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Total Recall

Wie Fahrzeughersteller bei Rückrufen von Digitalisierung profitieren können.

Wenn Sie im Besitz eines VWs sind, haben Sie in letzter Zeit sicherlich von Rückrufaktionen gehört – sei es aufgrund der nicht zulässigen Software im Motormanagement oder aufgrund altersschwacher Erdgastanks. Doch nicht nur VW gerät mit Rückrufen in die Schlagzeilen: „Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft mehr Rückrufe von Automobilen geben wird – und sie werden größerausfallen“ – Prof. Dudenhöffer bestätigt damit sicherlich die Wahrnehmung vieler Autofahrer und #LeadingDigitals. Auch wenn das Dieselgate aktuell viele weitere Rückrufaktionen anderer Fahrzeughersteller (OEMs) überschattet, gibt es einige systembedingte Gründe, wieso auch in Zukunft Fahrzeuge öffentlichkeitswirksam und damit für die (OEM) rufschädigend nachgebessert werden müssen:

  • Fahrzeuge teilen sich immer mehr Gleichteile. Sind diese mangelhaft, müssen auch mehr Fahrzeugmodelle zurückgerufen werden
  • Rapid Prototyping und Simulation verkürzen die Entwicklungszeiten, dadurch steht für ausführliche Tests jedoch auch weniger Zeit zur Verfügung
  • Die zunehmende Variantenvielfalt kann unmöglich in jeder Konfiguration getestet werden, negative Wechselwirkungen können dadurch unberücksichtigt bleiben

Wie geht es meinen Fahrzeugen?

Der OEM weiß nicht immer genau, wie es um den Zustand seiner Fahrzeugflotte bestellt ist. Dies liegt daran, dass Informationen über den Zustand eines Fahrzeugs nur zu bestimmten Zeitpunkten erhoben werden können, beispielsweise während einer Reparatur. Der OEM kann also – im Gegensatz zu Smartphones oder Computern – nicht nach Belieben den Zustand des Fahrzeugs erfragen und benötigt hierzu fast immer die Mitwirkung des Kunden.

 

 

Bis ein OEM den Mangel bemerkt und ein Rückruf initiiert wird, vergeht wertvolle Zeit, die so kurz wie möglich gehalten werden muss. Jedoch stehen hier mehrere Faktoren im Weg:

  • Werkstattdaten stehen nicht für den ganzen Lebenszyklus zur Verfügung, da mit zunehmendem Fahrzeugalter die Wahrscheinlichkeit für eine Reparatur in einer Vertragswerkstatt sinkt.
  • Die Zeitspanne zwischen Entstehung und Erfassung relevanter Daten kann sehr lange ausfallen.
  • Nicht immer werden Fahrzeugdaten systematisch ausgelesen und gespeichert.

Durch die Digitalisierung und durch die mittlerweile verfügbaren Connected Car Dienste ist ein OEM heutzutage prinzipiell in der Lage, die Daten schon früher abzugreifen.

 

Trivial ist das Abrufen von Zustandsdaten trotz vernetzter Fahrzeuge auch in Zukunft nicht 

Wer die Hoheit über die Daten hat, die während der Fahrzeugnutzung entstehen, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Bis dies juristisch abschließend geklärt ist, ist die Auswertung solcher Daten mit hohen rechtlichen Risiken verbunden, insbesondere wenn der Fahrzeugnutzer nicht hinreichend im Vorfeld über die Erfassung und Auswertung aufgeklärt wurde.

Für den OEM stellen die nur teilweise vorhandenen und somit unvollständigen Daten eine Herausforderung bei der Analyse dar, da Big Data und Predictive Maintenance Analysen prinzipiell von vollständig vorhandenen Daten ausgehen. Aufgrund des heterogenen Charakters einer Fahrzeugflotte wird unter Berücksichtigung des Lebenszyklus eines Automobils noch einige Zeit vergehen, bis alle Fahrzeuge einer Flotte mit Konnektivität ausgestattet sind und diese auch von OEMs vollständig genutzt werden darf.

Es gilt also, Daten vor allem „smart“ zu nutzen

Wie lässt sich denn die die Aussagekraft von Analysen, wie beispielsweise Big Data oder Predictive Maintenance, bei unvollständigen Daten bewerten? Basierend auf unseren Überlegungen ist ein Verifier Tool entwickelt worden, das mit Hilfe von computergestützten Simulationen die Auswirkungen der fehlenden Daten auf das Ergebnis der Analysen einschätzen kann. Mit diesem Verifier kann nun gezeigt werden, ob Analysen, wie beispielsweise Data-Mining, auch mit den vorhandenen – unvollständigen – Daten zu korrekten Ergebnissen führen. Der Verifier arbeitet dabei unabhängig von statistischen Verteilungen, da Mängel in Fahrzeugen typischerweise systembedingt auftreten und deshalb nicht im Vorfeld durch Verteilungsfunktionen abgebildet werden können.

Mit Hilfe dieses Verifiers können auch einzelne Maßnahmen per Mausklick simuliert werden. So kann ohne Implementierungsaufwand nach Maßnahmen gesucht werden, die die Aussagekraft der Daten am stärksten positiv beeinflussen. Beispielsweise könnte sich herausstellen, dass eine Fokussierung auf die Erfassung bestimmter Fahrzeugkonfigurationen am erfolgversprechendsten ist. Der OEM kann dies erreichen, indem er beispielsweise für diese Fahrzeugkonfigurationen spezielle Ausstattungspakete oder Serviceleistungen bündelt, die mit einer speziellen Einverständnis zur mobilen Datenerfassung und –auswertung verknüpft sind.

Wenn das Thema Ihr Interesse geweckt hat und Sie mehr über den Verifier erfahren möchten, stehe ich Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

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