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Es gibt viele Hidden Champions in Deutschland

Deutschland, deine Digitalisierung: Detecon-CEO Heinrich Arnold im Gespräch

Ist Deutschland in Sachen Digitalisierung inzwischen abgehängt? Droht Deutschland die Gefahr zum digitalen Entwicklungsland zu mutieren? Detecon-CEO Prof. Dr. Heinrich Arnold widerlegt diese These voller Überzeugung und hält Schreckensszenarien aller Art für falsch. Als führende Technologie- und Managementberatung aus Deutschland hat es sich Detecon zur Aufgabe gemacht, erfolgreiche Digitalisierungsprojekte in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Unter anderem wurde das Detecon-Jubiläumsevent in 2017 dazu genutzt, Erfolgsbeispiele erfolgreicher digitaler Transformation Made in Germany zu präsentieren.

Detecon: Welche konkreten digitalen Erfolgsstories à la Digital Change Made in Germany wurden zum 40-jähringe Bestehen der Detecon präsentiert?

Dr. Heinrich Arnold: Uli Huener, Head of Innovation Management bei EnBW berichtete beispielweise, wie aus der analogen Company EnBW konsequent eine Web-Company wurde. Er teilte seine Erfahrungen, wie mithilfe von digitaler Technologie sowohl das Produkt, als auch die Kundenschnittstelle optimiert werden konnten. Ein anderes Beispiel: Nils Stamm , CDO der Deutschen Telekom AG zeigte auf, wie Kunden anderen Kunden über soziale Plattformen helfen – und das seit mittlerweile sieben Jahren! Er nannte damit ein Beispiel, wie es die Telekom geschafft hat, sich an die veränderten Kommunikationsbedürfnisse der Kunden im Zeitalter der Digitalisierung und Social Media anzupassen. Das sind nur zwei von vielen Erfolgsgeschichten. Wir müssen einen Gegenpol zu der häufig zu negativ belasteten medialen Berichterstattung schaffen und zeigen: Made in Germany ist führend bei der digitalen Transformation bewährter Geschäftsmodelle. 

Mitte der 80er Jahre war Detecon-Mitarbeiter Friedhelm Hillebrand an der Erfindung der SMS beteiligt und gilt als Großvater von Whatsapp und Co. Inwiefern ist Detecon auch heute noch digitaler Vordenker?

Detecon hat die Digitalisierung von Anfang an mitgestaltet – und zwar lange bevor es den offiziellen Terminus ‚Digitalisierung‘ überhaupt gab. Detecon wurde in Zusammenhang mit der Digitalen Vermittlungstechnik gegründet. Die Nachfrage nach Expertise war bahnbrechend. Detecon war auch Entwicklungsgesellschaft für den Aufbau des ersten deutschen Mobilfunknetzes, sowie für die T-Mobile selbst, die innerhalb der Detecon aufgebaut wurde – „inkubiert“, würde man heute sagen. Auch heute haben wir den Anspruch, als Vordenker für Digitale Technologien zu agieren, indem wir beyond digitization denken. Auf analog folgte digital – und jetzt? Wir sprechen inzwischen von einem sogenannten Hybrid, das physische Produkte und digitale Features so kombiniert, dass kombinierte Geschäftsmodelle entstehen. Es geht darum, physikalische Produkte um ein digitales Ökosystem zu erweitern. Dies ist zum einen eine Frage der Technologie, zum anderen erfordert es auch ein grundlegendes Nachdenken im Unternehmen.

Was sind die konkreten Beispiele für bereits existierende hybride Geschäftsmodelle?

Ein gutes Beispiel ist die intelligente Vernetzungsplattform Home Connect, die uns Mario Pieper, CDO von der BSH Group, vorgestellt hat. Mit Home Connect können die einzelnen Hausgeräte per Smartphone von unterwegs gesteuert und kontrolliert werden. Durch neue digitale Kontaktpunkte wird die Kundenbeziehung vertieft. Die Plattform ist bereits in 28 Ländern in allen Produktkategorien mit unterschiedlichen integrierten Features verfügbar und stellt ein weiteres Paradebeispiel einer Digital Success-Story dar.

Könnte man den Begriff hybrid synonym mit der Bedeutung ‚integrierend‘ verwenden?

Zumindest ist der integrierende Charakter ein wesentlicher Bestandteil von Hybridität: Es geht ja um intelligente Vernetzung und Kommunikation! Darum, exzellente Produkte um ein digitales Ökosystem zu erweitern. Integration war im Übrigen auch Thema unserer ‚Best-of-Best-Exhibition‘ im Rahmen unserer Jubiläumsfeier, die wir gemeinsam mit ausgewählten Partnern realisiert haben. Wir haben das Beste aus Projekten und Use Cases der Bereiche Internet of Things, Future Production und Smart Mobility zusammengetragen, die die Welt gegenwärtig und in der Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes bewegen werden.

