elastische Kabel mit einem Booster verbunden. Der Booster wiederum ist per App steuerbar. Über bestimmte Programme kann ich die Muskeln zwingen, sich zu kontrahieren. Man könnte auch sagen: Wir ahmen das Gehirn nach und wirken auf diese Weise direkt auf den Muskel ein. Durch die sportliche Aktivität arbeitet man dann gegen die Kontraktion an. Und das ist ein ausgesprochen intensives Widerstandstraining, an das man sich unter keinen Umständen gewöhnt ;-)

Detecon: Aus der Nutzerperspektive gefragt: Wie funktioniert die Bedienung? 

Philipp Schwarz: Du kaufst dir das Tank Top und legst es vor dem Workout an. Dann verbindest du die Kabel mit dem Booster. Booster und App werden dann gemeinsam gestartet und via Bluetooth low energy gestartet. Die App bietet eine Auswahl an drei Programmen an. Zum einen ist da die Massagefunktion, bei der Bauch und Rücken massiert werden, um beispielsweise Verspannungen zu lösen. Oder der Nutzer entscheidet sich für ein dediziertes Kraftprogramm, bei dem ein viersekündiger Elektro-Impuls an die Muskeln gesendet wird, gefolgt von einem Pausenintervall. Dazu macht der Sportler dann die vorgegebenen Übungen. Die Hauptanwendung ist ein durchgehender Impuls, der mit jeder Art von Sport verbunden werden kann. Bedeutet konkret: Während des Sports werden Bauch und Rücken nochmal intensiver durch die EMS im Tank Top trainiert. 

Detecon: Habt ihr Patentrechte auf eure smarte Fitnessbekleidung oder wie schützt ihr euch vor Wettbewerbern? 

Philipp Schwarz: Elektronische Muskelstimulation an sich ist nicht neu – bereits vor einigen Jahren hat sie im Bereich des Reha-Sports und in der Medizin Einzug gehalten. Allerdings funktionieren die EMS-Verfahren auf diesen Gebieten anders als diejenigen, die wir nutzen. Wir haben eine Reihe von Patenten: Beispielsweise schützen wir sowohl die Elektrodentechnik, als auch verschiedene Baugruppen im Booster. Besonders und absolut einzigartig sind bei uns die Kleinheit der Gerätschaften, als auch deren mobile Nutzung. Unser Ansatz beschäftigt sich mit der Frage, wie man EMS unmittelbar in den Sport integrieren kann. Außer uns gibt es sonst keinen anderen Anbieter, der das in dieser Konsequenz macht. 

Detecon: Wie vertreibt ihr ANTELOPE? Ich habe gesehen, dass ihr einen Online-Shop habt…

Philipp Schwarz: Korrekt, der Online-Shop ist die eine Sache. Es gibt aber auch noch andere Vertriebsmöglichkeiten. Vor eineinhalb Jahren haben wir über die Plattform „Indiegogo“ eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, mit deren Hilfe bisher mehr als eine Million Euro für die Produktion zusammenkamen. Über die Plattform kann man uns noch heute unterstützen. Parallel haben wir eine Event-Serie, die „Love The Burn“ Workshops, wo man Antelope techwear auch ausprobieren kann. 

Detecon: Setzt ihr bewusst auf exklusive Vertriebswege oder ist es euer Ziel, eure Sportbekleidung mittelfristig auch in handelsübliche Sportläden zu bringen?

Philipp Schwarz: Derzeit verfügen wir nur über ein einziges Lager. Die ganze Organisation inklusive Versand funktioniert bisher nur Online und nicht im Retail. Denn dort hätten wir in jedem Laden noch ein zusätzliches Minilager – derzeit logistisch nicht zu stemmen. Außerdem würden unsere Produkte dann in diesen vielen Lagern möglicherweise veralten – und das wollen wir in jedem Fall verhindern. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns auf ein zentrales Warenlager. 

Detecon: Wie viele Menschen nutzen euer Produkt schon heute?

Philipp Schwarz: Zurzeit verzeichnen wir knapp 1.000 aktive Nutzer. Ich denke, dass sich das Produkt deutlich schneller verbreiten wird, sobald wir mit dem aktiven Marketing starten, was in naher Zukunft geschehen soll. 

Detecon: Du sprachst von derzeit knapp 1.000 aktiven Nutzern. Müsst ihr eigentlich viel Überzeugungsarbeit leisten, warum ein potentieller Kunde in euer Produkt investieren sollte?

Philipp Schwarz: Jeder, der das Produkt mal ausprobiert hat, ist sofort davon überzeugt. Man könnte also sagen: Die Wahrscheinlichkeit zum Kauf steigt bereits nach dem ersten Kontaktpunkt mit dem Produkt, das einzigartig ist. Und wenn man unser mit EMS ausgestattetes Tank Top mit Sportmitgliedschaften oder Personal Trainern vergleicht, sind 200 Euro verhältnismäßig günstig. 

Detecon: Wie arbeitet ihr bei Wearable Life Science im Team zusammen?

Philipp Schwarz: Wir sind 20 Leute. Was uns eint? Die Arbeit an einem einzigartigen Produkt! Wir merken das Interesse an unserem Produkt nicht zuletzt auch immer wieder daran, dass wir Mitarbeiterbewerbungen aus aller Welt erhalten. Das Ergebnis: 15 Nationen auf 20 Mitarbeiter verteilt. Die Mitarbeiter sind primär technisch ausgebildet, weswegen Marketing eher reaktiv funktioniert. Doch waren wir bisher eine Produktentwicklungsfirma, so wollen wir nun ins offensive Marketing übergehen. 

Detecon: Arbeitet ihr alle in einem Büro oder seid ihr quer über den Globus verstreut? 

Philipp Schwarz: Gerade in der Anfangsphase eines Unternehmens ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, dass ein enger Austausch stattfindet. Und gerade dieser enge Verbund klappt nur, wenn man auch räumlich beisammen ist. Das ist bei uns der Fall.  

Detecon: Wie seht ihr den allgemeinen Stand in Deutschland in Sachen Digitalisierung?

Philipp Schwarz: Ich muss sagen, wir Deutschen „leiden“ auf hohem Niveau. Natürlich gibt es aber immer Verbesserungspotential. Wünschenswert ist, dass der Breitbandausbau noch schneller vorangeht. Außerdem besteht aus meiner Sicht die Tendenz, dass junge Menschen „Digital“ zwar anwenden können – sie sind aber nicht in der Lage, unsere Welt auch digital zu gestalten. Es wäre toll, wenn sich künftig ein noch wahrnehmbareres schöpferisches digitales Potential entfaltet.  

Detecon: Was ist eure Vision für Wearable Life Science? Wo seht ihr euch in fünf bis zehn Jahren?

Philipp Schwarz: Wir bauen um unser Produkt herum eine digitale Plattform, bei der sich alles um Fitness dreht. Unser Ziel ist es, den Kunden exakte Werte zu ihren Trainingseinheiten zu geben und darüber hinaus den perfekten individuellen Use Case für den jeweiligen Kunden zu finden. Willst du Gewicht verlieren? Dich optimal auf einen Marathon vorbereiten? Wir ermitteln die perfekten Trainingsdaten mit maximalem Erfolg. Das ist unser Ziel!

Detecon: Viel Erfolg dabei – und Danke für das Interview!

   

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