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2030 // Factory of the Future

Woher kommen unsere Produkte in 2030?

Woher kommen unsere Produkte im Jahr 2030? Wer dieser Frage nachgeht, sollte einen Blick auf das Projekt "STOREFACTORY" werfen: adidas hat mit dem Pop-up Store „Knit for you“ einen Meilenstein erreicht. Der Store im Berliner Einkaufszentrum Bikini schließt nach erfolgreicher Testphase.

Wie digitale Transformation sogar Spaß machen kann

Kunden hatten im Laufe des Einkaufsprozesses die Möglichkeit, verschiedene Stationen durchlaufen. So konnten sie etwa während der „Create“-Phase Projektionen verschiedener Stoffe direkt am eigenen Körper sehen und im weiteren Verlauf mit Hilfe von „Bodyscannern“ die Körpervermessung vornehmen. Im Rahmen vorgegebener Möglichkeiten entsteht so ein individuelles Produkt, welches durch die dem Laden angeschlossene Minifabrik innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt und dem Kunden übergeben werden kann.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das dieses Projekt fördert, beschreibt auf seiner Webseite den Ansatz wie folgt: "STOREFACTORY bietet Kunden die Möglichkeit, Produkte im Laden vor Ort nach eigenen Wünschen zu gestalten und produzieren zu lassen. Realisiert wird dieses Vorhaben anhand einer Produktion in Berlin. Mit dem Projekt STOREFACTORY soll zudem mehr Wissen über die Akzeptanz eines individualisierten und durch Industrie 4.0 geprägten Einkaufsprozesses durch die persönliche Erfahrung im Geschäft gesammelt werden."

Dieses Beispiel zeigt, dass digitale Transformation und Industrie 4.0 nicht unbedingt ein Schreckgespenst mit menschenleeren Hallen und Massenarbeitslosigkeit sind. Es kommt darauf an, wie man die Technologie einsetzt. Dann macht das nicht nur den Kunden richtig Spaß, es entstehen auch Arbeitsplätze an anderer Stelle.

Die Rolle des digitalen Zwillings

Was hat das alles aber mit der Fertigung in der Fabrik zu tun? Der zu Grunde liegende Ansatz der Digitalisierung ist der gleiche. Es geht darum, die Prozesse durchgehend zu digitalisieren und einen durchgängigen Datenaustausch zu ermöglichen – von der Produktentstehung über die Produktionsplanung zur Fertigung und in die Prozesse der Kundenbetreuung nach der Auslieferung. Konkret bedeutet das für das spätere reale Produkt, dass es zunächst als digitaler Zwilling entsteht.

Im obigen Beispiel bedeutet dies, dass der Pullover zunächst komplett digital entwickelt und seine Produktion virtuell abgesichert wurde – dem Kunden kann die Produktion mit einem definierten Liefertermin zugesichert werden. Hierzu werden die Daten des digitalen Zwillings des Produktes mit denen des digitalen Zwillings der Produktion abgeglichen. Damit ist sichergestellt, dass alle zur Produktionen benötigten Werkzeuge, Maschinen und Rohstoffe verfügbar und in der gewünschten Form auch zusammengebracht werden können.

Bis zum Jahr 2030 werden wir auch Fertigungsverfahren und Maschinen haben, die flexibel eingesetzt werden können, also nicht mehr ausschließlich auf die Produktion eines spezifischen Produktes ausgelegt wurden. Additive Fertigungsverfahren wie 3D-Druck, mit dem heute bereits ganze Häuser in annehmbarer Zeit und Kosten erstellt werden sind ein Beispiel für diese Verfahren, mittels Software flexibel einstell- und steuerbare Werkzeuge ein anderes.

Da digitale Daten wie der digitale Zwilling eines Produktes grenzenlos schnell ausgetauscht werden können, kann die tatsächliche Produktionsstätte sich überall auf der Welt befinden, sofern sie die entsprechenden Eigenschaften hat. Zurück im Beispiel könnte also ein Kunde in Berlin zusammen in einer Co-Creation-Session mit einem berühmten Designer einen individuellen Pullover entwickeln und direkt in Berlin drucken lassen. Dabei werden bis 2030 bereits sichtbare Ansätze – in Deutschland zum Beispiel das Konzept des Industrial Data Space – sicherstellen, dass das geistige Eigentum geschützt bleibt beziehungsweise wenn gewünscht, das Design gegen Geld an andere verkauft und produziert werden kann. Entsprechende vertrauenswürdige Anbieter von Plattformen garantieren dies dann als digitalen Service.

