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Quo vadis CDO

Wo bleiben die Digitalisierungsexperten?

Letztes Jahr haben wir von der Diskussion über einen potentiellen Mangel an Digitalverantwortlichen in Deutschland berichtet. Zudem prognostizierte eine Gartner-Studie einen drastischen Aufbau von CDOs in deutschen Konzernen bis 2019. Ein Jahr später wollen wir nun auf die Entwicklung des Digitalisierungs-Know-Hows in den Führungsetagen der Konzerne blicken. Liegen die Unternehmen mit der Zentralisierung ihrer Digitalisierungsvorhaben im Plan oder wird die Position des Chief Digital Officer doch ein Modell bleiben?

Laut einer Analyse zu Dax-Vorstandspersonalien der Personal- und Managementberatung Kienbaum hat sich an den CDO-Quoten in den Konzernen nicht besonders viel getan. Noch immer hätten neun von zehn Konzernen keinen Digitalprofi in der Geschäftsführung. Allerdings lassen die diesjährigen Einstellungen in den Vorstandsetagen neue Hoffnung schöpfen. So sollen laut Studie rund 50% der in 2017 in Konzerne einberufenen Vorstände einen Digitalisierungshintergrund haben. Ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zur bestehenden Vorstandsgeneration, bei der lediglich 30% bereits Erfahrungen in diesem Bereich machen konnten.

Welche Skills benötigt ein CDO?

Doch welche Fähigkeiten erwarten Unternehmen von ihren zukünftigen CDOs? Was muss ein CDO mitbringen und was sind seine Hauptaufgaben? Die Metajobsuchmaschine Joblift hat sich mit dieser Frage beschäftigt und eine Analyse von Stellenanzeigen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass CDOs nur sehr selten über öffentliche Stellenausschreibungen gesucht werden. Lediglich 28 solcher Anzeigen aus den letzten zwei Jahren konnten die Analysten finden. Alle übrigen Besetzungen werden in Form von internen Beförderungen oder Direktansprachen vermutet.

In den vorliegenden Stellenausschreibungen konnte Joblift jedoch eine Reihe typischer Anforderungen an Soft- und Hardskills für die Position des CDOs ermitteln. Neben der Vertrautheit mit Restrukturierungsprozessen, IT-Projektmanagement und dem Verständnis von digitalen Strukturen und Produkten sieht das durchschnittliche Jobprofil sowohl langjährige Führungserfahrung, als auch verhandlungssicheres Englisch vor. Die Fähigkeit, Sachverhalte geschickt zu präsentieren und eine strategische Denkweise nehmen dabei ebenso einen hohen Stellenwert ein als eine gute Durchsetzungs- und Überzeugungskraft. Gleichzeitig ordnet die Stellenanalyse dem Faktor Empathie eine untergeordnete Rolle zu.

Zusammengefasst erinnern diese Anforderungen stark an das Profil eines Unternehmensberaters. Das bestätigen auch die Analysten von Joblift und kommen zu dem Schluss, dass sich scheinbar ein Drittel aller Stellenanzeigen für Digitalisierungsvorhaben an externe Berater richten. Doch sind Berater-Skills wirklich die Fähigkeiten, welche ein CDO für eine erfolgreiche digitale Transformation mitbringen muss? Sollten an das Skill-Profil eines Digitalverantwortlichen nicht auch sehr konkrete fachliche und organisatorische Anforderungen gestellt werden?

Diese Frage lässt sich möglicherweise durch das ermittelte Aufgabenprofil des CDOs beantworten.

Profil eines Chief Digital Officers (CDO)
Quelle: joblift.de

Im Zentrum der neuen Tätigkeit der Chief Digital Officers steht der Stellenanalyse zufolge die Planung der Digitalisierungsstrategie des Arbeitgebers. Dazu sollen die Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle, als auch die Abstimmung der einzelnen Schnittstellen im Unternehmen zählen. Umsetzungsnahe Aufgaben wie Projektmanagement oder Zielkontrolle sollen hingegen eine untergeordnete Rolle in aktuellen Stellenausschreibungen für CDOs spielen.

Positiver Störenfried oder motivierender Enabler?

Offensichtlich geht die Rekrutierung von Digitalisierungsexperten in den Führungsetagen großer Konzerne langsamer voran als erwartet. Um die Prognose von Gartner bis 2019 erfüllen zu können, müssten die Unternehmen ihre Einstellungen in den nächsten Jahren massiv beschleunigen. Gleichzeitig zeigt die untergeordnete Rolle der Implementierung von Digitalisierungsstrategien, dass der Fokus derzeit noch auf der Strategieentwicklung liegt. In Verbindung mit den zuvor genannten Fähigkeiten sehen die Analysten von Joblift die Rolle des CDOs als „eine Art positiver Störenfried, der die Mitarbeiter als Treiber und Berater durch den Prozess des digitalen Wandels führt“.

Jedoch weckt dies die Frage, ob CDOs tatsächlich als treibende Kraft auftreten, ihre Meinung durchsetzen und als Innovator aktiv den Wandel gestalten müssen. Sollten künftige Digitalverantwortliche nicht eher als ideennahe Entscheider auftreten, Fehler zulassen und Mitarbeitern Freiraum für neue Ideen geben? Wäre es nicht günstiger für Konzerne ihr notwendiges, radikales Neudenken Entrepreneuren zu überlassen, die bereit sind Risiken einzugehen? Und könnte nicht Motivationsfähigkeit vor Durchsetzungskraft stehen? Dann könnten Digitalverantwortliche die gesamte Belegschaft als Hebel der Transformation nutzen und ein gewaltiges Potenzial zur Innovation freisetzen.

Offenbar steckt das Profil der Digitalverantwortlichen noch in den Kinderschuhen. Das Fehlen eines trennscharfen CDO-Profils könnte bestätigen, dass sich Konzerne erst am Beginn ihrer Digitalisierungsinitiativen befinden. Die jeweiligen Ziele und Methoden der digitalen Transformation müssen sich somit erst langsam entwickeln. Für die ersten Schritte in dieser neuen Welt der Digitalisierung impliziert die Erfahrung und Methodenkompetenz eines Beraters eine gewisse Sicherheit und hilft, das Profil der künftigen CDOs weiter zu schärfen.

Die weitere Entwicklung der Digitalisierung der Unternehmensführung bleibt in jedem Falle spannend. Sicher ist: Die digitale Transformation wird auch in 2017 Topthema in den Vorständen der Konzerne sein!

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