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Neues Geschäftsmodell als Logistikvermittler?

Wie Uber eine $700-Milliarden-Industrie aufwirbeln will

Smarte Mobilität könnte bald auch die Logistikbranche erreichen: Mittels einer Doppelstrategie will Uber neue Geschäfte im Bereich der Langstrecken-LKW-Industrie erschließen. Dabei ist Uber weder der erste noch der einzige Akteur auf diesem Gebiet. Es wird sich zeigen, ob die Erfahrungen aus der Taxi-Branche dabei von Vorteil sind.

Vor dem Hintergrund von Meldungen über umstrittene Unternehmensbewertungen und weltweite Kämpfe mit Regulierungsbehörden scheinen die Schlagzeilen zu Ubers selbstfahrenden LKWs und einer Online-Börse für Spediteure und Transportunternehmen wenig beeindruckend. Dabei könnten die zugrunde liegenden Technologien bedeutende finanzielle Auswirkungen haben, auf eine Industrie, die jährlich mehr als $700 Milliarden Umsatz erzielt.

Ein Startup als Katalysator für autonome Trucks

Laut einem Bloomberg-Bericht fuhr im Oktober letzten Jahres ein mit 50.000 Dosen Budweiser beladener autonomer LKW selbstständig knapp 200 Kilometer auf einem Highway in Colorado, USA. Die Testfahrt war ein Gemeinschaftsprojekt von Uber Technologies Inc. und AB InBev, dem Brauereiriesen. Hinter dem selbstfahrenden Truck steht Otto, ein Startup-Unternehmen, das Uber für $680 Millionen kaufte.

LKW-Unternehmen arbeiten schon seit längerem an der Entwicklung von autonomen LKWs, Otto ist aber das Einzige, das eine Lösung anbietet, mit der auch ältere Fahrzeuge zu autonomen LKWs umgerüstet werden können.

Die Otto-Technologie befindet sich noch in der Testphase, aber kleinere Dienstleistungen sollen bald möglich werden. Experten rechnen damit, dass sich die autonomen LKWs noch vor autonomen PKWs durchsetzen werden. Die Rahmenbedingungen für LKWs sind weitaus günstiger als für PKWs; die LKWs böten mehr Raum, um die Sensoren zu platzieren, sie verfügten über eine geringere Preissensibilität und seien weniger von äußeren Faktoren beeinflusst.

Massive ökonomische Vorteile

Neben einem Zugewinn an Sicherheit reizt bei dieser smarten Mobilität vor allem die potentielle Kostensenkung. Eine optimistische Schätzung von Morgan Stanley zeigt, dass auf lange Sicht eine Einsparung von bis zu $168 Milliarden durch autonome Lastwagen möglich sein könnte.

Doch auch wenn betont wird, dass die neue Technologie die Arbeit der LKW-Fahrer nicht voll ersetzen soll, ist es vorstellbar, dass die Technik sich dahingehend entwickelt, dass immer weniger Fahrer gebraucht werden.

Dynamische Preisfindung für Spediteure und Fahrer

Die Entwicklung der selbstfahrenden Technologie stellt bei Uber nur einen Teil seiner LKW-Strategie dar. Der andere Teil besteht aus dem Ausbau eines „On-demand“-Modells: Erst kürzlich lancierte das Unternehmen „Uber Freight“, das über eine Online-Börse Transportunternehmer und Fahrer auf ähnliche Weise wie die Uber-App Fahrgäste und Taxifahrer vernetzt.

Startups wie Convoy, Cargomatic oder TugForce haben mit mäßigem Erfolg versucht, sich einen Teil des Maklermarktes zu sichern. Die gesicherte Transportdurchführung im großen Stil ist aber weitaus komplexer als die Entwicklung einer App und der Betrieb einiger Server. Doch Uber setzt augenscheinlich auf seine große Erfahrung auf dem Gebiet der dynamischen Preisfindung.

Jetzt wird es ernst

Es wird ein steiniger Weg für Uber sein, die LKW-Branche aufzuwirbeln. Genau wie im Fall der autonomen PKWs gilt es auch hier, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. Die noch hohen Kosten der Technologie – bis $30.000 pro LKW – dezimieren die Summe potentieller Kunden. Was die Online-Plattform betrifft, verlangen Faktoren wie die höhere Komplexität, bedingt durch die Abstimmung schwerer Lasten und passender LKWs, die erhöhten Sicherheitsstandards und die Anforderungen an zeitliche Dringlichkeitsvorgaben vor allem nach neuen Organisationsfähigkeiten.

Ungeachtet der Herausforderungen scheint Uber entschlossen, sein Truck-Geschäft weiter auszubauen. „Uber Freight“ wird die Plattform in größerem Maße vorantreiben. Hinsichtlich der LKWs von Otto lautet die Frage nicht länger ob, sondern wann wir sie auf den Highways sehen werden.

(Die ausführliche Fassung des Beitrags von Oscar Escalante finden Sie hier)

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