Urban Manufacturing – die Fabrik in der Stadt

Deutschland ist zu einem großen Teil urbanisiert. Das bedeutet, dass viele Menschen, die Arbeiten und Einkaufen wollen, in Städten leben. Moderne Technologien ermöglichen, dass immer mehr Produktion ohne schädliche Ausstoße und Lärmemissionen auskommt. Warum also nicht die Teile der Produktion in die Stadt verlegen? Das würde auch dem Fachkräftemangel begegnen, da gutbezahlte Wissensarbeiter die breiten Angebote der Stadt für sich und ihre Familien nutzen möchten.

Die Produktionsbereiche, die außerhalb bleiben, können in vielen Fällen hochautomatisiert von Experten überwacht, gesteuert und mit Hilfe von eigenen Erfahrungsdaten, die in den Anlagen gespeichert oder von anderen, zum Beispiel den Herstellern zugekauft werden, optimiert werden.

Damit könnten bereits bewährte Muster aus der industriellen Revolution wiederverwendet werden. In der Stadt können Anbieter von Quartierfabriken flexible, aber teure Fertigungsanlagen vorhalten und anderen Spezialfertigern anbieten. Dies wäre auch in Form von Genossenschaften denkbar: früher kamen beispielsweise teure landwirtschaftliche Geräte wie Mähdrescher, aber auch der Einkauf von Waren über die Raiffeisengenoschaften den angeschlossenen Bauern zu Gute – heute würde man von einem Ökosystem sprechen.

Was können produzierende Unternehmen tun, um sich für das digitale Zeitalter fit zu machen?

Entwickeln Sie ihre Digitalstrategie! Neben der Kenntnis und Nutzung moderner Technologien müssen auch weitere Parameter der Zielmärkte für die neuen Geschäftsmodelle in Betracht gezogen werden. Interessante Anregungen für diese Parameter zeigen zum Beispiel eine Studie der Stiftung Neue Verantwortung, bei der sechs Szenarien für den Arbeitsmarkt in Deutschland für 2030 aufgezeigt werden.

Bilden Sie Netzwerke! Nie war es so einfach, sich mit anderen zusammen zu tun und im nahtlosen Austausch von Informationen die Wertschöpfung zu revolutionieren. Und hier sollte auch der Kunde eingebunden sein.

Wagen Sie sich an neue Geschäftsmodelle und in neue Rollen! Vielleicht sind Sie gerade der Richtige, der einen neu entstandenen Bedarf in diesen Value Networks befriedigen kann. Um in dem obigen Beispiel zu bleiben, könnten Sie als erfolgreicher Hersteller von teuren Spezialmaschinen wie zum Beispiel (Body-)Scannern oder Laserschneideanlagen diese in Quartieren anbieten.

Am besten beginnen Sie direkt heute, indem Sie überlegen, welche Daten bereits vorliegen,  welche Sie noch gut gebrauchen könnten und was Sie damit machen können. Komplettieren Sie Ihre Information-Management-Strategie für Ihre digitale Fitness!

Autor

Uwe Weber ist Managing Partner bei Detecon im Geschäftsbereich Industrie. In über 25 Jahren in der Beratung unterstützte Herr Weber unterschiedlichste Kunden verschiedener Größe und Industriebereiche bei ihrer geschäftlichen Transformation und in Fragen des IT Managements. Aktuell sind bei ihm im Fokus die Themen Industrial Internet und das Thema Industrie 4.0. In diesem Zusammenhang vertritt er auch die Detecon bei ProSTEP und unterstützt dort mit seinem Team aktuelle Vereinsprojekte im Umfeld des Digitalen Zwillings für die Produktion. Herr Weber ist Botschafter des Cross Business Architecture Lab (vormals SOA Innovation Lab). Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in diesem Themengebiet und spricht auf internationalen Konferenzen

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