Anhand eines Miniatur LKW-Exponats haben unsere T-Labs-Kollegen ein Beispiel für Low Cost Ultra Fast Prototyping aufgezeigt – die demonstrierte Fernsteuerung für Fahrzeugklimatisierung ist der erste Schritt zum IoT-Einsatz im Transportwesen. Zweites Beispiel: Mit der Fischertechnik-Fabrik haben wir als Detecon in Zusammenarbeit mit der Software AG den Show Case eines Digitalen Zwillings in der Produktion mittels (IT-)edge realisiert. Es handelt sich um die digitale Simulation einer Produktionsstätte in Echtzeit, mit intelligenter Fertigungssteuerung und Predictive Maintenance. Wir arbeiten gemeinsam mit der SAG bereits an weiteren Szenarien zur Umsetzung des digitalen Zwillings.

Auch Themen rund um Security und AR/ VR sind brandaktuell: So geht es bei SCADA Security von den T-Labs Kollegen um die frühzeitige Erkennung von Angriffen auf kritische Infrastrukturen in einer selbstentwickelten Hardware-Lösung. Die Holomarketing-App der Kollegen von der T-Systems Multimedia Solutions bildet digitale Produkte realitätsnah durch Hologramm-Projektionen ab. Ergo: Ein realer Raum bietet Platz für ein virtuelles Produkt – womit wir wieder bei der Kombination von analog und digital wären!

Was braucht es konkret, um die digitale Entwicklung voranzutreiben? 

Partnering ist ein essentieller Erfolgsfaktor, wenn es darum geht, ein funktionierendes, digitales und globales Ökosystem zu bilden. Bei der Implementierung neuer Geschäftsmodelle müssen wir eines bedenken: Nur durch branchen- und länderübergreifende Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und digitalen Startups über Unternehmensgrenzen hinweg kommen wir dem Ziel näher, eine globale Abdeckung zu realisieren. Es geht darum, die bereits vorhandenen Kompetenzen zusammenzubringen, ohne sie selbst damit aufbauen zu müssen, und den Turbo eines leistungsfähigen Ökosystems anzuschalten. Kurzum: Eine multilaterale Form der Zusammenarbeit zu gewährleisten. Partnering, think hybrid & speed up! sind die neuen Leitmotive. Deutschland hat dieses Credo bereits verinnerlicht und definiert seine Rolle im globalen, digitalen Ökosystem. 

Und wie nimmt der Berater Einfluss auf intelligentes Partnering?

Eines vorweg: Die Art und Weise, wie Produkte und Dienstleistungen entstehen, ändert sich radikal. Weg von großen, wasserfallartigen Schritten hin zu kleineren, agilen Konzeptanteilen, die die Möglichkeiten des Trial & Error-Prinzips unterstützen. In diesem Zuge ändert sich auch die Rolle des Beraters: Wir brauchen teamfähige Fachexperten, die auf Grundlage von Vertrauen und persönlichen Erfahrungen bis zur Umsetzung lieferfähig sind. Zukünftig wird die geschickte Kombination von betriebswirtschaftlicher und technischer Fertigkeit mit kreativen Fähigkeiten ein entscheidender Erfolgsfaktor. Der Berater der Zukunft ist unter anderem der, der in einem multidisziplinären Team arbeitet und orchestriert. Als Match Maker bringt er so die Dimensionen Bedarf und Fähigkeiten zusammen. Der Berater ist damit auch Treiber und Realisator von intelligentem Partnering. 

Zum Abschluss die Frage: Wo steht Deutschland denn nun wirklich?

Deutschland ist nicht Entwicklungsland, sondern im Gegenteil, führendes Entwicklerland. Und die Detecon ist seit mehr als 40 Jahren ganz vorne mit dabei. Wir betonen und vertiefen das erfolgreiche Zusammenspiel von physisch und digital, von Co-Innovation, Co-Creation und erfolgreichem Partnering. Es gibt viele Hidden Champions in Deutschland. Wir haben einen Eindruck dessen bekommen, wer unter anderem zu Deutschlands digitaler Elite gehört und wer digitale Erfolgsstories Made in Germany schreibt. Dazu tragen wir als Detecon sehr gerne bei und teilen usnere Erfahrungen mit unseren Kunden und Partnern. 

Vielen Dank für das Interview!

Das Gespräch führte Cosima Brock.

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